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Residenz-Kino in Völklingen ist wieder geschlossen

Das Residenz-Kino in der Völklinger Karl-Janssen- Straße.

Das Residenz-Kino in der Völklinger Karl-Janssen- Straße.

Völklingen. „Es geht weiter“, hieß es auch gestern noch tapfer auf der Internet-Seite des Völklinger Residenz-Kinos. Und es war sogar die Öffnung eines Bistros mit tagesfrischen Gerichten in Aussicht gestellt. Da klaffte aber in der Vorschau auf das Programm der nächsten Tage bereits ein Loch. Und wer persönlich in der Karl-Janssen-Straße vorbei schaute, der stand vor leeren Aushängen, wo vor wenigen Tagen noch James Bond und der kleine Hobbit ihre Abenteuer angekündigt hatten – ein untrügliches Zeichen für eine Geschäftsaufgabe. Bereits in der vorigen Woche hatte Betreiber Peter Pickl angekündigt, über Fastnacht keine Filme zeigen zu wollen. Da schwante Eingeweihten bereits, dass das Durchhaltevermögen des 48-jährigen Bayern am Ende sein würde.

Auf SZ-Anfrage bestätigte Peter Pickl gestern denn auch, dass die Vorstellungen am Sonntag die letzten gewesen seien. Er habe kein Geld mehr und auch keine Filme. „Ich habe mein Möglichstes getan und mich reingekniet, um das Kino wieder hochzubringen, aber selbst bei einem vollen Haus hätte ich die extrem hohen Betriebskosten nicht einspielen können“, beklagte der Pächter vor allem die Forderungen der Stadtwerke für die Heizung. Je nach Wetter habe das Kino monatlich 5000 bis 10 000 Euro Energiekosten verursacht, sagte Pickl und kritisierte die Hauseigentümer- und Vermieter-Familie Theis. Als er im Dezember mit Verschönerungsarbeiten (und am 12. Dezember mit Vorführungen) begann, habe die Familie ihn über die zu erwartenden Kosten im Unklaren gelassen. Sie habe es auch unterlassen, in die erforderliche Sanierung zu investieren. Eine niedrige fünfstellige Summe hätte nach seinen Worten gereicht. Wenn er geahnt hätte, wie teuer der Unterhalt des Gebäudes sei, hätte er sich nie auf das Völklinger Abenteuer eingelassen, so der Pächter, der die Familie Theis über einen Rechtsanwalt gar der „Täuschung“ schalt. Familie Theis reagierte nun, als sich das Ende des Betriebes deutlich abzeichnete, mit einer Kündigung des Pachtverhältnisses. Bereits an Weihnachten war es zu Verstimmungen gekommen, als Pickl mit markigen Worten Vorwürfe gegen die Kino-Familie auf seiner Homepage erhob und in seinem „Gästebuch“ zumindest vorübergehend auch verletzende Beiträge duldete.

Inge Theis widersprach gegenüber unserer Zeitung der Darstellung Pickls ausdrücklich. Dieser habe das Haus vor seinem Engagement zwei Mal gründlich besichtigt und sei über die Gegebenheiten unterrichtet gewesen. Weder habe man ihm Versprechungen über bevorstehende Sanierungen gemacht (die eine sechsstellige Summe kosten würden und für Eigentümer jenseits der 80 nicht zu tragen seien), noch habe man Miete verlangt. Pickl sagte zum Abschied, dass „Völklingen ein super Kino-Publikum“ habe. Ob diese Aussicht aber reicht, um einen neuen Pächter zu finden?



Meinung

Schön wär's gewesen

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Das Ende ist – leider – keine Überraschung. Schon seit dem Neustart des Völklinger Residenz-Kinos Mitte Dezember kamen Beobachter kaum aus dem Staunen heraus.

Mit der eigenwilligen „Werbung“ des neuen Pächters Peter Pickl fing es an. Leute, geht um Himmels willen ins Kino, appellierte er an die Völklinger – nur wenn genug Publikum komme, könne das Kino fortbestehen. Keine zwei Wochen später ließ Pickl einen „SOS“-Ruf folgen: Die Energiekosten für das Haus seien so hoch, dass der Betrieb sie nicht einspielen könne. Unterstützer möchten sich engagieren, natürlich kostenlos, bat Pickl. Und machte zugleich den Kino-Eigentümern Vorwürfe.

Das Muster war bekannt, Gleiches hatte es bereits in Goch und Remscheid gegeben, wo Pickl zuvor Kinopächter war. Ebenso wie dort erschienen auch an der Völklinger Kinotür Zettel, in denen Pickl seinen Kunden bissig das Mitbringen von Getränken und großen Taschen verbot. Ebenso wie dort gab es vollmundige Ausbau-Versprechen, trotz offenkundigen Geldmangels. Ob sich nun auch noch der (Rechts-)Streit, mit dem Pickl Goch und Remscheid verließ, in Völklingen wiederholt? Das allerdings wird eine Privatangelegenheit zwischen Pächter und Eigentümern bleiben.

Schön wär's gewesen, das Völklinger Residenz-Kino neu zu beleben. Doch erst einmal ist die Hoffnung wieder dahin.
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