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Rettungskräfte erst nach eineinhalb Stunden da

Rettungskräfte waren erst eineinhalb Stunden nach Unfall beim Opfer an der Talsperre.

Rettungskräfte waren erst eineinhalb Stunden nach Unfall beim Opfer an der Talsperre.

Saarbrücken. Im Saarland sollen Unfallopfer in der Regel nicht mehr als 20 Minuten auf das Eintreffen von Rettungskräften warten müssen. Dafür leistet man sich ein teures System von Rettungswachen, Einsatz- und Leitstellen, die so über das Land verteilt sind, dass nach einem Notruf Sanitäter und Notärzte nach wenigen Minuten am Unfallort eintreffen und Hilfe leisten.
In der Regel. Doch es gibt auch Ausnahmen, wie ein Saarbrücker Ehepaar am ersten Oktober-Wochenende bitter erfahren musste. In diesem Fall dauerte es über 90 Minuten vom Unfall bis zum Eintreffen des ersten Rettungswagens. Eine extrem lange Zeitspanne, die bei schweren Unfällen über Leben und Tod eines Opfers entscheiden kann. Was war geschehen? Das Ehepaar macht eine Wandertour an der Talsperre Nonnweiler. Sonntags gegen 15.15 Uhr rutscht die am Wegesrand gehende Frau aus, fällt unglücklich die Böschung hinab und verletzt sich schwer. Neben Beinbrüchen vermutet der Ehemann auch innere Verletzungen, da seine Frau mehrfach das Bewusstsein verliert.
Und nun beginnt das Drama. Der Mann versucht, über die Nummer 112 einen Notruf mit seinem Handy abzusetzen, aber vergeblich, weil der Unglücksort in der zerklüfteten Gegend in einem Funkloch liegt. Ein Passant bietet Hilfe an und läuft mit seinem Handy hin und her, um von einem günstigen Punkt aus doch ins Netz zu gelangen. Als dieser Versuch gelingt, ist es schon 15.42 Uhr. Seit dem Sturz der Frau sind schon 26 Minuten verstrichen. Nun das zweite Problem. Der Notruf läuft nicht in Saarbrücken oder Trier auf, den beiden nächst gelegenen Rettungsleitstellen, sondern, durch den Aufbau des Mobilfunk-Netzes bedingt, in Bad Kreuznach, wo man mit der Information „Stausee Nonnweiler“ nichts anfangen kann. Schließlich wird Saarbrücken verständigt, ein Rettungswagen aus Wadern auf den Weg geschickt, der aber nicht über das Kartenmaterial verfügt, um über die verschlungenen Waldwege auf der kürzesten Verbindung die Unfallstelle anzufahren.
Also werden Rücksprachen mit der Rettungsleitstelle notwendig. Schließlich wird die Feuerwehr in Hermeskeil verständigt, die einen zweiten Rettungswagen losschickt. Kurz vor 17 Uhr trifft das erste Rettungsteam am Unfallort ein, der Notarzt nochmal 20 Minuten später. Dazu verlangt der Ehemann: „Die Fragen zu diesem Desaster müssen unvoreingenommen von allen Seiten beantwortet werden.“
Der Pressebeauftragte des Zweckverbands für Rettungsdienste und Feuerwehralarmierung Saar, Lukas Hoor, bestätigt den Sachverhalt und weist auf eine Verkettung unglücklicher Umstände hin. „Wir müssen aus diesem Fall lernen“, sagt er und meint damit auch, dass man sich exakte Karten über die Wege an der Talsperre kommen lässt.
 
 

Meinung
Verbesserung unabdingbar

Von SZ-Redakteur Gerhard Franz


Kaum jemand kann sich vorstellen, dass man im Saarland einen Unfall erleidet und über eineinhalb Stunden hilflos warten muss, bis der erste Sanitäter auf der Bildfläche erscheint. Solch unangenehme Erlebnisse sind in letzter Zeit nur bei vereinzelten Unfällen an der deutsch-französischen Grenze geschildert worden. Und nun zeigt sich, dass auch an der Grenze zweier Bundesländer Zonen bestehen, die sich einer unverzüglichen Rettungsaktion schlicht verweigern. Funkloch und Orientierungsprobleme auf abgelegenen Waldwegen lauten die Stichworte. Hieraus müssen Konsequenzen für das Rettungssystem auch in schwierigen Winkeln gezogen werden.




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