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Riesen-Verluste bei Praktiker - Aktienkurs bricht ein

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Kirkel. Das Geschäft des Kirkeler Baumarkt-Konzerns Praktiker ist wie erwartet im zweiten Quartal heftig unter die Räder gekommen. Der Konzernumsatz sank um 7,9 Prozent auf 956,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen gestern bekannt gab. Im gesamten ersten Halbjahr verringerte sich der Umsatz um 9,2 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Außerdem ist der Konzern tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) weist im zweiten Quartal ein Minus von 72 Millionen Euro aus. Von Januar bis Juni ist ein operativer Verlust von insgesamt 143,5 Millionen Euro aufgelaufen.

Außer den Baumärkten der 2007 erworbenen Max-Bahr-Gruppe schreiben alle Konzernteile – sowohl im Inland als auch im Ausland – rote Zahlen. Die mehr als 70 Märkte von Max Bahr beendeten das zweite Vierteljahr mit einem positiven Ebita von 9,7 Millionen Euro (Halbjahr 8,8 Millionen Euro).




Praktiker weist darauf hin, dass „zahlreiche Sondereffekte das Ergebnis verzerrt haben“. Allein die Zusatzaufwendungen für das Programm „Praktiker 2013“ hätten das zweite Quartal mit 22,6 Millionen Euro belastet. Im Rahmen von „Praktiker 2013“ hat man unter anderem die verschiedenen Eigenmarken unter dem Namen „Praktiker“ vereint. Diese sollen das mittlere Preissegment abdecken. Außerdem steht in jedem Markt ein Lotse zur Verfügung, der den Kunden dorthin führt, wo er die gewünschten Produkte findet.

Das operative Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (Ebit) wurde im ersten Halbjahr sogar mit Abschreibungen in Höhe von 250,5 Millionen Euro belastet. Allein die Geschäfts- und Firmenwerte wurden um 159,5 Millionen Euro zurückgefahren. Der Wert des Anlagevermögens verringerte sich um 43,7 Millionen Euro. In den Sonderaufwendungen sind auch Rückstellungen für den Personalabbau enthalten. Die Zahl der Beschäftigten sank im ersten Halbjahr erneut – von 21.860 auf rund 20.450.

Aufgrund dieser Zahlen geriet der Kurs der Praktiker-Aktie gestern stark unter Druck. Am späten Nachmittag mussten die Aktionäre ein Minus von rund 16,80 Prozent auf 2,44 Euro hinnehmen. Im März stand die Aktie noch bei neun Euro. „Das Praktiker-Papier wird geschreddert“, klagte gestern der Saarbrücker Kleinaktionär Manfred Klein. Für ihn ist der Kirkeler Baumarktkonzern ein „klassischer Übernahme-Kandidat“. Heftige Kritik übte Klein auch am Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Kersten von Schenck. „Der führt weder Aufsicht, noch weiß er Rat.“ Die Nachfolge des scheidenden Vorstandschefs Wolfgang Werner (Foto: B&B) müsse „sehr schnell geklärt werden“. Sonst treibe das Konzernschiff Praktiker führungslos durch schwere See. Selbst die Unternehmensanleihe, die Praktiker im Februar aufgelegt hatte, ist kräftig gefallen. Ihr Wert sank an der Börse Stuttgart seit Anfang Juli von 101,25 Euro auf gestern 93,75 Euro.
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