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Rock ohne Ring begeistert weiter die Massen

Es ist eine turbulente Premiere für den Festival-Klassiker „Rock am Ring“ in seiner neuen Heimat. In seinem 30. Jahr steigt das dreitägige Riesen-Event mit knapp 90 000 Fans erstmals auf dem Flugplatz des Eifelortes Mendig . Blitzeinschläge verletzten hier 33 Menschen. Der Stimmung tut das kaum einen Abbruch, hier kann Mendig mit dem Ex-Standort Nürburgring konkurrieren.

Gleich am ersten Abend sind die Toten Hosen der Top Act – die Band, die für reichlich legendäre Momente am Nürburgring gesorgt hat. Einst rockte dort Sänger Campino mit gebrochenem Bein die Rennstrecke, nun ruft er den Fans in Mendig zu: „Wo ihr seid, ist Rock am Ring – egal, auf welchem Gelände.“ Die Schlagzeilen abseits der Bühnen bestimmen Unwetter , die das riesige Gelände in der Nacht auf Samstag heimsuchen. Dreimal schlagen Blitze ein, acht Mitarbeiter des Bühnenpersonals und 25 Besucher werden verletzt, müssen in Krankenhäuser.

Als die ärztliche Leitung verkündet, dass es allen Verletzten wieder besser geht, herrscht Erleichterung. Drumherum herrscht Stunden nach den Blitzen und einem vorzeitig beendeten Konzert von Fritz Kalkbrenner wieder der normale Festival-Ablauf. Laute Musik dröhnt, es gibt Ravioli aus Dosen. Zerfetzte Pavillons, Zelte und Müllsäcke zeugen von den Geschehnissen der Nacht. „Wessen Zelt steht denn noch?“, fragt eine Moderatorin auf einer Bühne. Viele Finger gehen nach oben, dann wird getanzt.

Auch in Nürnberg, wo das Zwillingsfestival „Rock im Park“ mit rund 80 000 Besuchern über die Bühne geht, hält ein Unwetter die Helfer in Atem. Hier wird in der Nacht auf Sonntag zum Schutz vor Hagel und Blitzen das Festivalgelände evakuiert.

Und wie fällt nun das Fazit für Mendig aus? Klar ist, es kann nicht alles gleich reibungslos klappen. Anfangs mangelt es an Campingfläche, kurzerhand müssen bei Landwirten zusätzlich rund 30 Hektar aufgetrieben werden. Einige Fans beklagen, Gepäck müsse weiter geschleppt werden als früher. Es sind aber auch viele positive Stimmen zu hören zu dem neuen Gelände, das deutlich größer und gleichzeitig kompakter ist als das alte an der Rennstrecke. Und Musik-Größen gibt es auch in Mendig reichlich: neben den Toten Hosen etwa die Foo Fighters, Slipknot, The Prodigy oder weitere deutsche Vertreter wie Deichkind, die Beatsteaks oder Clueso . Weil Mendig Teil der Vulkaneifel ist, treten die Künstler hier auf Bühnen auf, die Crater oder Volcano heißen.

„Das meiste war richtig“, resümierte Veranstalter Marek Lieberberg. Toll sei gewesen, wie sehr sich die Menschen und Verantwortlichen in und um Mendig auf das Großereignis eingelassen hätten. Das unterscheide sich elementar vom Nürburgring. Dort hatte sich Lieberberg mit den neuen Eignern der Strecke nicht auf eine Zusammenarbeit einigen können und war deshalb mit dem Festival-Tross nach Mendig umgezogen.

Es deutet also nichts auf eine kurze Stippvisite von „Rock am Ring“ in Mendig hin. Lieberberg schloss einen Vertrag für fünf Jahre mit der Option auf eine Verlängerung um weitere fünf Jahre. Und sagt am Abschlusstag: „Es ist ganz klar, wir wollen hier bleiben.“
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