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Rosa Zelt gibt Rätsel auf

Passanten sahen am Mittwoch ein rosa Zelt auf einer Insel auf Treibgut. Ein Arbeitsschiff beseitigte den Unrat. Fotos: Becker&Bredel

Passanten sahen am Mittwoch ein rosa Zelt auf einer Insel auf Treibgut. Ein Arbeitsschiff beseitigte den Unrat. Fotos: Becker&Bredel

Passanten trauten gestern ihren Augen nicht: Mitten auf der Saar hatten Witzbolde ein rosa Zelt gestellt. Es leuchtete auf einer Insel aus Treibgut an der Alten Brücke. Die Wasserschutzpolizei wurde alarmiert, das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) schickte Personal. Und keiner der Experten hatte so was je gesehen. Das Zelt war zu beiden Seiten verzurrt, damit es der Wind nicht wegweht.

 

WSA-Chef Albert Schöpflin sagte: „Wenn wirklich einer über die querliegenden Stämme zum Treibgut balancierte, um das Zelt festzumachen, war er in Lebensgefahr. Die Strömung an den Pfeilern ist enorm. Das Risiko zu ertrinken, ebenfalls.“ Theoretisch sei es denkbar, über die Stämme zu gehen, aber unverantwortlich.

 

Auch die Polizisten sahen das so und nannten die Aktion groben Unfug. Das rosa Zelt war verschlossen, Schöpflin warf Steine dagegen, um zu schauen, ob jemand drin war. Doch es zeigte sich niemand.

 

Dann schickte das WSA ein Schiff mit Bagger, das in Saarbrücken für Wartungsarbeiten auf der Wasserstraße stationiert ist. Die Schaufel hob das Zelt langsam und verfrachtete es auf einen Lastkahn. Es war leer. Das WSA ließ bei dieser Gelegenheit die großen Stämme entfernen, damit diese nicht weiter saarabwärts treiben und Schiffe beschädigen. Drei Bäume lagen an der alten Brücke quer.

 

Schöpflin: „Das sind meist Erlen von den Ufern der Blies und der Prims. Wenn sie umstürzen, treiben sie bei Hochwasser ab. Dabei können sie als Treibgut Schiffe treffen oder sich erneut querlegen und dabei Wasser stauen.“ Das WSA entferne daher diese Hindernisse. Schon jetzt stecken wegen der steigenden Pegel mehrere Jachten in Saarbrücken fest. Seit Mittwoch gibt es für die Schweizer Elsbeth und Walter Matter kein Fortkommen.

 

„Wir waren auf der Durchreise von den Niederlanden in Richtung Neckar, und nachdem wir die Schleuse passiert hatten, hieß es, wir könnten nicht weiter, weil der Wasserpegel zu hoch sei“, sagt Walter Matter. Das Ehepaar ist in Rente und verbringt die Sommer jedes Jahr auf dem Boot.

 

„Das Schönste am Bootfahren sind für uns die Freiheit und das Wasser. Außerdem ist die Jacht unser Zuhause“, sagt Elsbeth Matter. Wartezeiten sind für die Reisenden nichts Neues, jedoch hatten sie noch nie einen so langen ungeplanten Aufenthalt. Um die Zeit zu überbrücken lenken sich die beiden mit Radfahren ab: „Wenn es nicht regnet, nutzen wir unsere Räder und fahren durch die Gegend. Kürzlich waren wir in der Saarlandtherme. Nur können wir keine ausgedehnten Touren machen. Das Fahrverbot kann jeden Moment aufgehoben werden. Dann müssen wir losfahren, da wir andere Schiffe behindern würden“, sagt die 71-Jährige. Dem Paar fehlen nur drei Schleusen, bis es ungehindert weiterfahren kann. „Dann sind wir im Kanal, und dort gibt es kein Hochwasser mehr“, sagt Walter Matter. Die beiden wollen bald weiterfahren.

 

Bootsnachbar Rüdiger Ehnke ergeht es genauso. „Ich sitze seit Mittwoch fest. Es ist sehr ärgerlich, aber das Wetter kann man nicht beeinflussen. Die Schleusenwärter sind dafür sehr hilfsbereit und haben sogar ihren Fahrdienst angeboten“, schildert er. Ehnke hat kürzlich seine Firma verkauft und gönnt sich eine Auszeit. „Boote hatte ich immer, aber eine solche Tour über den Sommer hab' ich noch nie gemacht. Bis September möchte ich wieder zu Hause angekommen sein. Bis dahin mache ich Halt, wo es mir gefällt. Meine Ziele sind Korsika oder sogar Sardinien“, sagt der Ratzeburger. Bisher schaute er sich die Stadt an, ging shoppen und besuchte abends ein, zwei Gaststätten. Auch ihm fällt es schwer, lange von Bord zu bleiben, da er hofft, dass es bald weitergeht.
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