L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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SHG zahlt Geschäftsführer 700.000 € Abfindung

Saarbrücken/Merzig. Seit 15 Monaten steht Alfons Vogtel, früherer CDU-Landtagsabgeordneter, alleine an der Spitze der gemeinnützigen Saarland Heilstätten GmbH mit rund 4300 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von insgesamt 290 Millionen Euro. Der frühere Job des Sprechers der SHG-Geschäftsführung ist seit Januar 2010 vakant und wird wohl auf absehbare Zeit nicht besetzt. Die Gesellschafter des größten Klinikträgers im Saarland können sich offenbar nicht auf einen Kandidaten für den mit 160 000 Euro plus Leistungszulage dotierten Posten eines Klinikmanagers verständigen.



Die Anteile der SHG halten die Deutsche Rentenversicherung (46 Prozent), der Regionalverband Saarbrücken (40 Prozent), die Knappschaft Bahn-See (neun Prozent) und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Saar (fünf Prozent). Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Awo-Landesvorsitzender Paul Quirin (76), der vor Jahren selbst seine Brötchen als SHG-Geschäftsführer verdiente. Quirin galt lange Zeit auch als Ziehvater von Joachim Wild (48), der jetzt in München als kaufmännischer Geschäftsführer einer Klinikgruppe wirkt. In Saarbrücken war Wild 2009 bei der SHG und ihrem Aufsichtsratschef Quirin in Ungnade gefallen. Aber: Obwohl sein Vertrag als Geschäftsführer des gemeinnützigen Sozialkonzerns ausgelaufen war und nicht mehr verlängert wurde, erhielt Wild, gegen den seit 2008 der Staatsanwalt wegen angeblichem Untreue-Verdacht zum Nachteil der SHG ermittelt, eine großzügige Abfindung. Hinter den Kulissen der gemeinnützigen Gesellschaft ist sogar von einem „goldenen Handschlag“ die Rede. In internen Dokumenten für die SHG-Gesellschafter ist von „nachvertraglichen Zahlungen“ in Höhe von 700 000 Euro zu lesen. Diese Summe wurde, so war zu erfahren, auch gezahlt – zum Großteil wohl von Konten der SHG-eigenen Einkaufsfirma Apolog GmbH.

Quirin machte auf Anfrage keine Angaben zu Höhe und Anlass der Abfindung. Sein Pressesprecher bestätigte letztlich, dass Wild „eine ihm rechtlich zustehende Abfindung erhalten hat“. Wilds Anwalt Hans-Georg Warken betonte, sein Mandant sei „im gegenseitigen Einvernehmen gegen Zahlung einer namhaften Abfindung“ ausgeschieden.

Wie aber kann ein in Ungnade gefallener Geschäftsführer eines Sozialkonzerns, der in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft steht, Anspruch auf eine Abfindung in Höhe von 700 000 Euro haben? Wilds Geschäftsführervertrag war immerhin Ende 2009 ausgelaufen. Hier lohnt ein Blick in den Dienstvertrag Wilds, der von Quirin 2007 zuletzt geändert wurde. Damals wurde Wild, weil sein späterer Kollege Vogtel in SHG-Dienste trat, zum Sprecher der Geschäftsführung „befördert“. Unter der Zwischenüberschrift „Weiterbeschäftigung“ wird Wild für den Fall, dass er nicht mehr als Geschäftsführer wiedergewählt wird, eine „adäquate Tätigkeit“ im Konzern zugesichert. Das Gehalt dafür wurde analog der Beamtenbesoldungsgruppe B 5 (damals etwa 7100 Euro monatlich) festgeschrieben. Diese großzügige Zusage kam die gemeinnützige SHG, deren Spitze sich wohl um jeden Preis von Wild trennen wollte, teuer zu stehen.

Auslöser des SHG-Hauskrachs zwischen Quirin und Wild waren ursprünglich Steueranteile an dessen vertraglich vereinbarter Altersversorgung. Wild hatte sich diese Steueranteile nachträglich ohne den Segen des Aufsichtsratschefs überweisen lassen. Nach einer anonymen Anzeige schaltete sich der Staatsanwalt ein. Die Ermittlungen dauern seit zwei Jahren an. Zwischenzeitlich liegt bei der Staatsanwaltschaft auch eine anonyme Anzeige gegen Quirin – ebenfalls wegen angeblicher Untreue. Er soll ohne Rechtsgrundlage viel SHG-Geld für teure Gutachten im Fall Wild ausgegeben haben. Für Quirin sind diese Vorwürfe „haltlos“.

Auf einen Blick

Die Saarland Heilstätten GmbH (SHG) ist der größte Krankenhausträger im Saarland, zählt rund 2200 Klinikbetten und Tagesklinikplätze. Der Sozialkonzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 4300 Mitarbeiter. Zu der SHG-Gruppe gehören neben mehreren Servicefirmen die Saarbrücker Sonnenberg-Kliniken, das Kreiskrankenhaus in Merzig, die Kliniken in Völklingen und Idar-Oberstein sowie die Fachkliniken in Baumholder, Quierschied und Tiefental sowie das Seniorenzentrum Fellenberg-Stift in Merzig. mju

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