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SPD will Pius-Brüder überprüfen

Die Debatte über antisemitische Tendenzen in der erzkonservativen Pius-Bruderschaft hat jetzt auch das Saarland erreicht. SPD und Linke stellen die Staatsgelder für zwei Schulen der Pius-Brüder in Frage.

Von SZ-Redakteur Norbert Freund

Saarbrücken. SPD und Linke fordern angesichts der Debatte um antisemitische Tendenzen in der erzkonservativen Pius-Bruderschaft Konsequenzen für die von dieser betriebenen zwei Schulen im Land. Vertreter beider Parteien verlangen, das Privatschulgesetz auf den Prüfstand zu stellen - mit dem Ziel, Schulträger mit fundamentalistischer Gesinnung von einer Förderung auszuschließen. Derzeit erhalten die beiden von der Bruderschaft in Saarbrücken-Fechingen betriebenen Schulen, die Erweiterte Realschule (ERS) Herz Jesu und die Grundschule St. Arnual, Zuschüsse von insgesamt 420 000 Euro im Jahr.

Der SPD-Bildungsexperte Reiner Braun sagte der SZ, bei der Pius-Bruderschaft sei "die Toleranz gegenüber anderen Religionen eher unterentwickelt". Er fügte hinzu: "Die Neigung, denen die Gelder zu streichen, ist bei mir eher hochentwickelt." Die linke Abgeordnete Barbara Spaniol äußerte sich ähnlich und forderte, die Lehr- und Lerninhalte der Schulen genau zu überprüfen.

Letzteres regten auch die Grünen an. Die CDU-Abgeordnete Gisela Rink sagte indes der SZ, "aus der aktuellen Situation heraus" ergebe sich "nicht unbedingt" ein Grund für ein Einschreiten der Schulaufsicht. FDP-Chef Christoph Hartmann betonte, solange nicht klar sei, dass die Betreiber der Schule "die grundrechtliche Ordnung untergraben", gelte die "Unschuldsvermutung".

Die von den Pius-Brüdern betriebene ERS Herz Jesu in Saarbrücken wollte sich gestern nicht zu der Debatte äußern.  Schulsekretärin Ursula Schmitt sagte der SZ, man habe "von ganz oben ein Verbot bekommen", sich gegenüber der Presse zu äußern, weil man die Erfahrung gemacht habe, nicht korrekt zitiert zu werden.

Der katholische Regensburger Theologie-Professor Wolfgang Beinert stuft die Pius-Bruderschaft als "reaktionär und demokratiefeindlich" ein.

Papst Benedikt XVI. hatte kürzlich die 1988 ausgesprochene Exkommunikation gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson und drei andere Bischöfe der Pius-Bruderschaft zurückgenommen.

Schon 1988 war es auch um das Verhältnis zwischen Katholizismus und Judentum gegangen. Die Pius-Brüder wollten nicht anerkennen, dass sich das Zweite Vatikanische Konzil von der alten Tradition abwandte, die die Juden für den Tod Christi verantwortlich machte.



Meinung

Kein Staatsgeld für eine Sekte

Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Es ist gespenstisch: Seit mindestens 20 Jahren verbreitet Bischof Williamson seine Holocaust-Leugnung, war trotzdem bis zum Januar ein hoch angesehener Ausbilder der Pius-Brüder. Auch andere Pater dieser fundamentalistischen katholischen Sekte verbreiten Meinungen, die kaum mit dem Grundgesetz vereinbar sind: Von Meinungsfreiheit hält man nicht viel, die Todesstrafe wird als "Sühne" angesehen. Deshalb muss die saarländische Landespolitik Farbe bekennen: Die Unterstützung solcher Weltanschauungen mit der Gabe von jährlich 420 000 Euro für die beiden Schulen der Pius-Brüder in Fechingen muss beendet werden.

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