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SR-Intendant nach schwerer Krankheit gestorben

Saarbrücken. Als Fritz Raff im Herbst 2009 von einer schweren Erkrankung des motorischen Nervensystems heimgesucht wurde, wussten dies am Anfang nur wenige Menschen in seinem Umfeld. Doch der schnelle Verlauf der Amyotrophen Lateralsklerose (ASL), die zu Muskellähmungen am ganzen Körper führt, machte Raffs Leiden bald für jedermann sichtbar. Dabei wurde noch etwas deutlich: dass der gebürtige Schwabe Fritz Raff sein Schicksal mit einer Haltung trug, die höchsten Respekt abnötigte.

Die Krankheit selbst konnte er nicht ignorieren, doch er ignorierte die gravierende Erschwernis in seiner Berufsausübung. Raff war mit Leib und Seele Intendant, ein leidenschaftlicher Macher, der es sich nicht vorstellen mochte, untätig zu Hause zu sitzen. Und so ließ er sich, so oft es eben möglich war, in sein Büro auf den Saarbrücker Halberg fahren, machte unverdrossen Pläne und dachte bis zum Ende nicht daran, vor der tückischen Krankheit zu kapitulieren.

Fritz Raff, der im SR und weit über das Saarland hinaus ungewöhnlich hohe Sympathiewerte genoss, hatte eine beeindruckende Karriere absolviert. Geboren in Ludwigsburg, ließ er sich zum Diplom-Verwaltungswirt ausbilden und kam schon früh zum Journalismus. Von seiner ersten Station als Geschäftsführer des Südwestdeutschen Journalisten-Verbandes wechselte er 1977 als Hauptgeschäftsführer zum Deutschen Journalistenverband nach Bonn, wo sein Talent als Verhandlungsführer, etwa als Leiter der Tarifkommissionen, voll zum Tragen kam. Auch bei seinem Exkurs in die Politik – er war von 1985 bis 1990 direkt gewählter Oberbürgermeister der baden-württembergischen Kreisstadt Mosbach – konnte er seine kommunikativen Fähigkeiten demonstrieren.

1990 wurde Raff Saarländer, erst als Verwaltungsdirektor des SR, dann als Vize-Intendant, bis er im Mai 1996 zum Chef des Senders gewählt und in diesem Amt zweimal bestätigt wurde. Seine Verdienste um den kleinen Sender sind umfassend: Raff gab dem SR in zahlreichen Gremien der ARD Stimme und Gewicht, er verhandelte den Finanzausgleich im ARD-Verbund, kümmerte sich um Sportrechte und Strategien, leitete die Digitalkommission, initiierte das deutsch-französische Inforadio „antenne Saar“ und den Jugendsender „Unser Ding“, er stärkte und erweiterte den „Aktuellen Bericht“ und gründete mit anderen das ARD-Format „Plusminus“. So war es keine Überraschung mehr, dass er als erster Intendant eines kleinen Senders zum Vorsitzenden der ARD (Januar 2007 bis Dezember 2008) gewählt wurde. Damit nicht genug: Der immer an den Realitäten orientierte Intendant wusste, dass sich der kleine SR auf Dauer kein eigenes Orchester leisten konnte, und so führte er das Rundfunk-Symphonieorchester (RSO) und das SWR-Orchester Kaiserslautern zur sehr erfolgreichen „Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern“ zusammen. Schließlich ließ Raff auch in einem finanziellen Kraftakt das altertümliche SR-Gebäude auf dem Halberg zu einem modernen Funkhaus umbauen und schuf Strukturen, die dem Saarländischen Rundfunk die Zukunft sichern.
Fritz Raff, der mit prominenten Zeitgenossen ebenso souverän umgehen konnte wie mit einfachen Bürgern, war in zweiter Ehe verheiratet, aus der zwei schulpflichtige Kinder stammen. Sein stets positiv aufgeladenes Temperament wird nicht nur dem SR fehlen, auf dessen Fluren es gestern ungewöhnlich still war.


Hintergrund
SR-Intendant Fritz Raff habe sich große und bleibende Verdienste erworben, würdigte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) gestern den Verstorbenen. „Er hat in rundfunkpolitisch schwierigen Zeiten die Sendeanstalt stabilisiert und zukunftsfähig gemacht“, so Müller.

Der Fraktionschef der Landtags-Linken, Oskar Lafontaine, der auch freundschaftliche Kontakte mit Raff pflegte, sagte, dessen entscheidender Verdienst sei es gewesen, in schwieriger Zeit der leeren öffentlichen Kassen den SR als selbstständige Sendeanstalt erhalten zu haben. Zudem, so der frühere Ministerpräsident, stand Raff für die parteipolitische Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

SPD-Landeschef Heiko Maas erklärte, Fritz Raff sei ein Medienmacher mit „Weitblick, Augenmaß und Verantwortungsgefühl“ gewesen. Sein Name bleibe „untrennbar verbunden mit der stetigen Weiterentwicklung des SR zu einem modernen Medienhaus“.

In seiner fast 15-jährigen Amtszeit sei es dem Intendanten „vorbildlich gelungen, den Sender auf Kurs zu halten“, so der Rundfunkratsvorsitzende Volker Giersch. Auch habe Raff dafür gesorgt, „dass Programmqualität- und Vielfalt auf hohem Niveau geblieben sind“.

Der Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, Gerd Bauer, sagte: „Fritz Raff hat dem SR als kleiner Rundfunkanstalt eine beachtliche und beachtete Stimme im Konzert der deutschen Rundfunklandschaft verschafft.“
Die WDR-Intendantin Monika Piel und derzeitige ARD-Vorsitzende würdigte schließlich ihren Amtsvorgänger als stets verlässlichen und hoch engagierten Partner. oli
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