A8 Neunkirchen Richtung Saarlouis Zwischen AS Schwalbach/Schwarzenholz und AS Schwalbach Dauerbaustelle, Arbeiten am Mittelstreifen, linker Fahrstreifen gesperrt bis 28.10.2017 16:00 Uhr Zweiter Fahrstreifen auf Standspur eingerichtet. (26.05.2017, 13:53)

A8

Priorität: Normal

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

SST: Ballettchefin Donlon vor Vertrags-Auflösung?

Marguerite Donlon. Sie ist seit 2001 am SST.

Marguerite Donlon. Sie ist seit 2001 am SST.

Als die Saarbrücker Intendantin Dagmar Schlingmann im Mai den Spielplan für 2013/2014 vorstellte, fehlte Ballettchefin Marguerite Donlon. Erstmals. Das war wenige Wochen nach dem krisenhaften Eklat, den Donlon mit ihrem Vorschlag einer eigenständigen „European Dance Company“ ausgelöst hatte. Nur nichts überinterpretieren? Aus heutiger Sicht waren die Medien Zeugen einer Schlussstrich-Demonstration geworden. Vielleicht war damals bereits der Macht- beziehungsweise Verdrängungskampf zu Gunsten Schlingmanns entschieden.

Seit langem strebt die erfolgsverwöhnte, Sympathie umtoste Donlon freiheitlichere Strukturen und Wachstums- Chancen für ihre Truppe an, verweist auf fortschrittliche Entwicklungen an anderen Theatern, wo es eigenständige Tanz-Intendanzen gibt. Schlingmann hingegen pocht auf ihre Dreisparten-Führungs-Hoheit. Das Ergebnis: Vertrags-Verlängerungs-Verhandlungen eskalierten in der Vergangenheit zu quälenden Stellungskriegen. Auch aktuell ist man wieder in „konstruktiven Gesprächen“. Doch diesmal geht es offensichtlich nicht mehr darum, Donlon über das Jahr 2015 hinaus zu halten – dann endet ihr Vertrag. Sondern darum, sich möglichst ohne Schlammschlacht zu trennen. Wie die SZ aus zuverlässiger Quelle erfuhr, laufen Vertragsauflösungs-Verhandlungen. Geführt werden sie von Kulturminister Ulrich Commercon (SPD). Was bedeutet, dass Donlon ihren Vertrag nicht einfach auslaufen lässt, sondern vorzeitig gehen will. Oder wurde ihr dies nahe gelegt? Nach SZ-Recherchen hat Donlon kein anderes Engagement in Aussicht. Freilich weiß die Szene, dass sie gehen will.

Weder Donlon noch Schlingmann noch Commercon äußern sich zu all dem, eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Aus zuverlässiger Quelle wird jedoch kolportiert, dass der Kulturminister das Ziel eines geordneten Übergangs verfolgt. Will heißen: Donlon soll möglichst noch bis Sommer 2014 an Bord bleiben, ihre Projekte der nächsten Spielzeit durchziehen, etwa das Now Dance Saar Festival und ihre eigenen beiden Premieren. Das SST hätte dann Zeit, einen Nachfolger zu finden. Wie genau die finanziellen Bedingungen und die Konstruktion für Donlons Ausstieg aussehen, ist Verhandlungs-Inhalt. Unterschrieben wurde noch nichts. Donlon könnte sich demnach noch einmal umentscheiden.

Fest steht: Die gesamte Entwicklung steht in Gegensatz zu dem, was noch bis zum jüngsten Zerwürfnis Sachstand war: Dass nach juristischen Wegen gesucht wird, um Donlon am Tarifrecht vorbei weiterzubeschäftigen, ohne ihre Unkündbarkeit ab 2015/2016 zu provozieren. Auch Donlon hatte immer beteuert, sie wolle im Saarland bleiben. In einer Pressemitteilung im Februar hieß es noch: „Meine Aufgabe macht mir Freude und ich werde meinen Vertrag erfüllen.“ Schon damals war nichts mehr gut, mancher sprach von Mobbing. Haben sich zwischenzeitlich die Arbeitsbedingungen weiter verschärft? Dazu kursieren Gerüchte: Im Ballett hätten sich „Strukturen“ zum Nachteil verändert. Stimmte dies, wäre es ein Affront: Will man gefragte Kräfte halten, werden üblicherweise „Bonbons“ serviert, keine Einschränkungen. „An eine Verschlechterung der Bedingungen für das Ballett ist nicht gedacht. Dies war auch kein Gegenstand der Gespräche“. Das sagte Commercon gestern auf SZ-Nachfrage. Zu allen anderen Punkten äußerte er sich nicht. Spekulationen über seine Rolle wird er nicht verhindern. Man weiß, dass der Minister kein Freund langer Personal-Debatten ist.

Die Chronologie einer zerrütteten Beziehung

2000: Der ehemalige Intendant Schildknecht engagiert Marguerite Donlon.
2001/2002: Donlons erste Spielzeit.
2002: Donlon verlängert ihren Vertrag bis 2005/2006.
2004: Spardebatte um SST.
2005: Donlon unterschreibt einen Vertrag bis 2009.
2006: Beginn der Intendanz Dagmar Schlingmanns.
2008: Schlingmanns Vertrag wird vorzeitig bis 2016 verlängert.
März 2009: Donlon unterschreibt einen Dreijahresvertrag bis 2012; einen Tag später kündigt sie an, dies sei die „letztmalige“ Verlängerung. Erstes öffentliches Zerwürfnis mit Schlingmann.
Februar 2010: Donlon und Schlingmann kündigen an, sie wollen ihre Zusammenarbeit über 2012 hinaus fortsetzen.
Sommer 2011: Vertragsverhandlungen dauern an; es gibt noch keine Einigung.
Januar 2012: Schlingmann ist als Intendantin für Bonn im Gespräch. Donlon bringt ihr Modell einer eigenständigen Ballettdirektion ins Gespräch. Sie strebt eine Vertragsverlängerung über 2015 hinaus an, damit wäre sie unkündbar.
April 2012: Donlon akzeptiert Dreijahresvertrag bis 2015.
Dezember 2012: Donlon unterbreitet das Konzept einer eigenständigen European Dance Company.
Februar 2013: Ulrich Commercon lehnt das Konzept ab. Es kommt zur öffentlichen Konfrontation, in der Schlingmann Donlon offen kritisiert. ce
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein