A8 Saarlouis Richtung Neunkirchen Zwischen AS Heusweiler und Kreuz Saarbrücken Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn, Gefahr durch defektes Fahrzeug totes Tier auf der Überholspur (21.11.2017, 23:34)

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SVE-Trainer Kiefer gibt sein Amt auf

Spieler hatten Tränen in den Augen. Mitarbeiter der Pressestelle weinten. Helfer, die im Stadion ihre Arbeit erledigten, standen fassungslos zusammen. Dort, wo man sich zwei Stunden zuvor bei einer Pressekonferenz zum Ergebnis von Erdbohrungen über Fortschritte beim Stadionumbau freute, herrschte gestern Abbruchstimmung. Grund: Einer der drei Baumeister des Erfolgs von Drittligist SV Elversberg ist überraschend zurückgetreten. „Ich stelle mein Amt zur Verfügung“, sagte Trainer Jens Kiefer: „Der Schritt ging von mir aus. Er ist für alle die beste Lösung. Samstag in Halle ist mein letztes Spiel.“

Der 38-Jährige macht neben seiner Trainertätigkeit beim Aufsteiger den Fußball-Lehrer-Schein. Den schreibt der Deutsche Fußball-Bund für Drittliga- Trainer vor. „Ich bin deshalb drei Tage die Woche in Hennef. In der Zeit passiert viel in einer Mannschaft. Ich habe sie im Griff. Aber kritische Situationen müssen nach einem Spiel sofort behoben werden. Weil ich nicht da bin, kann ich Abläufe nicht so steuern und nicht alles so regeln, wie ich das möchte. Das ist mein Problem. Es ist nicht so sehr die Doppelbelastung“, erklärte Kiefer, dessen Lehrgang vor der Saison begann und bis März dauert. „Wir haben die letzten zwei Jahre kontinuierlich gearbeitet, eine Mannschaft aufgebaut, das Stadion wird gebaut. Ich wäre den Weg gerne als Trainer weiter mitgegangen. Ich hatte einen Traumjob“, sagte der „Bub“ aus dem Ort.

Etwas abseits saß ein Teil seiner Mannschaft. Alexander Schmieden, Daniel Kläs, Angelo Vaccaro, Marc Gallego, Kenneth Kronholm, Salif Cissé, Marc Groß und Chris Wolf waren unüblicherweise zur Pressekonferenz gekommen. Sie wollten hören, ob es wirklich stimmt, was ihr Trainer ihnen morgens offenbart hatte. „Wir sind schockiert, konnten es nicht glauben. Wir haben versucht, ihn umzustimmen“, sagte Vaccaro. Groß, dienstältester SVE-Spieler, ergänzte: „Ich bin am Boden zerstört. Wir haben zusammen so viel erreicht. Wir werden Samstag nochmal alles für Jens geben.“ Dass Kiefer noch einmal auf der Bank sitzt, war Wunsch des Präsidiums.

„Das Gefühl, aufhören zu wollen, ist 14 Tage in mir gereift“, sagte Kiefer. Präsident Dominik Holzer, mit Manager Roland Benschneider die weiteren Baumeister des Erfolgs, erklärte: „Wir hätten gerne die Erfolgsgeschichte mit ihm weitergeschrieben. Doch es bringt nichts. Jeder muss sich wohlfühlen.“ Der Rücktritt habe nichts mit dem Saisonstart zu tun. „Wir wollten langfristig zusammenarbeiten. Um 10.15 Uhr sind wir auseinander gegangen“, sagte Holzer. Kiefer, dessen bis 2015 geltender Vertrag „später aufgelöst“ werde, werde am „Großprojekt SVE“ weiter mitarbeiten und „Scoutingarbeit machen“. Was er ab März tun wird, ließen alle offen. Holzer: „Beide Seiten sind offen für eine weitere Zusammenarbeit.“ Kiefer könnte ein Kandidat für die Leitung des geplanten Nachwuchsleistungszentrums werden. Dafür ist eine Fußball-Lehrer-Lizenz nötig.

Wer Kiefer nun als Trainer nachfolgt? „Wir sind ein junges Team, das die SVE innovativ, aufstrebend führen möchte“, sagte Holzer. Der Trainer müsse in diese Philosophie passen.


MEINUNG

Respekt vor der Entscheidung

Von SZ-Redakteur Michael Kipp

Die Nachricht ist schwer zu bewerten: Jens Kiefer tritt nach vier Spieltagen als Trainer der SV Elversberg zurück. Es gibt mindestens drei Ansätze, diese Entscheidung zu bewerten. Der erste: Das hätten Kiefer und der Verein früher wissen können, dass die Doppelbelastung brutal wird. Einen Lehrgang absolvieren und gleichzeitig einen Aufsteiger in Liga drei betreuen: Das geht nicht. So wäre die Bewertung des Rücktritts eine negative. Ein zweiter Ansatz ist der, dass es hinter den Kulissen gerappelt hat. Damit wäre der Rücktritt ohne Faktenkenntnis nicht bewertbar. Uns ist ein dritter Ansatz näher: Kiefer hat es versucht, hat sich der Aufgabe gestellt, hat seine Arbeit reflektiert und kommt ohne Rücksicht auf eigene Karriere-Interessen darauf, dass er die Doppelbelastung nicht packt. Der Ansatz passt am Besten zu ihm, dem Saarländer und Taubenzüchter, der sich selbst immer treu geblieben ist. Daher erfordert seine Entscheidung Respekt.


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