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Saabrücker Ex-Tennis-Star sitzt jetzt im Landtag

Saarbrücken. Im Fraktionsgebäude hinter dem Saarländischen Landtag sind die Flure eng, die Büros oft winzig, der Teppichboden meist grau. Aber in Zimmer 211 sitzt ein Weltstar. Auf dem Türschild steht: „Claudia Kohde-Kilsch – Fraktionssprecherin.“ Wer den Namen der 48-Jährigen hört, verbindet ihn in der Regel mit Helena Suková oder Steffi Graf – aber nicht mit ihrem heutigen Chef Oskar Lafontaine. Um zu verstehen, weshalb die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin seit 1. Mai für die saarländische Linkspartei arbeitet, muss man nicht nur wissen, dass sie und Lafontaine „seit gut 30 Jahren befreundet sind“. Man muss auch einer Geschichte nachspüren, die vom Fall eines Stars erzählt.

Claudia Kohde-Kilsch. In den 80er Jahren zählt der Name im Tennisdoppel zur absoluten Weltspitze, im Einzel findet er sich fünf Jahre lang unter den Top 10 der Weltrangliste. Siege in Wimbledon, bei den US Open, beim Federation Cup. Mitte der 90er Jahre dann das Aus: zwei komplizierte Brüche der rechten Schulter. „Wenn es nicht mehr geht wie früher, dann fällt man in ein Loch“, beschreibt die gebürtige Saarbrückerin das Ende ihrer Profi- Karriere. Doch das Ende ist erst der Auftakt für weitere Tiefschläge.

Sie bezichtigt ihren Stiefvater und damaligen Manager, große Teile des Vermögens veruntreut zu haben. Ab 1999 führt sie über mehrere Instanzen hinweg einen Prozess gegen ihren Stiefvater, der nach dessen Tod 2004 eingestellt wird. Sechs Jahre später: Scheidung von Musikproduzent Chris Bennett. 2011: Privatinsolvenz. „Gerade in den letzten zwei, drei Jahren habe ich viele schwere Zeiten durchgemacht“, sagt Kohde-Kilsch. Als freie Mitarbeiterin einer Immobilienfirma kann sie sich „gerade so über Wasser“ halten. „Für meinen zwölfjährigen Sohn und mich gab’s oft nur Nudeln oder Milchreis.“ Sie muss wieder bei null anfangen. „Besser gesagt: unter null.“ „Vielleicht hilft es, die Probleme der Menschen besser zu verstehen, wenn man selbst Schicksalsschläge erlebt hat“, sagt Kohde-Kilsch. Und die Linkspartei sei „die einzige Partei, die für die Probleme der kleinen Leute kämpft“. Was so viel heißt wie: Sie kann sich mit diesen Problemen identifizieren. Heute.

Dass ihr berühmter Name mit ein Grund für das Jobangebot Lafontaines gewesen sein dürfte, stört sie nicht. „Es ist ja ein gegenseitiges Nehmen und Geben“, sagt sie. Nüchterner ausgedrückt: Die Linkspartei hat ihre Prominenz, und sie einen festen Job.

Nach dem Schritt „zurück in die Öffentlichkeit“ kann sie sich jetzt sogar eine politische Karriere vorstellen: „Ich denke, da würde ich gut reinpassen.“ Mitglied der Linkspartei ist sie aber nicht – und will sie vorerst auch nicht werden. Mit dem Studium zur Diplom-Fachjournalistin, das sie 2007 in nur sieben Monaten und mit der Note „hervorragend“ abschloss, und Praxiserfahrungen bei mehreren TV-Sendern fühlt sie sich für den Job als Fraktionssprecherin dennoch gut gerüstet. In den Medien will sie für eine „sachliche und faire“ Berichterstattung über die Linkspartei kämpfen. Denn Ex-Tennisstar Kohde-Kilsch „weiß aus jahrelanger schlechter Erfahrung: Wenn man gewinnt, ist man in den Medien schnell der Größte. Aber wenn man verliert, wird rücksichtslos draufgehauen.“

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