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Saar-Bergbau: Förderung im letzten Streb gestartet

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Saarwellingen-Reisbach. Gestern morgen, um 10.30 Uhr wurde im Bergwerk Ost das Ende des Abbaus eingeläutet. Als der sechs Tonnen schwere Kohlehobel sich erstmals in das Gestein des letzten Strebs 8.7 im Flöz Wahlschied fraß, war allen Bergleuten klar, dass „das Ende nicht Übermorgen, sondern schon Morgen ist“, wie es Betriebsratschef Hans-Jürgen Becker ausdrückte. Zwar wird an der Saar noch bis Mitte kommenden Jahres Kohle gefördert, allerdings wird kein neuer Streb mehr erschlossen, sondern jetzt nur noch die letzten beiden aktiven Strebe 8.6 und 8.7 abgearbeitet.

Für die Saar-Bergleute war das ein bitterer Tag. Zwar ist seit dem Grubenbeben am 23. Februar 2008 klar, dass der Abbau enden wird, doch bisher gab es immer wieder Aufbauarbeit und neue Projekte. Die Erschließung des Felds Wahlschied Ost, der Einsatz eines Kohlehobels – an der Saar ein Novum, das Auffahren neuer Strecken und Felder. Ab jetzt wird nur noch abgearbeitet.

„Wir sind traurig zu sehen, dass hier alles dicht gemacht wird“, sagt Bergmann Selahattin Erden, der beim Einrichten der letzten drei Strebe dabei war. Der 41jährige Erden wird noch einige Jahre nach Ibbenbüren versetzt werden. Er wird das Pensionsalter nicht mehr rechtzeitig erreichen, muss sich auf ein Leben auf der Autobahn einrichten. „Die Familie will nicht mitkommen, die ist hier zu Hause“, sagt er. Wann er in den Norden versetzt wird, weiß er noch nicht. „Je später, desto besser“, sagt er.  Dabei helfen die Kinder, sie geben Sozialpunkte. Wer viele Kinder hat, wird später versetzt. „Mir tut es weh, wenn ich sehe, wie viele Kameraden noch gehen müssen. Das wird für viele Familien sehr hart“, sagt Harald Linnenberger. Der 48-jährige Partiemann, sozusagen ein Teamchef, hat Glück. Er wird noch an der Saar in den Ruhestand gehen.


1260 Bergleute werden noch von der Saar nach Ibbenbüren verlegt werden – 800 direkt aus dem Bergwerk Saar, 460 aus den anderen Betriebstellen der RAG – sagt Bergwerksdirektor Friedrich Breinig.

In der Grube selbst gilt dann nach dem Abbauende im kommenden Jahr nur noch „Aus- und Aufräumen“. Die Maschinen müssen demontiert und über Tage gebracht werden. Von dort gehen sie dann in andere RAG-Bergwerke oder werden weltweit verkauft. Außerdem müssen wassergefährdende Stoffe aus dem Bergwerk entfernt und dieses anschließend mit Beton verschlossen werden. „Damit geht im Saarland eine Industriegeschichte zu Ende, die identitätsstiftend und Existenz schaffend für viele Saarländer war“, sagt Breinig. Bis es allerdings so weit ist, werden sich die beiden aktiven Hobel noch durch 1,8 Millionen Tonnen Kohle fressen. So viel soll noch bis Mitte des kommenden Jahres aus dem Bergwerk gefördert werden, 1,3 Millionen Tonnen davon aus dem Streb 8.7, in dem gestern der Abbau begonnen hat.

Wenn Ende des Jahres der Hobel im Streb 8.6. seine Arbeit einstellt, wird der Streb 8.7 die Ortsgrenze von Reisbach erreicht haben und die letzten Monate nur noch das Gebiet unter Reisbach abbauen. Größere Erschütterungen seien allerdings nicht zu erwarten, sagt Markscheider Volker Hagelstein, der für die Analyse des Abbaugebiets verantwortlich ist. In den darüber liegenden Gesteinsschichten gebe es nur wenig Sandstein – und daher herrsche keine Bruchgefahr herrschte. Auch der frühere Abbau an dieser Stelle habe keine Erschütterungen gebracht.


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