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Saar-Bienen machen 2012 wenig Honig

Saarbrücken. Eine angenehme Temperatur ab zwölf Grad brauchen Honigbienen, um in der Blütezeit auf Pollenflug zu gehen und um Nektar zu sammeln. Das Frühjahr war zu kalt und zu feucht. Kein Bienenflug, kein Honig, außerdem keine Bestäubung und damit kein guter Obstertrag. Imker und Obstbauern klagen in diesem Jahr gleichermaßen über eine katastrophale Ernte. Von bis zu 90 Prozent Ausfall ist die Rede. Bienen nehmen den Duft der Blüten wahr, lassen sich von Farben und Formen anlocken. Je kühler es jedoch ist, desto weniger Bienen sind unterwegs, um ihre Arbeit zu erledigen.

Doch nicht nur die Frostperiode im Frühjahr spielte eine Rolle, auch der viele Regen vermieste die Ernte. „Wenn es zu feucht ist, verklebt der Pollen“, sagt Harry Lavall vom Amt für Landwirtschaft und Gartenbau im Saar-Pfalz-Kreis. Die Bienen können den Pollen nicht transportieren und damit ihren wichtigen Beitrag zur Bestäubung nicht leisten. Im Saar-Pfalz-Kreis sei es bei Äpfeln und Birnen zu einem Ernteausfall von bis zu 90 Prozent gekommen, bei Steinobst gar bis zu 100 Prozent. Karl-Friedrich Collet vom Obst- und Gartenbauverein in Kirkel unterstreicht Lavalls Aussage. Nur etwa zehn Prozent der Apfelbäume auf der vereinseigenen Streuobstwiese tragen. „Damit sind wir schon sehr zufrieden“, sagt er. Im Frühjahr habe der Verein noch mit schlimmeren Ausfällen gerechnet.

„Der Apfel ist zum Glück nicht so empfindlich, weil er eine Blühphase von etwa drei Wochen hat“, erklärt der Vorsitzende. Anders sieht es beim Steinobst wie Kirschen oder Pflaumen aus. Durch die kurze und frühe Blütezeit der Bäume sei es in verschiedenen Regionen zu einem totalen Ernteausfall gekommen. Ähnlich sieht es im Landkreis Merzig-Wadern aus. Karl- Heinz Schmitt, Geschäftsführer des Obst- und Gartenbauvereins, spricht von einer schlechten Ernte, wie er sie seit 30 Jahren nicht erlebt hatte. „Wenn wir 20 Prozent von der Apfelernte bekommen, haben wir Glück“, sagt er. Die Apfeldichte habe im vergangenen Jahr bei einem Wert von 22,8 gelegen, aktuell läge sie bei 0,5. Gemessen werden an zehn unterschiedlichen Stellen im Landkreis die Früchte an zehn Bäumen auf jeweils einer Fläche von 360 Quadratzentimetern.

Der Wert ergibt die Apfeldichte, der Durchschnitt läge bei einer Dichte zwischen sieben und acht. Schmitt weiß, das Ergebnis überträgt sich auch auf die Honigernte. Im Saarland sorgen rund 1200 Hobbyimker für heimischen Honig. „Wir haben etwa 80 Prozent Einbußen“, erklärt Irmgard Seiwert-Forster, Honigobfrau des Landesverbandes der saarländischen Imker. „Wenn es kühler als zwölf Grad ist, fliegen die Bienen nicht“, erklärt sie. Das nasskalte Frühjahr habe außerdem die Blütephase stark beeinträchtigt. Im Landkreis Saarlouis habe es beim Akazienhonig einen Ernteausfall von 100 Prozent gegeben.

„Die Akazie hat überhaupt nicht geblüht“, sagt die Fachfrau. Lediglich der Raps sei ein wenig ertragreich gewesen. Etwa 40 Prozent im Vergleich zur Ernte aus dem vergangenen Jahr. Ein derart schlechtes Jahr habe Seiwert-Forster seit 20 Jahren nicht erlebt. Sie geht davon aus, dass spätestens im Januar der Vorrat an heimischem Honig aufgebraucht sein wird. Vom regionalen Honig landet etwa ein Viertel in den Supermarktregalen, drei Viertel des goldenen Nektars kommt aus dem Ausland. Erik Pfänder, der Vorsitzende des Imker-Landesverbandes, verkauft in seinem Geschäft regionale Erzeugnisse. Für ihn bedeutet der Ernteausfall an Honig Umsatzeinbußen von etwa 80 Prozent. Wobei er den Honigverkauf als Nebenprodukt seines Unternehmens bezeichnet. „Es ist zwar sehr ärgerlich, treibt uns zum Glück aber nicht in den Ruin“, sagt er. Doch er weiß, dass der Ernteausfall die saarländischen Imker hart trifft.


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