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Saar-Einzelhandel will Tarifkompromiss aus Baden-Württemberg übernehmen

Der Kauf von Weihnachtsgeschenken wird im Saarland voraussichtlich störungsfrei verlaufen. Sowohl der Landesverband Einzelhandel und Dienstleistung, als auch die Gewerkschaft Verdi, wollen in ihrer nächsten Verhandlungsrunde am kommenden Dienstag den gestern in Baden-Württemberg erzielten Kompromiss übernehmen. Dieser wäre bundesweit der erste Abschluss in der Branche. Allerdings steht noch die Zustimmung der Gremien beider Seiten aus.

Die wollen sich bis heute Abend erklären. Der Baden-Württemberg- Kompromiss sieht insgesamt 5,1 Prozent mehr Lohn vor, aufgeteilt in zwei Stufen. Demnach gibt es rückwirkend zum 1. Juli 2013 drei Prozent mehr Lohn, ab April 2014 weitere 2,1 Prozent. Auch die Ausbildungsvergütungen werden angehoben. Vorgesehen ist eine Laufzeit von 24 Monaten rückwirkend zum 1. April 2013. Auch sollen bisher ausgelagerte Arbeitsbereiche wie etwa das Auffüllen von Regalen, künftig wieder von Arbeitskräften ausgeführt werden sollen, die fest zur Stammbelegschaft gehören. Hierzu soll eine untere Lohngruppe eingerichtet werden mit einem Stundenlohn von knapp zehn Euro.

Insbesondere Verdi sieht dies nach monatelangem Streit um diesen Punkt als einen „tarifpolitischen Meilenstein“ an, weil dadurch ein Signal gegen mehr Werkverträge im Einzelhandel gesetzt werde. Fabian Schulz, Hauptgeschäftsführer im Saar-Einzelhandelsverband, betont, er habe am Beispiel von Baden-Württemberg „bisher noch keinen so hohen Abschluss erlebt“. Dennoch rät auch er zur Übernahme für die 42 000 tarifgebundenen Beschäftigten an der Saar. So sei ein störungsfreies Weihnachtsgeschäft für alle Beteiligten gewährleistet. Die Berücksichtigung von Beschäftigten im Tarifvertrag, die als Auffüllkräfte künftig wieder zum Unternehmen gehören sollen, hält Schulz für zeitgemäß.

Einen Streitpunkt, den Schulz in der nächsten Verhandlungsrunde noch mit Verdi an der Saar klären will, sind Detailregelungen der Nachtzuschläge. Mit 60 Prozent Nachtzuschlag liege das Saarland bundesweit an der Spitze, was auch Auswirkungen auf die Entlohnung der Auffüllkräfte habe. In Baden-Württemberg gelten derzeit nach Angaben von Schulz 20 Prozent Nachtzuschlag für die Zeiten von 20 bis 22 Uhr und 4 bis 6 Uhr, 50 Prozent für die Zeit dazwischen. Stefanie Recknagel, die für Verdi an der Saar die Verhandlungen führt, sieht die Nachtzuschläge als einen „Knackpunkt“ in den Verhandlungen an. „Da gibt es noch Klärungsbedarf.“ Doch auch sie plädiert für die Übernahme des Kompromisses von Baden-Württemberg. Für die unveränderte Übernahme des Manteltarifvertrages habe man jahrelang gekämpft.


MEINUNG

Ein fairer Kompromiss  

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Die in Baden-Württemberg erzielte Einigung in den Tarifverhandlungen im Einzelhandel wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch an der Saar und in den anderen Bundesländern übernommen. Der Kompromiss sichert zunächst ein ruhiges Weihnachtsgeschäft ohne Streiks, zumal der Dezember der umsatzstärkste Monat ist. Zudem bringt er allen Seiten Planungssicherheit.

Wichtig sind zwei Dinge: Der Manteltarifvertrag wird nicht angetastet. Das sichert in den nächsten Jahren Sozialleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Ausgegliederte Arbeitsbereiche, vorrangig die Tätigkeit von ,,Verräumern", die Regale mit Ware bestücken, werden in die jeweiligen Unternehmen zurückgeholt. Das bringt auch einen positiven Schub in die unteren Lohngruppen.
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