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Saar-Firmen stellen sich auf Bedürfnisse muslimischer Beschäftigter im Ramadan ein

40 Grad Hitze sind auch mit ausreichend Getränken nur schwer zu ertragen. Besonders hart ist die aktuelle Hitzewelle allerdings für Arbeitnehmer muslimischen Glaubens – insofern sie in der Zeit des Ramadan , der in diesem Jahr vom 17. Juni bis zum 17. Juli dauert, die Fastenpflicht befolgen. Bei Tageslicht – aktuell liegen 16 Stunden zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang – darf in dieser Zeit weder gegessen noch getrunken werden.

Diese religiöse Praxis erfordert eine „erhöhte Aufmerksamkeit der Arbeitsmediziner“, warnt der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). „Unternehmen, die Muslime beschäftigten, sollten darauf achten, dass ihren Mitarbeitern das Einhalten des Fastens ermöglicht wird, ohne dass es zu Beeinträchtigungen kommt“, sagt VDBW-Präsident Wolfgang Panther. „Wer an gefährlichen Maschinen arbeitet, könnte durch fastenbedingte Konzentrations- und Kreislaufschwäche zum Beispiel sich und andere gefährden.“ Wegen der kurzen Erholungsphasen in der Nacht mit wenig Schlaf ist auch die körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Ein zusätzliches Problem angesichts der zurzeit großen Hitze: Sie kann bei Muslimen, die den Ramadan einhalten, zu Flüssigkeitsmangel führen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz empfiehlt, an heißen Tagen besonders viel zu trinken. Entsprechende Getränke müsse der Arbeitgeber zur Verfügung stellen, sagt Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände (VSU). „Natürlich kann ein Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht zwingen zu trinken.“

Was aber, wenn ein Arbeitnehmer im Ramadan die geforderte Leistung nicht mehr erbringt oder sich selbst gefährdet? Dann müsse der Arbeitgeber erst einmal eine Aufgabe suchen, die der Betroffene weiter leisten kann. Alternativ könne der Arbeitnehmer Urlaub nehmen oder Freizeitguthaben abbauen. Gehe all das nicht, könne der Arbeitgeber den Betroffenen von der Arbeit ohne Vergütung von der Arbeit freistellen.

Sollte sich ein Betroffener in eine selbstgefährdende Situation bringen – denkbar wäre das bei Dachdeckern, die nicht mehr sicher arbeiten können, – müsse der Arbeitgeber ihn nach Hause schicken, sagt Maria-Elisabeth Berner vom saarländischen Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz.

Im Saarland allerdings ist der Ramadan nur in wenigen Unternehmen ein Thema. ZF bemüht sich, den Empfehlungen zufolge die Schichten von betroffenen Mitarbeitern in die Nacht zu legen. „Auf diese Weise können sie ausreichend Essen und Flüssigkeit zu sich nehmen“, sagt ZF-Sprecherin Karin Markenstein. Bei Saarstahl wiederum sei dieses Thema bisher nicht an die Personalabteilung, die auch den Arbeitsschutz betreut, herangetragen worden, sagt Sprecherin Ulrike Jungmann. „Das mag auch daran liegen, dass unsere Mitarbeiter gewohnt sind, mit großer Hitze umzugehen“, sagt sie. Auch die Bauunternehmen Peter Gross und OBG sagen, dass die Einschränkungen durch den Ramadan bei ihnen kein Thema sind. Genau dies hört auch VSU-Hauptgeschäftsführer Malter von Personalleitern großer Firmen. Ein Personalverantwortlicher signalisierte, dass versucht werde, in der Schichtplanung Rücksicht darauf zu nehmen, falls jemand das Fasten im Ramadan einhalten wolle.

Die Heizungsbau-Firma Trompeter sieht das Thema Ramadan , den einer ihrer Mitarbeiter wahrnimmt, pragmatisch: „Seine Religion ist seine Privatsache“, sagt Geschäftsführer Elmar Lavall. „Und ich denke, er kommt ganz gut damit zurecht.“ Sollte die Leistung aber nicht stimmen, müsse man schon miteinander reden.

Manch ein Muslim sieht die religiösen Vorschriften aber offenbar auch pragmatisch, wie Malter sagt. Ein Personalleiter habe ihm gesagt: „Bei uns arbeitet ein Muslim. Der trinkt aber.“
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