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Saar-Friseure sehen Mindestlohn positiv

Jörg Kilburg legt sich eindeutig fest: „Ich bin für den Mindestlohn. Und ich zahle ihn meinen Beschäftigten auch schon länger.“ Der Chef der „Kilburg & Schmidt Coiffeure GmbH“ in St. Wendel sieht einige positive Auswirkungen durch die höhere Entlohnung der Beschäftigten. „In unserem Beruf kann man nicht viel Geld verdienen. Die Mitarbeiter müssen davon leben können.“ Zudem steige ein Stück weit die Attraktivität für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen. Man wisse zumindest, dass man nach einer erfolgreichen Ausbildung später mehr verdienen kann. In Folge des Mindestlohnes sei jedoch auch wahrscheinlich, dass die Zahl der Vollzeitstellen abnimmt. Ein kleines Geschäft könne sich das kaum noch leisten. Deshalb müssten Kunden in einigen Friseur-Läden künftig mit längeren Wartezeiten und steigenden Preisen rechnen.

Nach Ansicht von Mike Ganster, Chef des gleichnamigen Friseur-Salons in St. Ingbert, trägt der Mindestlohn zu gerechteren Grundlagen in der Branche bei. „Mancher junge Friseur-Angestellte auf dem Land hat bisher weniger verdient, weil er längere Wege zu einem Arbeitgeber in der Stadt scheut.“ Allerdings laufe auch in den Städten innerhalb der Branche nicht alles rund, räumt Ganster ein. Seinen Beobachtungen nach gibt es bei so manchen Billig-Friseuren auch Arbeitsplätze mit einem Lohn „deutlich unter 8,50 Euro“. Billig-Friseure würden auch in Folge des Mindestlohnes nicht vom Markt verschwinden. „Die finden andere Lücken. Wer kontrolliert denn überhaupt, wie lange die Beschäftigten künftig für den Mindestlohn wirklich arbeiten müssen? Hier ist die Politik gefordert, eine Kontrolle zu organisieren, die die Einhaltung von Arbeitszeiten überprüft“, fordert Ganster.

Auch Friseurmeister Axel Schulz aus Neunkirchen argumentiert für den Mindestlohn. „Er belastet zwar die Friseurläden, aber die Beschäftigten müssen Geld verdienen und von ihrem Einkommen leben können.“ Schulz wirbt um Verständnis bei den Kunden. „Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass er für eine sehr gute Dienstleistung bezahlt.“

In der Landesinnung Friseure und Kosmetik sind 180 von rund 1100 Saar-Friseuren organisiert. Innungsmeister Mike Ulrich sieht den Hauptvorteil des Mindestlohnes in der jetzt landesweit gegebenen Vergleichbarkeit der Betriebe. Allerdings sei ein Herren-Haarschnitt kaum noch unter 20 Euro zu bekommen, bei den Damen müsse man mit Preisen um die 30 Euro und darüber rechnen. Jungen, kreativen Menschen rät Ulrich zum Friseurberuf. Mit Fortbildung und dMeisterbrief könne man es sogar bis zum eigenen Betrieb bringen. Allerdings räumt auch der Landesinnungsmeister ein: Stundenlöhne von 13 bis 15 Euro, wie in manchem Industriebetrieb üblich, bleiben im Friseur-Handwerk eine Illusion. Betriebs-Schließungen in Folge des Mindestlohns erwartet Ulrich dagegen nicht. Es könne aber sein, dass der ein oder andere Betrieb die Zahl seiner Mitarbeiter reduziert.

Die Saar-Handwerkskammer (HWK) hat sich zum Mindestlohn noch kein endgültiges Urteil gebildet. Ob die Zahl der Beschäftigten konstant bleibt, hänge davon ab, inwieweit die Kunden Preissteigerungen mittragen, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Brenner. Das Friseur-Handwerk profitiere auch von einem stabilen Berufswahl-Verfahren junger Damen. „Viele empfinden Friseurin als kreativen Beruf und machen das gerne“, so Brenner.

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