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Saar-Handwerk: Auffallend viele Azubis brechen ihre Lehre ab

Das saarländische Handwerk hat immer größere Probleme damit, Fachkräfte zu finden. Symbolfoto: Zucchi/dpa</p>

Das saarländische Handwerk hat immer größere Probleme damit, Fachkräfte zu finden. Symbolfoto: Zucchi/dpa

Wie motiviert man junge Menschen in einer Ausbildung? Caroline Ziegler, Vorstand der Bäckerei Ziegler AG Heiligenwald mit sieben Filialen und 92 Mitarbeitern, überlegt nicht lange. „Cool“ müsse es zugehen. „Arbeit muss man als Freude erleben und mit Emotion“, sagte sie gestern auf der Jahresabschluss-Pressekonferenz der Saar-Handwerkskammer. Junge Menschen wollten dort arbeiten, wo sie anerkannt werden, wo sie erkennbar Wertschätzung für ihren Einsatz und ihre Arbeit bekommen. Das sei heute noch wichtiger als die Bezahlung. „Es kostet den Chef noch nicht einmal Geld, wenn er motiviert, zuhört, Einfühlungsvermögen zeigt und für seine Mitarbeiter da ist, auch wenn es mal ein Problem gibt“, sagt Caroline Ziegler. „Wir haben regelmäßige Team-Meetings, in denen über alles geredet werden kann.“ Zudem würden die Auszubildenden schon früh einbezogen in verantwortungsvolle Tätigkeiten: von der Dekoration der Filialen , damit der Kunde ein angenehmes Einkaufserlebnis hat, bis zum Umgang mit den Produkten in der Produktion.

Dass die Präsenz in der Backstube schon am frühen Morgen nicht das schlagkräftigste Argument für die Branche ist, weiß auch Caroline Ziegler. Doch man verschiebe nur den Tagesablauf, könne dafür schon am frühen Nachmittag Hobbys nachgehen, Freunde treffen oder shoppen gehen.

Dass rund ein Viertel der Lehrlinge im Saar-Handwerk quer durch alle Branchen gegenwärtig eine Lehre frühzeitig abbricht, wie die Kammer in einer Sonderumfrage unter Betrieben ermittelt hat, sieht auch Ziegler als ein großes Problem an. Doch sie macht auch einen gesellschaftlichen Trend als eine der Ursachen aus. Ihrer Ansicht nach packen viele Eltern das Leben ihrer Kinder zu sehr in Watte und fordern sie zu wenig. Sich auch Problemen zu stellen und sich schon ein, zwei Jahre vor der Berufswahl durch Praktika einen besseren Überblick zu verschaffen, welche Ausbildung passen könnte, diese Chance werde zu selten genutzt, beklagt Ziegler.

Kammerpräsident Bernd Wegner sieht auch die saarländische Bildungspolitik stärker in der Pflicht. Es müsse deutlich mehr für Praktika geworben werden, insbesondere in der gymnasialen Oberstufe. 1400 Betriebe hat die Kammer in einer Sonderumfrage um ihre Erfahrungen zur Fachkräftesicherung und zum Stand der Ausbildung gebeten, 30 Prozent haben geantwortet. Demnach verfügen derzeit 30 Prozent der Betriebe nicht über geeignetes Fachkräfte-Personal. Zudem bilden 25 Prozent der Betriebe überhaupt nicht mehr aus. Als Gründe geben sie an, keine geeigneten Kandidaten zu finden oder schlechte Erfahrungen mit der Ausbildung gemacht zu haben. Doch nach Ansicht von Wegner bringen gerade die Arbeitskräfte besonders viel, die man auch im eigenen Betrieb ausbilden kann. Zum Stand 16. Dezember sind branchenübergreifend 100 Lehrstellen im Saar-Handwerk frei.

 

Meinung:

 

 

Auch die Eltern sind gefordert

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

 

Es ist alarmierend, dass so viele Jugendliche ihre Ausbildung im Handwerk abbrechen. Sicher geben viele zu früh auf, andere haben wohl die Anforderungen nicht realistisch eingeschätzt. Um solche Erfahrungen möglichst zu vermeiden, sollten sich auch die Eltern früher einschalten und etwa zwei Jahre vor der Berufswahl damit beginnen, mit ihren Kindern offen über deren Talente und Fähigkeiten zu reden. Dabei sollten sie auch auf Praktika drängen statt Müßiggang während der Ferien. Wer sich früh in Praktika ausprobiert, erfährt besser, in welchem Beruf man sich auch über viele Jahre hinweg wohlfühlen und Engagement bringen kann.

 

 

Zum Thema:

 

Hintergrund 2016 war für das saarländische Handwerk das erfolgreichste Jahr seit über zehn Jahren. Darauf hat gestern der Präsident der Handwerkskammer, Bernd Wegner ( CDU ) in der Jahresabschluss-Pressekonferenz verwiesen. Das Ergebnis betrifft nahezu alle Branchen. Insgesamt 66 000 Beschäftigte erwirtschafteten demnach einen Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr rechnet die Kammer erneut mit einem Umsatzanstieg um weitere 1,5 Prozent, und sie erwartet, dass die Zahl der Beschäftigten konstant bleibt. ts

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