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Saar-Jobmotor brummt noch

Die Bauwirtschaft, die lange Zeit kränkelte, stellt wieder vermehrt Leute ein. Foto: leonhardt/dpa</p>

Die Bauwirtschaft, die lange Zeit kränkelte, stellt wieder vermehrt Leute ein. Foto: leonhardt/dpa

Es gibt sie noch, die Branchen, die händeringend Arbeitskräfte suchen. Dazu gehört nach langen Jahren des Rückgangs auch wieder das Baugewerbe. „Der anziehende Wohnungsbau und die allmählich anlaufende Sanierung von Brücken oder Straßen macht sich in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar“, sagte gestern Heidrun Schulz, Regionalchefin Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA). Weitere Branchen mit Arbeitskräftebedarf sind der Handel und wegen der alternden Bevölkerung das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die öffentliche Verwaltung wegen Mehrbedarfs in Kindergärten, Kitas und in der Flüchtlingsbetreuung. Insgesamt wurden der Arbeitsagentur Saarland in diesem Jahr 7200 freie Stellen gemeldet, 11,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Im Handel wirkt Mindestlohn

Beim Handel ist der Zuwachs damit zu erklären, „dass 450-Euro-Jobs in reguläre Arbeitsplätze umgewandelt wurden“, sagte die hiesige BA-Chefin. Die Zahl der Minijobs sei in dieser Branche um 9,2 Prozent „deutlich zurückgegangen“, wohingegen 1,4 Prozent mehr reguläre Arbeitsplätze registriert wurden. „Das ist eindeutig ein Effekt des Mindestlohns“, ist Schulz überzeugt.

 

An der Saar sind die geflüchteten Menschen nicht nur in ihrer neuen Heimat, sondern auch in der Arbeitsmarkt-Statistik angekommen. „Das ging schneller als anderswo, weil sie bei uns rascher erfasst und betreut wurden.“ Rund 10 900 Männer und Frauen aus den acht stärksten Herkunftsländern – an der Spitze Syrien – waren im November als arbeitssuchend gemeldet, 7300 mehr als ein Jahr zuvor.

5500 drücken in Integrationskursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge die Schulbank und lernen Deutsch. 3200 warten noch auf solche Kurse. Schulz zufolge gehen seit Juni rund 1200 Flüchtlinge einer Erwerbstätigkeit nach. Davon haben 400 einen regulären Arbeitsplatz und die übrigen einen Ein-Euro-Job. 300 junge Flüchtlinge haben eine Ausbildung begonnen. Hinzu kommen 1000 regulär beschäftigte Ausländer, die aus den Fluchtländern kommen, aber nicht unbedingt geflohen sind oder schon länger im Saarland leben. Diese sind in erster Linie im verarbeitenden Gewerbe, der Gastronomie, in den Gesundheits- und Sozialberufen beziehungsweise als Leiharbeiter beschäftigt.

Ein Problem bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit. In der Grundsicherung (Hartz IV) wurden im Jahresdurchschnitt 27 600 Menschen gezählt. 2,8 Prozent mehr als 2015. Auf der anderen Seite sank die Anzahl der Menschen, die Arbeitslosengeld I beziehen, um 4,8 Prozent auf 9600. Das dürfte sich 2017 umkehren. Schulz rechnet mit weniger Langzeitarbeitslosen. Das ist kein Zeichen eines nahenden Jobwunders. „Viele gehen einfach in Rente.“

 

Meinung:

 

 

In der Industrie bröckelt es

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

 

Der Arbeitsmarkt an der Saar ist zwar noch robust, doch es wächst die Furcht, dass sich der Himmel verdüstert. Vor allem in der Industrie bröckelt es. Werkschließungen hier, Insolvenzsanierungen dort, Konjunktur- und Ertragsprobleme beim Stahl – über der saarländischen Industrie braut sich etwas zusammen. Hier müssen die Alarmglocken schrillen, denn das verarbeitende Gewerbe stellt mit 96 700 Beschäftigten noch immer jeden vierten Arbeitsplatz im Saarland. Es sind außerdem gut bezahlte Jobs, wohingegen im Handel oder bei den Gesundheitsberufen, wo Arbeitskräfte gesucht werden, das Entgelt bescheidener ausfällt. Noch herrscht Weihnachtsfrieden – doch wie lange noch?

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