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Saar-Pfleger machen ihrem Ärger Luft und drängen auf bessere Arbeitsbedingungen

Zuhören wollte Sozialministerin Monika Bachmann ( CDU ). Die Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege sollten schildern, wie sie den Berufsalltag empfinden. „Was euch auf dem Herzen liegt, muss die Ministerin von euch hören, von mir hat sie es schon gehört“, sagte die Präsidentin des Landespflegerates, Ursula Hubertus. Der Pflegerat war gestern Mitveranstalter der „Dialogveranstaltung“ in Saarbrücken .

 

Bachmann bekam die gewünschten Antworten – die an Deutlichkeit allerdings kaum zu übertreffen waren. Aufgewühlt und verärgert berichteten Pflegekräfte im Saal aus ihrem Alltag. Den Beiträgen zuzuhören, sei „nicht immer angenehm“ gewesen, sagte Bachmann hinterher. Die Botschaft fasste sie so zusammen: „Leute, werdet wach!“ Das nehme sie ernst. Ihr Staatssekretär Stephan Kolling ( CDU ) versprach Lösungsansätze im nächsten halben Jahr.

 

Aus den meisten Wortbeiträgen war herauszuhören, dass sich die Beschäftigten von der Politik nicht ernst genommen fühlen. Der katholische Klinikseelsorger am Saarbrücker Caritas-Klinikum, Hermann-Josef Mayers, machte sich zu ihrem Fürsprecher: „Hier wird ein Berufsstand aus Gründen der Ökonomisierung kaputtgemacht.“ Die Chefin einer Sozialstation und eines Seniorenzentrums berichtete in einem vorgeschalteten 30-Minuten-Vortrag, Wirbelsäulen-Schäden (vom Heben und Tragen) sowie psychische Krankheiten seien beim Pflegepersonal „ganz stark auf dem Vormarsch“. Die Ökonomisierung führe zu einem enormen Zeit- und Leistungsdruck.

 

Eine Krankenschwester vom Saarbrücker Caritas-Klinikum berichtete von mieser Stimmung, Vorwürfen von Patienten und Angehörigen, regelmäßigen Überstunden und Krankschreibungen. Eine Beschäftigte des Winterberg-Klinikums rief: „Ich dachte, in Deutschland ist die Würde des Menschen unantastbar. Ich empfinde das nicht mehr so.“

 

Der Betriebsratsvorsitzende des Knappschaftskrankenhauses Sulzbach und Verdi-Funktionär Hans Ruge warf vor rund 150 Zuhörern ein, die Arbeitsbedingungen seien „brutal“ und „nicht mehr erträglich“: „Das Pflegepersonal geht nicht nur auf dem Zahnfleisch, sondern auf dem Zahnhals. Wir brauchen mehr Personal , damit Pflegekräfte, wenn sie nach Hause gehen, ein gutes Gewissen haben, und nicht das Scheißgefühl, ich habe heute etwas nicht machen können, was ich hätte machen müssen.“ Mehrere Auszubildende berichteten, aus ihrem Jahrgang seien wegen der Arbeitsbedingungen von einstmals 31 Schülern im dritten Lehrjahr nur noch 17 übrig. Examinierte Pflegekräfte hätten gar keine Zeit mehr, sich um den Nachwuchs zu kümmern.

 

Dass in der Pflege Personal fehlt, da sind sich praktisch alle einig. Der Vorsitzende der Saarländischen Pflegegesellschaft, Harald Kilian, sagte, in seiner Branche – also in der Altenpflege – sei die Mitarbeiterzahl in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen, von 27 Beschäftigten je 100 Bewohner auf heute 39. In den Krankenhäusern jedoch sei sein persönlicher Eindruck: „Es ist eine Katastrophe im Pflegebereich.“ Der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, sagte, in Deutschlands Krankenhäusern kämen auf 100 Patienten 12,3 Pflegekräfte, in Norwegen aber 42,9. „Wir haben Analysen zuhauf. Wir müssen jetzt endlich mal handeln.“ Er sei es leid, dass Pflegekräfte in Krankenhäusern immer nur als Kostenfaktor betrachtet würden, Ärzte hingegen als Erlösfaktoren. Der Pflegebeauftragte des Landes, Jürgen Bender, mahnte jedoch eine exakte Erhebung an, wie viel Personal wo genau fehlt. Dies müsse Grundlage der weiteren Diskussion sein. Dass Personal fehlt, zweifelte allerdings auch er nicht an.

 

Staatssekretär Kolling brachte einen weiteren Ansatz: Das Image der Pflege müsse besser werden. Er sei dabei gewesen, als sich eine Schulklasse kürzlich in einem Altenheim über den Beruf informiert habe. Da hätten die Mitarbeiter erzählt, wie schlimm und wie schwierig die Arbeit sei. „Glauben Sie, dass am Ende die jungen Leute gesagt haben, das ist mein Beruf?“, fragte Kolling. Woraufhin ihm aus dem Publikum Unmut entgegenschlug: „Sollen wir denen sagen, alles ist in Ordnung?“, rief einer empört.
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