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Saar-Politiker: Zu feige zum Diskutieren?

Saarbrücken. Studiengebühren sind derzeit ein Topthema in den Sondierungsgesprächen der Parteien nach der Landtagswahl. Doch die diskutieren hinter verschlossenen Türen. Gestern bei der öffentlichen Podiumsdiskussion in der Aula der Saar-Uni waren die Vertreter von Hochschulen und Studenten unter sich. Die Politik blieb der Veranstaltung geschlossen fern. Das sorgte für bittere Kommentare der Professoren in Richtung der „größten Koalition“, so die bissige Bemerkung von Uni-Präsident Volker Linneweber.

Professor Enrico Lieblang, Prorektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) fand die Absage „unerhört – so könnt ihr nicht mit uns umgehen“. Professor Matthias Winzen, Prorektor der Hochschule für Bildende Künste (HBK), „kann es nicht mehr ertragen, wenn Politiker von Politikverdrossenheit reden und sie auf diese Art produzieren“.

Die akademischer Vertreter auf dem Podium, das von SZ-Wirtschaftsredakteur Lothar Warscheid moderiert wurde, hatten sich von der Diskussion Signale für die neue Ära nach den Studiengebühren erhofft. In Ermangelung der wichtigsten Diskussionspartner drehte sich das zweistündige Gespräch vor 250 Zuhörern in der Aula der Uni dann jedoch eher um Vergangenes und grundsätzliche Fragen der Studienbeiträge. Einigkeit herrschte auf dem Podium in einem Punkt: Werden die Studiengebühren gestrichen, brauchen die Hochschulen Ersatz.

Ein düsteres Bild der Saar-Uni im Fall eines Wegfalls der Studiengebühren malte zunächst der Uni-Präsident: Dies führe zu längeren Studiendauern, unmotivierten Studenten und unentschlossenen Studienanfänger. Er war sich mit seinen Professorenkollegen einig, dass die Studiengebühren positive Effekte haben.
 
„Die Mittel waren nötig und hilfreich“, erklärte Matthias Winzen. Der Verwaltungsaufwand sei für seine Hochschule allerdings gewaltig. Da vergleichbare Hochschulen in anderen Bundesländern darauf verzichteten, hätten sie sich im Konkurrenzkampf als schädlich erwiesen. „Wir konnten mal etwas für die Verbesserung der Lehre tun“, bestätigte Lieblang. Dem stimmte auch Thomas Duis, Rektor der Hochschule für Musik Saar, zu, der verlängerte Öffnungszeiten und Extraangebote für die Studenten als Beispiel nannte. Ein Großteil der Gebühren sei zurückgeflossen, zum Beispiel in neue Stellen für Studenten.

Die Asta-Vorsitzenden der Saar-Uni und der HTW, Daniel Werner und Lena Jost, bestätigten, obwohl grundsätzlich gegen Studentenbeiträge eingestellt, die Qualität des Studiums habe sich verbessert. Sie pochten darauf, dass die Politiker zu ihren Wahlversprechen stehen. „Es gibt die Zusagen der Parteien. Ich gehe davon aus, dass die Studiengebühren abgeschafft und in vollem Umfang ersetzt werden“, so Werner, da sich sowohl SPD, Grüne als auch Linke gegen die Gebühren positioniert hätten.

Diesen Optimismus teilten die Professoren auf dem Podium nicht unbedingt. „Ich bin in Sorge, dass die Studiengebühren nicht in vollem Maß ersetzt werden“, sagte Lieblang, „Wir könnten noch böse Überraschungen erleben“, pflichtete ihm Thomas Duis bei. Alternative Modelle, etwa die Senkung der Studiengebühren, sind für die Professoren deshalb denkbar. „Andere Modelle sind vorstellbar“, erklärte auch Uni-Präsident Linneweber. Er fordere aber grundsätzlich mehr Investitionen in Bildung und Forschung mit Blick auf die anstehenden Haushaltsverhandlungen. In diesem Zusammenhang riet Enrico Lieblang zur Wachsamkeit: „Unsere Haushalte dürfen nicht mit der Kompensation der Studiengebühren verrechnet werden.“ Während Etats und ihre Verwendung konkret formuliert werden, müssten die Studiengebühr unbedingt „flexible Verfügungsmasse bleiben“.

Die Hochschulprofessoren forderten in der Diskussion vor allem schnelle Entscheidungen. „Wir brauchen Planungssicherheit“, so Linneweber. Die 1000 Stellen an der Saar-Uni, die durch Studiengebühren finanziert werden, seien nur noch für das Wintersemester 2009/10 gewährleistet, längerfristige Projekte, zum Beispiel die virtuelle Übungsstation für die medizinischen Fachbereiche, würden nicht mehr begonnen. Am Ende der Diskussion kündigte Linneweber ein Positionspapier der Landesrektorenkonferenz zur Hochschulentwicklung an. Von Peter Bylda und Katharina Rolshausen (SZ)
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