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Saar-Politiker beim Blei­gießen: Was bringt uns 2011?

Saarbrücken. Über die Zuverlässigkeit des alten Silvester-Brauchs Bleigießen lässt sich sicherlich streiten. Es ist eher zweifelhaft, dass ein Stück Blei dem saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller schon am Silvesterabend 2008 geflüstert hat, dass er ein Jahr später Chef der ersten deutschen Jamaika-Koalition sein wird. Dennoch: Auf einen Versuch haben wir es ankommen lassen. Vertreter aller Landtagsfraktionen haben für die SZ flüssiges Blei in eine Schale mit Wasser gegossen und aus dem Ergebnis ihr politisches Jahr 2011 gedeutet. Was das Resultat angeht, überrascht es nur wenig, dass alle Teilnehmer aufgrund ihrer jeweiligen Bleistücke für sich und ihre Partei ein positives neues Jahr erwarten.

FDP: Ein Fisch im Wasser

Den Anfang macht mit Christian Schmitt (FDP) ein erfahrener Bleigießer. Bei ihm ist der Brauch seit Jahren fester Bestandteil einer gelungenen Silvester-Feier. Dementsprechend fachmännisch schwenkt der zukünftige FDP-Fraktionschef den silbenen Löffel über der kleinen Kerzenflamme. „Man muss den richtigen Brennpunkt finden“, sinniert er. Und tatsächlich: Innerhalb kürzester Zeit beginnt das Blei zu schmilzen. Schmitt schüttet das Blei in die Schüssel, wo es sofort in fünf Teile zerbricht. Ein schlechtes Omen? Weitere Querelen bei den Liberalen im Jahre 2011? Der FDP-Politiker wiegelt ab: „Die fünf Teile stellen die fünf Fraktionen im Landtag dar“, interpretiert er. Das größte Teil stehe für die FDP. Es ist an einem Ende rund, am anderen Spitz. Ein Wal? Ein Tropfen? Ein Stachel? Schmitt mustert das Stück Blei eingehend und entscheidet sich für einen Fisch.

„Der ist flink und fühlt sich im Wasser, aus dem er kommt, pudelwohl.“ Das Wasser symbolisiere dabei das Haifischbecken Politik. Nach Schmitts Lesart stehen ihm und seiner Fraktion ein erfolgreiches Jahr bevor. Und „Ein Fisch muss auch mal gegen den Strom schwimmen“, betont Schmitt.

Grüne: Wunsch wird wahr

Für Partei- und Fraktionschef des grünen Koalitionspartners, Hubert Ulrich, ist Bleigießen eine völlig neue Erfahrung. Dementsprechend gründlich hat er sich für die Aktion vorbereitet und sich eigens Interpretationshilfen ausgedruckt. Geduldig hält er den Löffel über die Flamme, bei ihm dauert es ein wenig länger bis das Blei geschmolzen ist. Das scheint aber vor allem an den Bleiresten zu liegen, die der FDP hinterlassen hat – weniger an mangelhafter Schmelz-Technik. Ulrichs Ergebnis hat auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit zu dem Exemplar, das sein FDP-Kollege aus dem Wasser gefischt hat, ist aber deutlich länger. Die Interpretation von Ulrich kommt wie aus der Pistole geschossen: „Das ist eine Ähre“, sagt der Grünen-Chef. Ein schneller Blick auf seine Interpretationshilfe liefert auch sofort deren Bedeutung: „Das bedeutet, dass Wünsche wahr werden.“ Und was ist der politische Hauptwunsch von Hubert Ulrich für 2011? „Ich wünsche mir mehr soziale Gerechtigkeit für Schwache.“

SPD: rosige Aussichten

Als nächstes kommt Elke Eder-Hippler von der SPD an die Reihe. Das Blei zeigt sich bei ihr besonders widerspenstig und will zunächst partout nicht schmilzen. Die Oppositionspolitikerin nutzt das für einen Seitenhieb auf Jamaika: „Das Blei ist wie diese Landesregierung: Es klebt an seiner Form.“ Geduldig versucht sie es weiter und erhält tatkräftige Unterstützung von ihrem Ehemann, der sie begleitet. Er ist Physik-Lehrer und weiß genau, an welcher Stelle die Temperatur über der Flamme am größten ist. Auch mithilfe der fachmännischen Anweisungen bringt Eder-Hippler ihr Bleistück schließlich zum Schmelzen. Das Exemplar, das sie aus der Schale fischt, ist lang und dünn. „Eine Rose“, sagt die SPD-Abgeordnete spontan. Und was heißt das für 2011? Rosige Aussichten für die Genossen, interpretiert Eder-Hippler: „Ich sehe darin eine erstarkende SPD, die sich auf ihre Wurzeln besonnen hat und nun endlich wieder austreiben kann.“

CDU: Pfeil nach oben

Die stärkste Fraktion im Landtag bringt das Blei dank technischer Hilfe am schnellsten zum Schmelzen: Roland Theis (CDU) bedient sich einer „Hochleistungskerze“ vom Weihnachtskranz in der Landesgeschäftsstelle. „Das kann die Saarschmiede nicht besser“, scherzt Theis und schüttet das flüssige Blei nach gefühlten 30 Sekunden ins Wasser. Dann fischt der CDU-Mann ein flaches, gebogenes Stück Blei heraus, das an einem Ende rund, am anderen spitz ist. „Das ist eine Linie, die nach oben zeigt“, sagt Theis. Für den Generalsekretär ein klares Symbol für einen Aufwärtstrend 2011 aus einer soliden Basis heraus.

Doch damit gibt sich Theis noch nicht zufrieden: Er dreht und wendet sein Werk und findet noch eine zweite Interpretationsmöglichkeit: eine Kobra. Laut Deutungshilfe auf der Bleigieß-Verpackung ein Zeichen für „missgünstige Feinde“ im neuen Jahr. Für Theis ist die Sache klar: „Die Schlange hat den Kopf nach links geneigt zu denen die mit gespaltener Zunge reden und Gift versprühen.“

Linke: Regierung geißeln

Damit meint Theis natürlich die Opposition, allen voran die Linke. Für die geht Ralf Georgi ins Rennen. Er ist wie Grünen-Chef Ulrich absoluter Bleigieß-Neuling. Dafür macht er seine Sache erstaunlich gut, obwohl er wie alle Teilnehmer mit Ausnahme von Theis auf einfache Teelichter zurückgreifen muss. Er bringt das Bleistück schnell zum Schmilzen, steht dann aber vor einem Rätsel. „Was will uns dieses Bleistück sagen?“ fragt er ratlos als er sein ziemlich nichtssagendes Bleistück in der Hand hält. Doch dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: „Das ist ein Mikrofon“, sagt Georgi, „ich und meine Fraktion haben im Jahre 2011 wieder viel Kritisches zu sagen. Wir werden die Fehler der Landesregierung geißeln.“ Eine sehr realistische Prognose, wie auch Bleigieß-Skeptiker zugeben müssen. Jetzt ist der Linken-Politiker in seinem Element. „Es könnte auch ein Fisch sein. Das bedeutet, dass wir mit unseren Positionen gegen den Strom schwimmen.“ Fazit: Eine neue Koalition?

Damit schließt sich der Kreis: Sowohl die FDP als auch die Linke sehen in ihren Bleistücken einen Fisch. Bahnt sich für 2011 etwa eine ganz neue Koalition an? Wohl kaum – Wahrscheinlich spricht diese Parallele eher dafür, dass man das große Landtags-Bleigießen nicht allzu ernst nehmen sollte.

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