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Saar-Polizei: Immer mehr Kinder sind Mehrfachtäter

Von SZ-Redaktionsmitglied Thorsten Grim

Saarbrücken. Vergangenen Dienstagabend: Eine Rentnerin aus Dudweiler hat ein paar Besorgungen im Einkaufszentrum nahe der Grühlingshöhe getätigt und ist auf dem Heimweg, da hört sie Schritte. Sie dreht sich um und blickt in zwei grimmige Gesichter. Deren Besitzer machen ihr klar: Sie wollen ihre Tasche. Wie die Polizei später mitteilte, versuchte der ältere der beiden Räuber, der Frau die Handtasche zu entreißen. Doch die Rentnerin ließ nicht los und rief um Hilfe, erzählt Detlef Nitsch. „Daraufhin flüchteten sie ohne Beute“, berichtet der Polizeioberkommissar, dessen Kollegen kurz darauf einen Fahndungserfolg vermeldeten: Ein Zwölf- und ein 14-Jähriger aus Dudweiler konnten dingfest gemacht werden (wir berichteten).

„Der eine Täter ist noch ein Kind, der andere wurde vor wenigen Tagen 14“, erzählt Nitsch. Der 14-Jährige ist wegen Sachbeschädigungen und Eigentumsdelikten bereits mehrfach aufgefallen. Nitsch berichtet von schwierigen Familienverhältnissen und davon, dass der Junge Anfang vergangenen Jahres von Amtswegen in einer Wohngruppe untergebracht war.

Auch der Zwölfjährige sei schon mehrfach auffällig geworden. „Aber nicht jeder, der aus schwierigen Verhältnissen kommt, muss eine kriminelle Karriere machen“, sagt Bernhard Schmidt, Leiter des Fachbereichs pädagogische Prävention am Landesinstitut für präventives Handeln.  „Aber die Familienverhältnisse haben natürlich einen riesigen Einfluss.“ Sind die Verhältnisse prekär, wird aus einem unglücklichen Kind oftmals ein junger Intensivtäter. „Kinder, die selbst Opfer von Gewalt wurden, sagen sich: Ich bin jetzt kein Opfer mehr. Jetzt schlage ich zuerst“, erzählt Schmidt. Schlimmer noch: „Es gibt Familien, die ihren Kindern beibringen, dass sie sich einfach holen sollen, was sie wollen“, berichtet der Fachbereichsleiter.


Fällt ein junger Mensch als Intensivtäter auf, kommt er in das InitiativProgramm-JungeIntensivTäter (IP-JIT). Hier arbeiten quasi alle Stellen und Institutionen zusammen, um den straffälligen Jugendlichen wieder auf die gerade Bahn zu bringen. Seit Juli 2007 gibt es das IP-JIT. „Wir haben mit elf Intensivtätern, die 132 Straftaten begangen haben, begonnen. 2008 waren es 27 und 217 und im Jahr 2009 waren es 47 Täter und 262 Straftaten“, berichtet Paul Haben, Direktor der Landespolizeidirektion. Was beinhaltet das IP-JIT-Programm? „Zunächste einmal wird ein Verfahren, das normal mindestens sechs Monate dauert, deutlich beschleunigt“, erklärt Haben. „Fälle für das Initiativ-Programm bekommen eine rote Aktenhülle, damit man direkt erkennt: Hier brennt es.“

Zudem ginge es beim IP-JIT um die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendhilfe, Sozialamt sowie weiteren Institutionen.„Einen Tag nach dem Überfall haben wir den 14-Jährigen und sein Opfer hier zusammengebracht“, erzählt Oberkommissar Nitsch. Täter-Opfer-Ausgleich nennt sich das.  Nitsch weiß: „Es ist wichtig, dass die Täter mit dem, was sie anderen angetan haben, konfrontiert werden.“ Denn das könne dazu beitragen, dass sie sich mit sich selbst und ihren Handlungen ernsthaft auseinandersetzen. Noch wichtiger sei allerdings, „dass die Opfer ihrer Wut und der zuvor empfundenen Hilflosigkeit Luft machen können“.

Lösungsansätze für das Problem „jugendliche Intensivtäter“ werden heute Abend um 18.30 Uhr unter anderem von Innenminister Stephan Toscani im Hotel „zur Krone“ in Bexbach erörtert.


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