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Saar-Polizei will Gewalt-Opfern Mut machen

Regionalverband. Mehr Einbrüche, mehr Mobbing, mehr Gewalt. Kriminalität 2008 im Polizeibezirk Saarbrücken-Land. Da geht's um Serientäter, die dreist in Schulen einbrechen und, wie in Völklingen, nagelneue, noch nicht einmal ausgepackte Computer stehlen. Da geht's um Schläger, die Festplätze zur Bühne für Brutalitäten machen, und zuschlagen, bis die Knochen brechen und das Blut spritzt. Aber auch um Opfer von Nachstellern, die sich wehren und ihr Leid nicht mehr verstecken, sondern mutig die Polizei einschalten.

14 521 Straftaten verzeichnet die Statistik für 2008, 1266 Fälle mehr als 2007, wie Kriminalhauptkommissar Werner Kaspar sagt. Die Aufklärungsquote stieg um 3,7 Punkte auf 54,7 Prozent. Kaspar leitet den Kriminaldienst der Bezirksinspektion Brebach. „Wir haben mit 2266 Rohheitsdelikten eine Steigerung von 14,3 Prozent“, sagt sein Kollege, Polizeirat Walter Paulus. Zu den Rohheitsdelikten zählt die Polizei Raubstraftaten, Körperverletzungen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Nicht einmal seine Mitarbeiter sind vor Schlägern sicher. Paulus: „Die Gewalt gegen Polizisten nimmt erheblich zu.“

Großeinsatz beim Stadtfest Die Zahlen: In 352 Fällen wurden im Bezirk Saarbrücken-Land 2008 Polizeibeamte Ziel von Gewalttätern, 48 mehr als 2007. Steigerungsquote: 15,8 Prozent. Selbst auf früher friedlichen Sommerfeten wie dem Friedrichtsthaler Stadtfest hat's voriges Jahr gewaltig gekracht. Die Gewalt eskalierte dort derart, dass die ersten Beamten am Tatort Verstärkung aus dem Umkreis anforderten und sogar die Bereitschaftspolizei zur Hilfe eilen musste. Am selben Wochenende lebten Schläger auf dem Wambefeschd in Quierschied ihren Hass aus: drei Verletzte. Weil es 2008 viele weitere Entgleisungen gab, schnellte die Zahl der Körperverletzungen im Bezirk um 12,4 Prozent um 174 auf 1576 nach oben. Und selbst in früher friedlichen Wohngebieten hat die Polizei inzwischen viel zu tun. Walter Paulus sagt: „Die Zahl der Nachbarschaftsstreitigkeiten nimmt zu. Man ist nicht mehr bereit, miteinander zu reden, sondern streitet sich ohne Rücksicht auf Verluste.“

Geradezu explodiert ist die Zahl der Menschen, die anderen nachstellen und damit quälen, was gemeinhin als Stalking bezeichnet wird. Für ihren Nervenkrieg nutzen die Täter längst auch das Handy, die SMS und das Internet. „Die Täter gehen mit der Zeit“, sagt Paulus. Und er fügt hinzu: „Aber es gibt zum Glück selbstbewusste Betroffene, sie sich wehren und uns einschalten, weil sie darauf vertrauen, dass wir ihnen helfen können.“ Seit 2007 gibt es im Strafgesetzbuch den Tatbestand „Schwere Belästigung“ und damit eine bessere Handhabe gegen die kriminellen Nachsteller. Auch deshalb ist die Zahl der erfassten Stalking-Fälle mit einem Anstieg um 208 Prozent (2007: 24, 2008: 74 Delikte) explodiert. Die Aufklärungsquote hat sich mit 89,2 Prozent, verglichen mit 2007 (79,2 Prozent) deutlich erhöht.

Wirksame Hilfe für die seelisch schwer verletzten Ziele solcher Angriffe ist der Polizei wichtiger denn je – und heute Teil der Ausbildung: Werner Kaspar: „Wir blicken sehr genau auf das Opfer und wollen ihm seine Ängste nehmen. Die Betroffenen müssen zur Ruhe kommen können.“ „Vertrauen aufbauen“, nennt sein Kollege Paulus als oberstes Ziel der Arbeit für Verbrechensopfer. Und zwar ab dem ersten Kontakt. Kaspar: „Unsere Arbeit beginnt, wenn ein Hilfesuchender die Wache betritt.“ 
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