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Saar-Rechnungshof befasst sich mit Bevölkerungsrückgang

Saarbrücken. Lawinen werden größer, je näher sie kommen. Dass die Folgen des demografischen Wandels – sprich des Bevölkerungsrückgangs – ebenso eine unglückliche Vielzahl von Problemen mit sich bringen, gilt als hinlänglich bekannt. Den Fakten ins Auge zu schauen, lässt einen dennoch erschrecken. Zumal die bei einem Thementag des Landesrechnungshofes in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium am Freitag von externen Referenten angedeuteten Lösungsansätze nicht nur in der Zahl, sondern auch im Linderungsgrad nicht allzu viel Hoffnung versprechen. So müsse man etwa auf mehr Eigeninitiative jedes Bürgers setzen, auf eine kinderfreundlichere Gesellschaft hinwirken, sich mit einer längeren Lebensarbeitszeit anfreunden, mehr Frauen und Senioren in die Arbeitswelt einbinden und die Siedlungsstrukturen der Menschen „verdichten“, um lange und teure Kanalisationssysteme zu vermeiden. Ansätze, deren zuversichtlicher Tenor angesichts der immensen Probleme allerdings so rapide zusammenschrumpft wie die Einwohnerzahl des Saarlandes.

Ein Beispiel: Bis zum Jahr 2050 wird die Einwohnerzahl des Saarlandes um 25 Prozent auf 750.000 Menschen zurückgehen. Zwar wird damit mutmaßlich auch das Verkehrsaufkommen auf saarländischen Straßen zurückgehen, die zukünftigen Anforderungen an Mobilität, Standortattraktivität und Wirtschaftskraft werden aber nichtsdestotrotz den Ausbau der Infrastruktur diktieren. Weil aber weniger Einwohner gleichbedeutend mit weniger Steuereinnahmen und Bundeszuschüssen sind, wird dem Land dafür noch weniger Geld zur Verfügung stehen als derzeit. „Weil die Menschen ihren Chancen folgen, werden sie das Land verlassen, sobald die Bedingungen nicht mehr ihren Vorstellungen entsprechen“, erklärte Olaf Kühne, Professor für Ländliche Räume und Regionalmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und umweltpolitischer Sprecher der Saar-FDP. Sprich: Dem Saarland könnten zusätzlich zum Bevölkerungsrückgang auch noch die so begehrten Nachwuchskräfte und Facharbeiter den Rücken kehren. „Nur zu sparen, könnte sich also als kontraproduktiv erweisen“, sagte Kühne. Er sagte aber auch: „Wir werden nicht mehr alles für alle vorhalten können.“ Es sind unscharfe Aussagen wie diese, die die Größe der Schwierigkeiten sowie die stark eingeschränkten Handlungsspielräume verdeutlichen.

Eine Problematik, zu der sich im Übrigen auch noch die Überalterung der schrumpfenden Bevölkerung gesellt. Was wiederum hohe finanzielle Anforderungen etwa an Pflegeangebote und Gesundheitsmanagement stellt, wie Antje Schönwald vom Stiftungslehrstuhl für nachhaltige Entwicklung an der Saar-Uni ausführte. Und das, obwohl die gesellschaftliche Ausrichtung derzeit eine andere ist – eine des „Jugendwahns“.

Die Herausforderungen, denen das Saarland in den kommenden Jahren begegnen muss, sind finanzieller, organisatorischer und personeller Art. Ob das Saarland – schon jetzt Haushaltsnotlageland – angesichts der Herausforderungen durch den Bevölkerungsrückgang „seine Eigenständigkeit wird erhalten können, ist mit Fragezeichen zu versehen“, sagte Thomas Hartz, Direktor des Landesrechnungshofes. Zwar sei sich die Landesregierung der Problematik bewusst und habe entsprechende Stabsstellen und Referate eingerichtet, wie Bernd Seiwert vom Sozialministerium berichtete. Ebenso will der Landesrechnungshof künftig vermehrt die Folgewirkungen des demografischen Wandels „in seine Prüfungstätigkeit einfließen lassen“. Doch am Ende blieb indirekt die Frage zurück, ob derartige Bemühungen nicht den Einsparungen bei der Landesverwaltung zum Opfer fallen könnten.
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