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Saar-Richter stecken angeblichen Prinzen aus dem Irak ins Gefängnis

Das Urteil des Landgerichts Saarbrücken erging im Namen des Volkes. Der Angeklagte wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfachen Betruges zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Zuvor hatte der Mann im grauen Geschäftsanzug ein Geständnis abgelegt. Danach hatte er mit gefälschten Urkunden versucht, die „Bank of Beirut“ um 1,2 Millionen Euro zu betrügen. Außerdem habe er den Vermieter des von ihm und seiner Ehefrau bewohnten Hauses in Saarbrücken um die Miete geprellt.

Arabisches Herrscherhaus

Nach eigener Aussage stammt der Mann – der äußerlich dem kürzlich verstorbenen Schauspieler Omar Sharif im Film „Lawrence von Arabien“ ähnelt – aus dem Herrscherhaus der Haschimiten. Sein Großvater sei Führer der revoltierenden arabischen Armee gegen das osmanische Reich gewesen. Der Großvater sei König von Syrien und nach seiner Vertreibung durch die Franzosen König des Irak gewesen. Er selbst, so der Angeklagte kürzlich vor Gericht, sei 1961 in Kuwait geboren und in London ausgewachsen. Er sei von Hauslehrern unterrichtet worden, habe in Großbritannien Chemie studiert und eine Doktorarbeit verfasst. Diese enthalte militärische Geheimnisse und sei deshalb unter Verschluss. Später sei er ständiger Beobachter der westafrikanischen Wirtschaftsunion bei den Vereinten Nationen gewesen. Bei einer Konferenz im Berliner Außenministerium habe er seine spätere Ehefrau kennen gelernt.

Villa in Saarbrücken

Ob diese Biografie stimmt oder nicht, dass musste vor dem Saarbrücker Landgericht nicht geklärt werden. Es spielte auch für die Einordnung der Anklagevorwürfe keine wesentliche Rolle. Hier kam es auf das Verhalten des Angeklagten nach dessen Umzug ins Saarland an und nicht auf dessen Abstammung. Die Einzelheiten: Ende 2012 zog der vermeintliche Prinz und Diplomat zu seiner Ehefrau nach Saarbrücken. Die Frau lebte bereits seit 2009 in dem repräsentativen Anwesen. Aber es gab offenbar Probleme mit der Miete in Höhe von monatlich 1520 Euro plus 540 Euro Nebenkosten. Laut Anklageschrift soll bereits Anfang 2012 die Frau mit der Miete erheblich in Rückstand gewesen sein, weshalb ihr die Kündigung und die Zwangsräumung drohten.

Kein Geld für Miete

Aber dann kam im Dezember 2012 der Prinz ins Saarland. Er brachte einen Kauf des Hauses für 1,35 Millionen Euro ins Gespräch und ließ einen Notar eine entsprechenden Kaufvertrag im Entwurf aufsetzen. Daraufhin wurde die laufende Miete gestundet, man könnte sie ja schließlich mit dem Kaufpreis verrechnen. Aber der Kauf wurde nie umgesetzt. Wann immer die Unterschrift des Angeklagten unter den Vertrag anstand, kam etwas dazwischen. Anfang 2014 hatte der Vermieter genug. Dem Angeklagten und seiner Ehefrau wurde fristlos gekündigt, eine Klage auf Räumung und Zahlung der offenen Miete wurde eingereicht.

Falsche Urkunden

Der angebliche Prinz legte daraufhin bei Gericht eine gefälschte „Generalvollmacht“ vor. Danach sei er vom Vermieter bevollmächtigt worden, ihn in dem Prozess zu vertreten und die Klage zurückzunehmen. Die entsprechende Unterschrift des Vermieters hatte der Mann kopiert, eingescannt und auf die Vollmacht übertragen. Aber der Schwindel flog auf, und das Gericht lehnte die Klagerücknahme ab.
Auch beim zweiten Einsatz der Generalvollmacht hatte er kein Glück. Diesmal legte er im Juli 2014 die Vollmacht einem Notar in Frankfurt vor und ließ sich dort in einem „Übertragungsvertrag“ beurkunden, dass der Vermieter das Haus in Saarbrücken für 360.000 Euro an ihn verkauft habe und sich zur Übergabe verpflichte. Aber die Übertragung des Eigentums wurde noch rechtzeitig gestoppt.

Bank of Beirut im Visier

Im September 2014 nahm der Angeklagte schließlich die „Bank of Beirut“ ins Visier. Er manipulierte eine Urkunde einer Firma aus London und wurde so zum „Generalbevollmächtigten“ der „Bank of Beirut“. In dieser Eigenschaft ließ er bei einem Notar in Frankfurt zwei Schuldanerkenntnisse der Bank über insgesamt 1,2 Millionen Euro beurkunden. Danach muss die Bank das Geld einer AG im Irak bezahlen - deren alleiniges Vorstandsmitglied war der Prinz. Anschließend betrieb der Angeklagte mit diesen Urkunden die Zwangsvollstreckung gegen Konten der Beiruter Bank in Deutschland und erwirkte Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse. Die Gelder wurden daraufhin zwar kurzfristig eingefroren. Aber sie gingen nicht an den Angeklagten, weil die Sache schließlich aufflog. Er kam daraufhin Anfang 2015 in Untersuchungshaft. Ob er ein Prinz aus Arabien ist oder nicht, das ist bis heute unklar.
 
 
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