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Saar-Schulessen bekommt Qualitätsstandard



Saarbrücken/Nunkirchen. Nicht jeder Schüler kann behaupten, dass er mit Anke Rehlinger schon mal gesundes Obst gefrühstückt hat. Die Erstklässler der Grundschule Nunkirchen schon. Die SPD-Verbraucherschutzministerin hat gestern anlässlich des „Tags der Schulverpflegung“ die Grundschulen Nunkirchen und Weiskirchen besucht, um mit den Schülern über Ernährung zu sprechen. Denn nach der Brechdurchfall- Welle in Ostdeutschland mit fast 12 000 betroffenen Schülern und der Kritik am Schulessen machen sich auch die saarländischen Minister Gedanken um die Verpflegung des Nachwuchses.

Um das Schulessen hierzulande dauerhaft zu verbessern, soll der Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung für alle freiwilligen Ganztagsschulen verpflichtend werden. „Bisher sind es nur Empfehlungen“, sagte Rehlinger. „Wir wollen ein Muss daraus machen.“ Verpflichtend sind die Regeln der DGE bisher nur für sechs gebundene Ganztagsschulen. Gemeinsam mit dem Bildungsministerium und der Vernetzungsstelle Schulverpflegung will die Ministerin auch besprechen, wie sichergestellt werden kann, dass die Caterer, die das Essen liefern, die Qualitätskriterien einhalten. „Wir wollen in den nächsten Monaten Sonderkontrollen in Schulkantinen durchführen“, kündigte sie an. Vor allem die Qualität der Speisepläne solle untersucht werden. Die Schüler bekämen zu häufig Fleisch und zu wenig Gemüse.

Ausgewogenheit sei entscheidend. Dass die Qualität der Mittagsverpflegung in den Schulkantinen zu wünschen übrig lässt, haben stichprobenartige Kontrollen gezeigt, erklärte Rehlinger. Die Ministerin betonte, wie wichtig es sei, Kinder früh zur richtigen Ernährung anzuleiten: „Schließlich sollen sie das als Erwachsene selbst übernehmen.“ Klar sei auch, dass es gesundes Essen nicht zu „Dumping- Preisen“ gebe. Die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD, Isolde Ries, forderte Schulen und Eltern auf, nicht den billigsten, sondern den qualitativ besten Caterer zu wählen: „Für 20 bis 50 Cent sollte die Kindergesundheit nicht aufs Spiel gesetzt werden.“ Zudem hätten die Pädagogen Vorbildfunktion und sollten demnach auch öfter am gemeinsamen Schulessen teilnehmen. Umfragen der Jahre 2009 und 2010 haben ergeben, dass das nur wenige Lehrkräfte tun.

Die Fraktionsvize der Linken im Saar-Landtag, Barbara Spaniol, hält die Ausstattung mit eigenen Schulküchen für die beste Lösung. „Gesunde und kindgerechte Nahrung fördert die psychische und körperliche Fitness“, sagte Spaniol. Bevorzugt sollen in Zukunft bei der Schulverpflegung auch regionale und saisonale Produkte verwendet werden, erklärte Rehlinger. „Die Kinder haben dann einen stärkeren Bezug zur Nahrung.“ Doch der gute Wille, regionale Produkte zu verwenden, reicht manchmal nicht aus, wie das saarländischen Schulobstprogramm deutlich zeigt.

Nach Informationen des Ministeriums für Verbraucherschutz sollten 20 Prozent des verteilten Obstes aus ökologischer Erzeugung stammen, die Äpfel sollten von hiesigen Bauern kommen. Doch im September waren die SaarÄpfel noch gar nicht erntereif. Die Grundschule Nunkirchen nimmt auch an dem Schulobstprogramm teil. Zweimal wöchentlich wird die Schule kostenlos beliefert. 130 Grund- und Förderschulen im Saarland nehmen an dem Programm teil, das mit Unterbrechungen seit 2009 läuft. Die Projektmittel wurden jetzt um knapp 200 000 Euro aufgestockt.


HINTERGRUND

Der Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung legt neben Hygienebestimmungen auch Kriterien für ein ausgewogenes Mittagsessen fest. Es gibt genaue Anweisungen, wie häufig bestimmte Lebensmittel angeboten werden sollen.

Zum Beispiel sollen Schüler innerhalb von 20 Schultagen mindestens vier Mal Fisch bekommen, Fleisch aber nicht öfter als acht Mal. Kartoffeln sollten wenigstens vier Mal verwendet werden. Bei Reis und Teigwaren sollte wenigstens vier Mal auf Vollkornprodukte zurückgegriffen werden. nkl

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