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Saar-Stahlunternehmen stehen härtere Zeiten bevor

Die Belegschaften der beiden Saar-Stahlunternehmen müssten sich auf härtere Zeiten einstellen.

Die Belegschaften der beiden Saar-Stahlunternehmen müssten sich auf härtere Zeiten einstellen.

Die Stahlbranche steht vor dramatischen Veränderungen. Überkapazitäten, schwache Nachfrage und Preisverfall setzen die Unternehmen unter Druck. Die saarländische Stahlindustrie müsse daher deutlich flexibler werden, um sich auch langfristig erfolgreich behaupten zu können, betonten der Vorsitzende der Geschäftsführung der SHS Stahl-Holding Saar, Michael Müller, und der Generalbevollmächtigte der Holding, Albert Hettrich, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zumal die vergleichsweise kleinen Saar-Unternehmen Dillinger Hütte und Saarstahl in einem Umfeld behaupten müssen, in dem aus Fusionen immer größere Konkurrenten hervorgehen. So hat der schwedische Stahlkonzern SSAB angekündigt, den finnischen Stahlproduzenten Rautaruukki für 1,1 Milliarden Euro übernehmen zu wollen.

Die Belegschaften der beiden Saar-Stahlunternehmen müssten sich auf härtere Zeiten einstellen. Es sei nicht verlässlich absehbar, ob die Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der bisherigen Höhe erhalten bleiben könne. Die Nachfrage bleibe unsicher. Die Dillinger Hütte leidet an einem massiven Rückgang der Aufträge für Rohrblech. Doch selbst bei einer deutlichen wirtschaftlichen Erholung auf den Rohr-Märkten könne Dillingen auf Dauer nicht mehr an Jahre mit einst bis zu 700?000 Tonnen Nachfrage jährlich anknüpfen. Saarstahl verzeichne derzeit zwar eine gute Auslastung, müsse sich aber einem langfristigen strukturellen Problem stellen. So engagiert sich die deutsche Autoindustrie immer stärker in den USA sowie in Asien, und sie erwarte dort auch eine Präsenz von ihren Zulieferern.Für Saarstahl sei es denkbar, sich mit einem Partner in der Weiterverarbeitung von Stahl-Produkten etwa in China zu engagieren. Entschieden sei aber noch nichts. In ein bis zwei Jahren rechnet Müller mit konkreteren Ergebnissen. Angesichts hoher Transportkosten mache es nur bedingt Sinn, Material vom Saarland aus zu verschicken. Eigene Werke vor Ort seien aber nicht Teil der Strategie. Dafür sei die saarländische Stahlindustrie im Vergleich zu Wettbewerbern zu klein. Was an anderer Stelle einen Vorteil darstelle: So müssten die Dillinger Hütte und Saarstahl ihre Marktchancen konsequent in Spezialprodukten, einer besonders hohen Qualität, neuen Märkten und einer weiteren Kostensenkung suchen.

Zum vom Dillinger Vorstand verordneten Sparprogramm in Höhe von 130 Millionen Euro jährlich sieht SHS-Chef Müller keinerlei Alternative. Es müsse rasch umgesetzt werden. Sonst drohe der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Durch die Flexibilität der beiden Saar-Unternehmen sei es schon gelungen, für 150 von 450 vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten aus Dillingen Arbeit bei Saarstahl zu finden. 20 Prozent der Sparmaßnahmen werden über Personalkosten erzielt.

Auch die Konstruktion der SHS als Holding, in der die Dillinger Hütte und Saarstahl immer stärker zusammenarbeiten, um Synergien zu schaffen und doppelte Strukturen möglichst zu vermeiden, leiste einen großen Beitrag zur Bewältigung der Krise am Stahlmarkt. Insgesamt 50 Millionen Euro habe man so schon einsparen können, so Müller. Die Zusammenführung weiterer Betriebsbereiche, etwa Werkstätten, Lager, der Instandhaltung sowie anderen Bereichen, wird geprüft. Bis Ende 2015 soll das bisher erreichte Sparvolumen auf mehr als 100 Millionen Euro gesteigert werden, kündigte Müller an. Dieses Vorgehen sichere nachhaltig Arbeitsplätze.

Allerdings müsse man auf Dauer davon ausgehen, dass sich in der Stahlindustrie durch technische Fortschritte zahlreiche Abläufe und Produktionsprozese veränderten. Da auch die Auftragslage unsicher bleibe, sei fraglich, ob die bisherige Zahl der Arbeitsplätze in der saarländischen Stahlindustrie gehalten werden könne. Müller und Hettrich appellieren ausdrücklich an die Beschäftigten, sich möglichst flexibel zu zeigen, um die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Stahl-Standorte zu stärken. Aufträge würden immer kurzfristiger erteilt, gerade, wenn es um Spezialprodukte geht. Beide Unternehmen suchten nach neuen Kunden. Deshalb müsse man, je nach Auftragslage, auch mit flexibleren Arbeitszeiten reagieren. Man werde über Themen wie Zuschläge sowie Jahres- und Lebensarbeitszeit-Konten diskutieren müssen. Müller: „Das Umfeld hat sich gegenüber den letzten 30 Jahren deutlich geändert. Ich vertraue darauf, dass die beiden Unternehmen, deren Unternehmensführung und Mitarbeiter, bereit und in der Lage sind, sich zu verändern und ihre Wettbewerbsfähigkeit somit zu stärken.“
 

HINTERGRUND

Die Dillinger Hütte beschäftigt 5300 Mitarbeiter, Saarstahl 3900. Das 130 Millionen Euro Sparprogramm sieht den Abbau von 450 Arbeitsplätzen vor. 150 Mitarbeiter können zu Saarstahl wechseln, für die weiteren Betroffenen sind sozialverträgliche Lösungen vorgesehen. Das Sparprogramm ist Folge der stark zurückgegangenen Nachfrage nach Rohrblechen.

Dillingen produziert derzeit im Schnitt im Laufe eines Jahres die Menge Rohrbleche, die früher in einem Quartal erzeugt wurde. Gute Chancen sieht der Chef der SHSStahl- Holding-Saar, Michael Müller, für die Fabrik der Hütte in Nordenham. Aufträge lägen vor. Dort werden künftig „Monopiles“ gefertigt, die in den Meeresboden gerammt werden, um Windrädern ein stabiles Fundament zu geben. ts

Zeitenwende an der Saar

Von Thomas Sponticcia

Die Belegschaft steht unter Schock. Die Dillinger Hütte hat 2013 das bisher schlechteste Geschäftsjahr hinnehmen müssen. Erfolg ist nicht – wie in vielen Jahren zuvor – garantiert. Eine bittere Lektion. Jetzt müssen alle einen Sparbeitrag leisten. Dabei ist aber Behutsamkeit angesagt.

Gerade die Beschäftigten brauchen Planungssicherheit und müssen motiviert bleiben. Bevor Schichtzuschläge angegriffen oder Arbeitsbereiche ausgelagert werden, muss nachgewiesen sein, dass alle anderen Spar-Optionen ausgeschöpft sind. Klar ist: Die Marktstrategie des Vorstands stimmt: Die saarländische Stahlindustriemuss weiter Nischen suchen und Qualitätsprodukte herstellen. Wenn das gelingt, kann sie besser bestehen.



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