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Saar-Student sorgt sich weiter um seine Familie in Haiti

St. Ingbert. Eine Woche nach dem schwerem Erdbeben auf Haiti hat Jacob Dumé auf der Internetseite der haitianischen Radiostation Radio Métropole die ersten Bilder aus seiner Heimatstadt Petit Goave gesehen: das örtliche Krankenhaus – zerstört. Schulen, Kirchen – zerstört. Das Haus seiner Eltern, in dem er aufgewachsen ist, hat er nicht gesehen.

Vor einigen Tagen kam wieder ein Anruf seines Vaters aus Petit Goave. In ein paar Minuten konnte er seinem Sohn Jacob erzählen, dass seine Mutter, seine Großeltern, und sein jüngster Bruder noch leben, sie nach wie vor auf offener Straße leben – nachts bei 28 Grad – und nach Kräften versuchen, Lebensmittel aufzutreiben. Sein kleiner Bruder Gethro, mit dem er kurz sprach, sagte zu ihm: „Jacob, wir haben wirklich großes Glück gehabt, dass wir nicht alle tot sind“.

Die Preise der wenigen Lebensmittel, die es noch auf dem Markt der Küstenstadt zu kaufen gebe, hätten sich verdoppelt, sagt Dumé. Und was ihn angesichts der Lebensmittelknappheit in Petit Goave nachdenklich stimmt: Die lebensnotwendigen Hilfsgüter wie Wasser und Nahrung haben noch immer nicht die Einwohner von Petit Goave, rund 60 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen, erreicht. Mit einer Geldüberweisung kann der 23-jährige Dumé derzeit aber seine Familie nicht unterstützen, weil er das Geld für seinen eigenen Lebensunterhalt braucht. Neben seinem Studium zu jobben ließe der volle Stundenplan nicht zu, so Dumé.

Als vor ein paar Tagen ein Nachbeben wieder die Haitianer in Angst versetzte, rief sein Vater erneut im Saarland an – dieses Mal den älteren Bruder Moisé. Die wichtigste Nachricht für die Brüder war: Keinem aus der Familie, auch nicht den über 80-jährigen Großeltern, war etwas zugestoßen. Noch etwas macht Jacob Dumé Sorgen: Die Regenzeit auf Haiti, die im März beginnt. „Wenn es in Haiti regnet, dann ist das nicht so wie hier“, erklärt Dumé. Zwischen zwei Tagen und einer Wochen gebe es starke Regenfälle. „Während dieser Zeit kann kein Mensch in Haiti auf der Straße schlafen – das ist unmöglich“, sagt Dumé. Seit Tagen schlafen seine Angehörigen auf der Straße unter Bettdecken, die sie wie ein behelfsmäßiges Dach über sich gespannt haben. Weil sie noch immer befürchten, dass das Dach ihres Hauses einstürzen könnte, trauen sie sich nicht, ihr Haus zu betreten. In den nächsten Wochen will der Vater in dem teilweise demolierten Familienhaus ein Zimmer wieder provisorisch herrichten, damit die Familie später vor den Regenfällen geschützt ist. Nachdem sich Jacob Dumé in der erste Woche nach dem Beben kaum auf sein Medizinstudium konzentrieren konnte, fand er in der vergangenen Woche wieder etwas Ruhe, um für Prüfungen zu lernen. Zu Ostern will er endlich nach Haiti fliegen und seine Familie in Petit Goave wiedersehen.

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