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Saar-Szene-Wirte sollen Fiskus um 8,3 Millionen Euro geprellt haben

Die Steuerfahnder berechnen angeblich auch, welche Mengen an Spirituosen in welchen Cocktails in den Kneipen ausgeschenkt wurden.  Foto: Fotolia

Die Steuerfahnder berechnen angeblich auch, welche Mengen an Spirituosen in welchen Cocktails in den Kneipen ausgeschenkt wurden. Foto: Fotolia

Seit Mitte Juli sitzen die beiden Szene-Gastronomen B. (52) aus Riegelsberg und S. (55) mit Adressen in einem noblen Saarbrücker Wohnviertel sowie in Luxemburg in der Justizvollzugsanstalt Lerchesflur in Untersuchungshaft. Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft werfen dem Unternehmer-Duo Steuerhinterziehung im großen Stil vor. Über das Vermögen ihrer gemeinsamen Firma, der Coyote GmbH für gastronomische Konzeptentwicklung mit Firmensitz am St. Johanner Markt in Saarbrücken , ist seit Ende August vom Amtsgericht das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Damit ist zwangsläufig auch der Vollzug von dinglichem Arrest in das Firmenvermögen gestoppt. Nach SZ-Informationen wollte der Staat vorerst gegen die GmbH Forderungen über rund 800 000 Euro sichern. Auch in die Privatvermögen der beiden GmbH-Chefs will der Fiskus mit sogenannten Haftungsbescheiden über derzeit etwa eine Million Euro greifen, war zu erfahren.

 

Gingen die Ermittler im Juli noch von hinterzogenen Steuern in der Höhe von etwa 1,4 Millionen Euro aus, soll sich dieser Betrag zwischenzeitlich mehr als verdoppelt haben. Der Vorwurf der Fahnder : Die Szene-Gastronomen, die auch in mindestens einer weiteren Gesellschaft am St. Johanner Markt am Ruder saßen, sollen die elektronischen Kneipen-Kassen manipuliert haben. Nach Recherchen unserer Zeitung richten sich die groß angelegten Ermittlungen auch gegen eine 48 Jahre alte Geschäftspartnerin, eine angebliche Mitgesellschafterin einer Saarbrücker Markt-Kneipe.

 

Beschwerden der Verteidiger, Professor Guido Britz und Joachim Giring, gegen die angeordnete Untersuchungshaft für beide Kneipenchefs wurden vom Landgericht Saarbrücken als unbegründet verworfen. Beide Anwälte lehnten Stellungnahmen zu den Verfahren ab, Britz kündigte derweil eine weitere Beschwerde zum Oberlandesgericht an. Das Landgericht sieht weiterhin akute Fluchtgefahr bei den Szene-Gastronomen, zumal beide Adressen und Firmenkontakte im Ausland haben. Von dem inhaftierten B. ist bekannt, dass er im Steuerparadies Panama ein Konto hat und in Kuba in Immobilien investiert haben soll.

 

In dem Fall, der sich zur größten Steueraffäre der letzten Jahrzehnte im Saarland entwickeln könnte, arbeiten die Steuerfahnder nach SZ-Informationen mit Hochrechnungen und Schätzungen. Welche Mengen an Spirituosen wurden für welche Cocktails ausgeschenkt? Der Umsatz wird – vereinfacht dargestellt – mit Hilfe von Belegen zum Wareneinkauf und den Speise- und Getränkekarten sowie den Portionsgrößen unter Berücksichtigung von Abschlägen geschätzt. So sollen die Szene-Gastronomen, zu deren Firmen auch das Coyote-Café in Heidelberg gehört sowie Kneipen in Saarbrücken und Saarlouis, von 2011 bis 2015 Gesamtumsätze von mehr als 8,3 Millionen Euro am Fiskus vorbei gelenkt haben. Die große Frage dabei bleibt: Wo sind diese Millionen geblieben? Berichtet wird von Barentnahmen und Schwarzgeldzahlungen an Mitarbeiter. Umsatz- und Einkommenssteuer, sowie Gewerbe-, Körperschafts- und Lohnsteuern von insgesamt 2,8 Millionen Euro sollen nach derzeitigem Stand der Dinge hinterzogen worden sein. Bleibt es bei dieser Summe, droht dem Duo eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wird im Herbst erwartet. Die Steuerfahnder stützen ihre Vorwürfe nach SZ-Informationen auf Zeugenaussagen. Die Geschäftspartnerin der Inhaftierten und ein Mitarbeiter der Buchhaltung haben bei Vernehmungen angeblich Details zu den Methoden der Kneipiers zu Protokoll gegeben.
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