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Saar-Uni: Gehen jetzt die Drittmittel flöten?

Sind die Aussichten an der Saar-Uni wirklich so düster?

Sind die Aussichten an der Saar-Uni wirklich so düster?

Die vergangenen zwölf Monate zählen für die Universität des Saarlandes zu den erfolgreichsten ihrer Geschichte. Zwei millionenschwere Sonderforschungsbereiche in der Medizin und der Sprachwissenschaft holten Professoren der Universität im Mai nach Homburg und Saarbrücken. Dazu gab es mehrere EU-Wissenschaftspreise. Doch nach diesem Höhenflug droht der Absturz, fürchten die Physik-Professoren der Uni, die sich mit einem Appell an die Politik gewandt haben. Sie sehen das gute Drittmittel-Ergebnis der Uni in Gefahr.

Die Millionen, die mit den Auszeichnungen für die Forschung verbunden sind, gibt es nur, wenn die Hochschule die Grundausstattung ihrer Forscher finanziert. Und die sehen die Wissenschaftler jetzt bedroht. Die Physiker, deren Fachrichtung 2012 rund neun Millionen Euro für einen eigenen Sonderforschungsbereich ins Saarland holte, fürchten, dass „wir die erzielten Erfolge bei der Drittelmitteleinwerbung nicht halten können.“

Die Uni-Leitung kalkuliert angesichts der Haushaltsansage des Landes bis 2020 mit einem Minus von 20 Prozent. Der Wert setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Bis 2020 wird das Budget der Hochschule nominell auf knapp 179 Millionen Euro eingefroren – die Summe enthält rund vier Millionen Euro sogenannte Kompensationsmittel für die 2010 gestrichenen Studiengebühren. 2013 war das Gesamtbudget rund zehn Millionen Euro (sechs Prozent) höher. Weil die Universität bis 2020 aber praktisch keinen Ausgleich für die jährlichen Tariferhöhungen erhält, wird die Berechnung des tatsächlichen Defizits kompliziert. Das Präsidium kommt in seiner bis 2020 reichenden Kalkulation auf einen real um etwa ein Fünftel schrumpfenden Etat.

Wie die rasch wachsende Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geschlossen werden soll, darüber wird seit Wochen gestritten. Das Gutachten des Wissenschaftsrats, das die Streichung ganzer Fachbereiche vorschlug, aber keine Berechnungen enthielt, ist vom Tisch. An seine Stelle trat das Papier eines Lenkungskreises der Landesregierung und der Hochschulen, das ebenfalls viele Worte, aber wenige Zahlen enthält. Im Kreuzfeuer der Kritik steht jetzt das Konzept des Uni-Präsidiums, das erstmals konkret wird. Uni-Präsident Volker Linneweber spricht von einem Verlust von 3500 bis 4000 Studienplätzen in 15 bis 20 Jahren. Doch auch wenn mittlerweile die Radikalvariante eines Minus von 4700 Studenten vom Tisch ist, lässt die Planung viele Professoren um die Existenz ihrer Fächer fürchten. Bei der Regierungskoalition stoßen die Überlegungen, die vom Konzept der Lenkungsgruppe nicht gedeckt seien, so der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses Sebastian Thul ( SPD ), auf Kritik. Thomas Schmitt von der CDU lehnt „einen Radikalumbau“ ab.

Dabei enthielten die Vorschläge, so Linneweber und der Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung Roland Rolles im Wissenschaftsausschuss des Landtages, erst knapp die Hälfte der bis 2020 notwendigen Kürzungen. Der Wegfall einer Professur auf dem Papier wirke sich tatsächlich erst aus, wenn ihr Inhaber aus dem Amt scheidet. Das könne in Einzelfällen bis in die 2030er Jahre dauern. Eine interne Berechnung der Uni beziffert das zusammengefasste Defizit von 2014 bis 2020 auf über 178 Millionen Euro . Mögliche Einnahme-Verbesserungen, zum Beispiel aus Drittmitteln oder den Bafög-Millionen, könnten es allerdings noch erheblich mindern.

Darüber hinaus rechnet das Präsidium der Hochschule auch ein Sparszenario durch, bei dem die Berufungszusagen für freiwerdende Professuren untersucht werden sollen. Als Normausstattung gelten pro Professur eine Mitarbeiterstelle, eine halbe Sekretariatsstelle und 5000 Euro Sachmittel pro Jahr, so Uni-Präsident Volker Linneweber. Sehr gute Wissenschaftler können bis zum Zehnfachen dieser Ausstattung aushandeln. Nun soll geprüft werden, ob Professuren, zum Beispiel bei Wiederbesetzungen, auf die Normausstattung reduziert werden können. Bei Positionen, die mit einer befristeten Finanzierung, aber mit langfristigen Zusagen der Universität eingerichtet wurden, dazu gehören Forschungsinstitute, Stiftungsprofessuren und Stellen im Rahmen der Exzellenzinitiative , gebe es noch keine Lösung.
Für die Physik-Professoren der Universität ist es angesichts dieser Probleme keine Frage, dass jetzt auch die Landesregierung Verzicht üben muss. Sie fordern die freiwerdenden Millionen aus den Bafög-Mitteln für die Hochschulen. Das Geld dürfe nicht in den Aufbau neuer Kooperationsplattformen gesteckt werden. „Derartige Plattformen sind kostenintensive Parallelstrukturen mit oft zweifelhafter Erfolgsquote.“



 
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