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Saar-Uni: Schummeln ist kein Kavaliers-Delikt


Versuchungen durch die technischen Möglichkeiten größer

Verlässliche Studien darüber, wie oft Studenten ihre Prüfer mit Plagiaten hinters Licht führen wollen, gibt es nicht. Wer es allerdings darauf anlegt, riskiert unter Umständen seinen Prüfungsanspruch. Auch die Rahmenprüfungsordnung der Saar-Universität sieht vor, dass Studenten bei „groben Täuschungsversuchen“ vom Prüfungsverfahren ausgeschlossen werden können. „Plagiate sind hier an der Tagesordnung“, erzählt Professor Peter Riemer, Studiendekan der philosophischen Fakultät, der in der Vergangenheit mehrfach mit schummelnden Studenten zu tun hatte. „Und wer abkupfert, muss mit Konsequenzen rechnen“, sagt er. Oft müsse zwar lediglich die Hausarbeit neu angefertigt werden, im äußersten Fall drohe der Rausschmiss. Riemer berichtet von einem Fall, bei dem das Plagiat sogar erst einige Zeit nach der Prüfung aufflog und die Leistung nachträglich aberkannt wurde.

„Es ist vor allem wichtig, die Studenten aufzuklären und ihnen beizubringen, dass Plagiate keine Kavaliersdelikte sind“, sagt er. Man könne fremde Gedanken übernehmen, müsse sie aber dokumentieren. Doch wie viel darf überhaupt aus anderen Arbeiten übernommen werden? Wo fängt ein Plagiat an und wo hört es auf? Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch Ilse Maria Harms, Professorin für Informationswissenschaft an der Saar-Uni. „Wir alle plagiieren ständig“, sagt sie. Deswegen sei es schwer, dies zu bestimmen. Es ist immer auch Ermessenssache des Dozenten“, fügt Riemer hinzu. Harms fällt bei vielen Studenten ein „unbewusstes Plagiieren“ auf. Keiner wisse so genau, was und wie viel übernommen werden darf. Deshalb setzt die Professorin auch auf Aufklärung und bietet im Wintersemester eine Lehrveranstaltung zum Thema an.

Die Professoren überführen die kopierenden Studenten mit ihren eigenen Waffen: den Suchmaschinen. „Am Sprachstil merkt man sofort, ob etwas nicht stimmt“, sagt Harms. Die meisten ziehen etwas aus dem Netz und versehen es mit eigenen Gedanken. Abgegeben wird dann ein stilistischer Flickenteppich, der stutzig macht. „Die originalen Texte lassen sich dann mit ein paar guten Substativen und einer herkömmlichen Internet-Suchmaschine ganz leicht ausmachen.“

Bei den Informatikern hingegen gibt es spezielle Programme, mit denen Täuschungsversuche ohne Weiteres aufgedeckt werden können. „Obwohl die Studenten über diese Software Bescheid wissen, gibt es auch bei uns häufig Plagiate“, wundert sich Andreas Zeller, Professor für Softwaretechnik.

Ein anderes Problem, das sich mit diesen Programmen nicht lösen lässt, sieht er im „Ghostwriting“. Es komme oft vor, dass sich Studenten von Kommilitonen „helfen“ lassen und Arbeiten abgeben, die sie gar nicht selbst geschrieben haben. Da das nur schwer nachzuweisen ist, versuchen Zeller und Kollegen die Informatik-Studenten mit zusätzlichen Prüfungen abzuschrecken.

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