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Saar-Uni-Studie beschäftigt sich mit Versicherungsbetrug

Saarbrücken. Eine unbedachte Bewegung, schon fällt die neue Digitalkamera der Bekannten vom Tisch. Das Display hat einen Sprung. Die Kamera ist kaputt. Das ist eine typische Schadensmeldung, wie sie Versicherungen täglich bekommen. Aber nicht alle Schäden sind wirklich so passiert. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt, dass etwa jeder Zehnte, der Geld von seiner Versicherung will, diesen Schaden frei erfunden hat oder den Betrag zu hoch ansetzt. Dadurch entsteht jährlich ein Schaden von etwa vier Milliarden Euro, der in der Versicherungsprämie von Gesellschaften bereits mit einkalkuliert ist. „Letztlich bezahlt jeder Kunde das mit, weil andere das System ausnutzen“, sagt die Betriebswirtin Jessica Knoll. Sie hat sich in ihrer Doktorarbeit an der Saar-Uni mit dem Thema „Management von Betrugsrisiken in Versicherungsunternehmen“ beschäftigt.

Einen typischen Versicherungsbetrüger gibt es nicht. „Das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten“, sagt Knoll. Einerseits gebe es Menschen, die wegen wirtschaftlicher Faktoren ihre Versicherung betrügen. „Es kommt zum Beispiel vor, dass ein Selbstständiger den Schaden größer macht, weil er von Arbeitslosigkeit bedroht ist“, erklärt Knoll. Andererseits hat sie festgestellt, dass das Unrechtsbewusstsein der Versicherten gesunken ist. „Viele denken sich: ‚Das macht doch eh jeder’“, sagt sie.  Andere seien unzufrieden, dass sie eine Prämie bezahlen und vermeintlich dafür nichts zurück bekommen.



Für ihre Arbeit hat sie etwa 400 Versicherte befragt. „Rund 40 Prozent der Befragten haben in ihrem näheren persönlichen Umfeld schon einmal einen Versicherungsbetrug beobachtet“, erklärt Knoll. Viele Menschen würden Versicherungsbetrug nur als Kavaliersdelikt einstufen.

„Geschummelt wird am meisten im Sachversicherungsbereich“, sagt Knoll. Bei der Hausrat- oder Haftpflichtversicherung sei es relativ einfach, zu betrügen. „Hier scheint die Hemmschwelle offensichtlich niedriger, einen Schadenfall nicht wahrheitsgemäß darzustellen“, sagt Stefan Göbel vom Saarbrücker Versicherungsunternehmen Cosmos Direkt.

Er betont, dass Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt ist. „Genau wie Diebstähle in Warenhäusern führen Betrugsfälle im Rahmen der Solidargemeinschaft zu höheren Preisen“, sagt Göbel. Deshalb würden speziell Speziell ausgebildete Mitarbeiter würden bei Cosmos Direkt jeden gemeldeten Schaden auf typische Betrugsmuster überprüfen und Ungereimtheiten nachgehen. „Werden Betrugsfälle nachgewiesen, so machen wir im Sinne unserer ehrlichen Kunden auch vom Mittel der Kündigung oder auch der Strafanzeige Gebrauch“, erklärt Göbel. Strafanzeigen sind eher die Ausnahme, hat Jessica Knoll dagegen festgestellt. Eher werde die Versicherungsleistung nicht ausgezahlt oder der Vertrag mit dem Kunden gekündigt. „Das Problem Versicherungsbetrug wird nicht konsequent genug verfolgt“, meint Knoll. Sie empfiehlt Unternehmen, bei der Betrugsbekämpfung in die Offensive zu gehen. Im Gegenzug könne man ehrlichen Kunden einen Rabatt gewähren, wenn sie mehrere Jahre keinen Schaden gemeldet haben, wie etwa bei einer Autoversicherung.

Die Doktorarbeit von Jessica Knoll ist im Nomos-Verlag erschienen, 510 Seiten, 99 Euro.
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