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Saar-Uni will helfen, Amokläufe zu verhindern

Trauer, Leere und Unverständnis – Amok läufe wie jener 2006 in Emsdetten oder 2009 in Winnenden lassen das Umfeld der Opfer und auch das des Täters ratlos zurück. Wie konnte es so weit kommen? Hätte man es nicht verhindern können? Und wenn ja, wie? „Indem man die Gefährdung etwa nach Drohungen möglicher Täter im Vorfeld richtig einschätzt“, sagt Christoph Paulus, Dozent im Bereich Bildungswissenschaften an der Saar-Uni.

Paulus forscht seit Jahren über Aggression und extreme Gewalt. Zurzeit befasst er sich mit Amokläufen. Ziel seiner Forschung ist es, diese Gewaltexzesse verhindern zu können. Paulus hat rund 50 Amokläufe , vor allem aus Europa und den USA, ausgewertet. Er hat psychologische Gutachten, Gerichtsgutachten, Abschiedsbriefe und Aussagen aus dem Täterumfeld gewälzt. Dabei analysierte er, ob es Merkmale gibt, die bei allen oder vielen Tätern gleich sind. Anhand dieser Eigenschaften soll das Umfeld besser einschätzen können, ob von bestimmten Leuten eine Gefahr ausgeht.

Charakteristisch für jugendliche Amokläufer sind: eine narzisstische oder paranoide Persönlichkeitsstörung, der Zugang zu Waffen und ein gesteigertes Interesse an Gewalt. Diese drei Eigenschaften treffen auf alle Täter zu, deren Fälle Paulus erforscht hat: „Es gibt bei Amokläufern bestimmte Auffälligkeiten. Einzelne dieser Merkmale kommen bei vielen Leuten vor. Aber wenn sie in Kombination auftreten, sollte man es ernst nehmen. In allen Phasen vor dem Amoklauf kann die Spirale unterbrochen werden, entscheidend ist, das Gefährdungspotenzial zu erkennen.“Aber wie können Saarbrücker die Forschungsergebnisse in die Praxis umsetzen?

Zum Beispiel sollten sie die Ankündigungen von möglichen Amokläufern ernst nehmen. Laut Paulus seien Äußerungen wie „Von mir werdet ihr noch hören. Meine Trauer schlägt in Wut um“ typisch. Wer solche Äußerungen im Internet oder als Kritzelei irgendwo findet, sollte die Polizei informieren. Zudem gibt es im Saarland seit 2009 das Landesinstitut für präventives Handeln. Mitarbeiter des Instituts haben bis heute 85 Krisenteams an Schulen ausgebildet. Diese Teams bestehen aus Lehrern und teilweise auch Sozialpädagogen. Mario Schu, Institutsreferent vom Landesinstitut für präventives Handeln, erklärt: „Die Teilnehmer erfahren unter anderem, was man konkret tun kann, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Mitschüler, die von einer vielleicht bevorstehenden Gewalttat wissen, dies auch weitergeben.“

Neben den genannten Merkmalen von Amokläufern hat Paulus viele weitere Faktoren untersucht – auch den Einfluss von Gewaltspielen am Computer. Aber nur 13 Prozent der jugendlichen Amokläufer haben solche Computerspiele gespielt. Und Paulus sagt: „Die Täter haben allesamt ein gesteigertes Interesse an Gewalt. Einige spielen deshalb Spiele mit Gewalt-Inhalten. Der Hang zur Gewalt ist aber zuerst da, nicht umgekehrt.“ Zudem gab es auch schon zahlreiche Amokläufe , bevor es Computerspiele gab. Ein weiteres Thema ist Mobbing . Aber Paulus hat festgestellt: Amokläufer sind in der Regel keine Mobbing-Opfer. Der Anteil von Amokläufern, die gemobbt wurden, liege unter zehn Prozent. Die Täter seien zwar häufig Einzelgänger, sie würden sich aber selbst isolieren und nicht von der Gruppe ausgeschlossen.
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