A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

8°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
8°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saar-Wahlkampf macht vor Fastnacht nicht halt

Saarbrücken. Eines muss man der FDP lassen: Selbst am Tiefpunkt können die Liberalen noch über sich selbst lachen. Zur Kappensitzung der Saarbrücker „M’r sin nit so“ heute Abend wollen die Spitzenkandidaten Oliver Luksic und Nathalie Zimmer nach dem selbstgewählten Verkleidungs-Motto „Kamikaze und Harakiri“ in Karate- Anzügen erscheinen – eine Anspielung auf die Selbstzerlegung der Partei und die unberechenbaren Querschüsse von Ex- Fraktionschef Horst Hinschberger. Der ist Chef der Bexbacher Firma „Kamikaze“ – und vertreibt vor allem Karate-Anzüge. Mehr Selbstironie – oder Galgenhumor? – geht selbst an Fastnacht nicht. Erstmals seit 1985 erlebt das Saarland wieder einen Wahlkampf zum Höhepunkt des Karnevals.

Für die Wahlkämpfer ist das nicht einfach. „An Fastnacht wollen die Bürger nicht mit Wahlkampf beschäftigt werden, sondern ausgelassen feiern“, sagt SPD-Sprecher Thorsten Bischoff. Andererseits erreichen die Politiker gerade in diesen Tagen so viele Menschen wie sonst kaum. In einigen Orten machen Parteien oder ihre Jugendorganisationen daher beim Umzug mit, beim großen Burbacher Rosenmontagszug will auch Grünen-Spitzenkandidatin Simone Peter vom Motivwagen winken. Besonders begehrt bei den Politikern sind die Kappensitzungen im SR-Fernsehen, die „Narrenschau“ (Ausstrahlung am Montag, 20.15 Uhr) und die Prunksitzung der „Mir sin nit so“ (Ausstrahlung am nächsten Samstag um 20.15 Uhr). Bei kaum einem Ereignis im Saarland drängen sich so viele von ihnen wie hier – in der Hoffnung, dass die Fernsehkameras sie möglichst häufig beim „Alleh hopp“ einfangen. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sitzt auf Einladung ihrer rheinland-pfälzischen Parteifreunde außerdem bei „Mainz bleibt Mainz“ im Publikum.

Manchen Politikern reicht die Zuschauerrolle indes nicht: Sie machen sich selbst zum Narren. In den 90er Jahren stieg der damalige Ministerpräsident Oskar Lafontaine gerne mit schwarzem Napoleon-Dreispitz in die Bütt. Auch in diesen Tagen wird Lafontaine häufiger bei Kappensitzungen gesichtet – wieder mit Dreispitz. Statt selbst zu reden, hört er heutzutage aber lieber den Profis zu, unter anderem seinem Freund, dem Saarbrücker Fastnachts-Urgestein Fritz Vogel. Nach dem Regierungswechsel 1999 präsentierte sich auch Peter Müller dem närrischen Volk, zuletzt 2008 als Starkoch. Damals bot er Heiko Maas an: „Ich koche für dich, damit du bei Kräften bleibst.“ Ausgerechnet im Wahljahr 2009 allerdings pausierte Müller. Müllers Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist seit Jahren als Landtags-Putzfrau „Gretel“ in der Bütt aktiv – in diesem Jahr stand sie bei der „Narrenschau“ erstmals als Ministerpräsidentin auf der Bühne. In der CDU ist man sicher, dass Kramp-Karrenbauer in ihrer Rolle als „Gretel“ beim närrischen Wahlvolk punktet – zumal ihr Herausforderer Heiko Maas sich als roter Musketier zwar bei so einigen Kappensitzungen blicken lässt, selbst aber nicht in die Bütt steigt. Maas’ Sprecher Bischoff lästert, man überlasse die Bütt lieber den Fastnachts-Profis – „auch wenn mancher Politiker oder manche Politikerin anderer Couleur sich selbst für narrentauglich hält“.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein