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Saar-Windkraftgegener bekommen Rückenwind von Lafontaine

Die Szenerie im Dorfgemeinschaftshaus in Blieskastel- Böckweiler im Bliesgau erinnerte an die Anfänge der Anti- Atombewegung: Flugblätter, Infobroschüren, Transparente mit Slogans und eine Menge an engagierten Bürgern. Der Protest der anwesenden Bürgerinitiativen richtete sich jedoch gegen eine lange als unproblematisch und ökologisch angesehene Form der Energieerzeugung, nämlich die Windkraft. Die Veranstaltung am vergangenen Freitag diente der Eigenpräsentation eines Bündnisses „Energiewende für Mensch und Natur“, das aus 37 Bürgerinitiativen aus dem Saarland und Rheinland- Pfalz besteht. Mit Gast-Redner Oskar Lafontaine (Linke) konnte dazu ein gewichtiger Mitstreiter aus der Politik gewonnen werden.

Die Argumente gegen diese Form der Energieerzeugung deckten eine große Bandbreite ab – vom Naturschutz über die Veränderung des Landschaftsbildes bis zur Profitgier, die den Betreibern unterstellt wurde. Nicht zuletzt aber befürchteten die Windkraftgegner gesundheitliche Gefahren für den Menschen. Bündnisvorsitzender Uwe Anhäuser stellte klar, dass er nicht etwa eine Fortführung der Kernenergie anstrebe. Sinnvoller als die Windkraft empfände der Buchautor jedoch die Nutzung von Strömungsenergie in Flüssen sowie schlichtweg das Einsparen von Energie. Das Weltklima würde man, so Anhäuser, durch den Ausbau der Windenergie auch kaum retten: „Was wir in Deutschland mit allen Maßnahmen pro Jahr an CO2-Ausstoß einsparen, das pusten die Chinesen an einem halben Tag in die Luft.“

Überdies müssten die Anlagen nach drei bis fünf Jahren kostenintensiv gewartet werden – die Menschen könnten sonst nicht schlafen, „weil die Dinger zu quietschen anfangen“. Die Redner der einzelnen Bürgerinitiativen stießen ins gleiche Horn, legten aber den Schwerpunkt mehr auf die ungewünschte Veränderung im Landschaftsbild durch die Windräder („Verschandelung“), die Lärmbelastung und die Bedrohung der Lebensräume von Rotmilan und Schwarzstorch. Beide Vogelarten sind streng geschützt; sie zählten daher in der Argumentation gegen die Windenergie oft gewichtiger als der Mensch selbst. Immer wieder thematisiert wurde der Mindestabstand von Windrädern zu Wohngebieten. Im Saarland sei dieser mit 650 Metern viel zu gering bemessen.

Oskar Lafontaine lobte diesbezüglich in seiner Rede sogar die CSU, die in Bayern die so genannte 10-H-Regel eingeführt habe: Danach muss der Abstand einer Windkraftanlage zu den Häusern das Zehnfache seiner Höhe betragen. Ansonsten wetterte der Linken- Politiker gegen das „Banausentum“ im Umgang mit Landschaften und Bauwerken und forderte Bürgerentscheide bei der Planung von Windparks. Abschließend erläuterte der Püttlinger Arzt und Diplom-Ingenieur Eckehard Fugger den etwa 150 Anwesenden, was es mit dem von den Windanlagen ausgehenden Infraschall auf sich habe: Die tiefen akustischen Frequenzen seien zwar für den Menschen nicht hörbar, jedoch gut messbar; Studien hätten gezeigt, dass Hirnströme selbst in 15 Kilometern Entfernung von den Anlagen noch krankhaft verändert seien. Benommenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen seien die Folgen.
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