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Saar-Winzern droht dramatischer Ernteverlust

Winzer sind gewöhnt, zeitnah zu reagieren, etwa bei der Eisweinernte. Doch diesmal ging für viele alles zu schnell. „Wir haben es bemerkt, als es schon zu spät war“, sagt Winzer Erwin Foetz aus Sehndorf. Als er vor rund drei Wochen in seinen Müller-Thurgau-Weinberg kam, hatte der Falsche Mehltau (Plasmopara viticola) bereits die Trauben faulen lassen. Und wo dieser Pilz mal ist, da ist nichts mehr zu retten, nur noch die Verbreitung ist zu stoppen. Floetz musste eine seiner vier Lagen ganz verloren geben. Obwohl er dann die kostenintensiven Spritzeinsätze verdoppelte, schätzt er den Schaden seiner gesamten Ernte auf rund 50 Prozent. Ein Wert, den auch der Präsident des Saar-Winzerverbandes Gerd Petgen als durchschnittlichen Ernteausfall der Saar-Winzer nennt.

 

Doch während die Selbstabfüller den Schaden mit Reserven und Zukäufen abfedern können, trifft es die rund zehn Betriebe, die an die Genossenschaft liefern und nach Mengen abrechnen, knochenhart: Ernte- gleich Umsatzausfall. Floetz muss Investitionen zurückstellen: „Es ist nicht nur wirtschaftlich schlimm. Man sieht, dass alles stirbt und man kann gar nichts machen. Es ist ein Katastrophenjahr.“ Auch Winzer Helmut Herber (Perl), bis 2016 Präsident des Saar-Winzerverbandes, sagt: „So etwas habe ich in 45 Jahren Weinbau noch nicht erlebt.“ Doppelt so viel Niederschlag wie üblich sei runtergekommen. Doch Weinstöcke müssen gut durchlüftet sein, sie hassen es, in Feuchtigkeit zu schmoren. Herber vergleicht die „dramatische Situation“ mit dem Jahr 1971, als Hagel im August die Ernte in ähnlichem Ausmaß vernichtete. Bei Herber hat's vor allem den Auxerrois erwischt.

 

Höchster Alarm herrscht deutschlandweit und auch in Luxemburg unter den Winzern, in Baden sieht es mancherorts nach Totalschaden aus. Doch die Saar-Winzer sind nach Meinung von Winzerverbands-Chef Petgen (Perl) noch glimpflich davon gekommen. Denn insbesondere die sieben Flaschenwein-Erzeuger betrieben seien nah dran an ihren Weinbergen. „Man musste am selben Tag reagieren, an dem man den Pilzbefall feststellte“, so Petgen. Was das hieß und heißt: Fungizide sprühen und mit der gesamten Mannschaft raus, um die befallenen Trauben zu entfernen. „Wir hatten es ganz gut im Griff“, sagt Petgen, und schließt aus, dass Saar-Winzer auf Grund der Verluste aufgeben müssen: „Es geht niemanden ans Leder.“

 

Sogar der Öko-Betrieb Ollinger-Gelz (Perl) sei über den Berg, obwohl bundesweit die Öko-Winzer die am stärksten gebeutelte Gruppe sei. Für sie gibt es kein biologisches Mittel gegen Pilzbefall. Petgen berichtet, Ollinger habe extrem viel geschuftet, und durch Pflege-Mehraufwand seine Verluste auf etwa 30 Prozent begrenzt: „Er hat alles hundert Prozent richtig gemacht.“ Winkt das Glück dem Tüchtigsten und Pünktlichsten? Simon Ollinger hält jedenfalls nichts von düsteren Prognosen, was Preise und Qualität des 2016er-Weins angeht. Mengenschwankungen seien normal, Winzer dächten grundsätzlich über ein Jahr hinaus, man arbeite mit Mischkalkulationen. Und wenn jetzt trockeneres Wetter käme, sei qualitativ „noch alles möglich“. Denn je weniger Trauben am Stock, umso höher die Qualität. Ollinger: „Winzer, die jetzt dran bleiben, können noch einen tollen Jahrgang kriegen.“ Auch sein Verbands-Chef Petgen sieht das so.

 

Muss der Verbraucher ob der teuren Spritz-Aktionen und der aufwendigeren Trauben-Selektion mehr zahlen? „Ich will nicht spekulieren“, sagt Petgen, schließt aber eine „Marktbereinigung“ nicht aus. Seit Jahren stagnierten die Preise, so dass knappe Mengen nun zu einer Erhöhung genutzt werden könnten. Zehn Prozent Preiserhöhung hält Petgen durchaus für realistisch, so die Qualität stimme. Doch über die bestimmt von jetzt an weit stärker als sonst der Sonnengott.
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