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Saar-Wissenschaftler: Smartphones sind bald Geschichte

Datenbrillen und Datenuhren am Handgelenk sollen künftig dem Menschen Informationen besorgen, die heute noch das Smartphone liefert. In Saarbrücken laufen entsprechende Forschungen.

Datenbrillen und Datenuhren am Handgelenk sollen künftig dem Menschen Informationen besorgen, die heute noch das Smartphone liefert. In Saarbrücken laufen entsprechende Forschungen.

. Das Smartphone war gestern. Zumindest, wenn man dem Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster , glaubt. Demnach laufen künftig alle wichtigen Informationen zwischen Menschen, die miteinander kommunizieren, über Datenuhren, die man am Gelenk trägt oder über Datenbrillen auf der Nase. Das Smartphone sei künftig klein, stecke in der Tasche oder sei in der Kleidung eingenäht. Es habe nur noch die Funktion, die Verbindung zum Internet herzustellen. Das Smartphone, wie wir es heute kennen, habe in fünf Jahren ausgedient.

Doch wie sieht die digitale Kommunikation künftig aus? Ein Team des DFKI arbeitet laut Wahlster derzeit an einer „Weltpremiere, die vom Saarland ausgeht“. Diese habe Auswirkungen auf die gesamte Informationstechnologie (IT) sowie zahlreiche Branchen der Wirtschaft. Durch die Kombination von Datenuhr und Datenbrille sollen sich dem Menschen zahlreiche neue persönliche Assistenzfunktionen eröffnen. Jeder werde in der Lage sein, Informationen und Anweisungen, die er heute noch seinem Smartphone per Berührung vermittelt, künftig nur noch durch Sprache, Blick, Gesten und Bewegungen auszulösen. „Die Kommunikation zwischen Mensch und Computer wird mit allen Sinnen erfolgen, die der Mensch hat.“ 60 DFKI-Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Aufgabe, wie eine solche Kommunikation zwischen Mensch und Computersystemen komfortabler und einfacher gestaltet werden kann. In dieses neue Forschungsprojekt „MADMACS“, vom Bundesforschungsministerium mit 1,5 Millionen Euro gefördert, sind sieben Mitarbeiter eingebunden. Das Projekt läuft zunächst drei Jahre.

Welche Möglichkeiten eröffnen sich? Wahlster verweist als einfaches Beispiel auf eine Fußgänger-Navigation draußen, aber auch in großen Gebäuden, die nur mit Sprache und Blicken gesteuert wird. Man sagt das Ziel an und die intelligente Datenuhr am Handgelenk lotst per Pfeil automatisch in die richtige Richtung. Die Datenuhr eigne sich auch ideal für ältere Menschen. Sie könne automatisch Bescheid geben, wenn Medikamente eingenommen werden müssen. Selbst demenzkranken Menschen erleichtere sie ein Stück weit die Orientierung. Etwa, wenn diese in einem Heim Angst haben, nach dem Essen im Speisesaal ihr Zimmer nicht mehr zu finden. Auch kompliziertere Vorgänge würden per Datenbrille vereinfacht. Etwa beim Zusammenstellen von Waren in Supermärkten, die ihren Kunden im Internet einen Abholservice garantieren. Dem Kommissionierer, der die Waren zusammenstellt, werden per Datenbrille vor seinen Augen Informationen eingespielt, an welchen Stellen im Lager welche Mengen des jeweiligen Artikels vorrätig sind. Dieses Verfahren soll Abläufe verkürzen, Zeit und Kosten sparen.

Die Datenbrille könne auch in anderen Branchen Arbeitsabläufe erheblich erleichtern, etwa in der Kfz-Werkstatt der Zukunft bei der Autoreparatur. Hier kann die Datenbrille dem Mechaniker direkt Diagnose-Ergebnisse und Reparaturanleitungen vom Prüfstand vor seinen Augen einspielen, ohne dass er die Arbeit am Fahrzeug unterbrechen muss. Die besondere Herausforderung, an der das DFKI-Team tüftelt, ist die Frage, mit welchen Sinnen man im Alltag jeweils am besten die gewünschte Information anfordert: mit der Sprache, einem Blick oder einer bestimmten Geste. Auch das Internet werde bald so schnell reagieren wie die menschlichen Sinne, sagt Wahlster voraus. Die Reaktionszeit des mobilen Internet der 5. Generation werde unter einer Millisekunde liegen. Wenn das in etwa sieben Jahren erreicht ist, erlange das Internet die gleiche Bedeutung wie Wasser, Strom, Gas und Verkehrswege. „Internet-Dienste werden dann überall so selbstverständlich wie Luft.“

 

Hintergrund

Dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken gehören weit über 20 Gesellschafter an: von Airbus über Daimler bis zu Microsoft Deutschland. 2013 betrug der Umsatz des DFKI mit seinen 742 Beschäftigten insgesamt 51,5 Millionen Euro . Aus dem DFKI sind bisher 66 Unternehmensgründungen hervorgegangen und über 2500 neue Arbeitsplätze entstanden. ts
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