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Saarbahn berät Kunden jetzt auch auf Arabisch

Kundenberater Christopher Kratz erklärt dem Syrer Hassan Mumtaz auf Arabisch, wie man ein Jahresabo beantragt. Foto: Reimann</p>

Kundenberater Christopher Kratz erklärt dem Syrer Hassan Mumtaz auf Arabisch, wie man ein Jahresabo beantragt. Foto: Reimann

Wer seinen Namen hört, denkt nicht an Zedern. Auch nicht an Mehrsprachigkeit , Migration oder Frauen mit Kopftuch. Doch sein Aussehen verrät ihn. „Sie erkennen sofort, dass ich arabisch spreche, dass ich einer von ihnen bin“, sagt Christopher Kratz. Der 21-jährige Deutsch-Libanese arbeitet seit Mitte August als mehrsprachiger Berater für das Saarbahn-Kundencenter in der Nassauer Straße in Saarbrücken . „Mehrsprachentag“ nennt es die Saarbahn.

Kratz unterstützt dann die Kollegen an den Schaltern, sitzt an seinem eigenen, beobachtet, wartet auf seinen Einsatz. Auf Französisch und Arabisch, den beiden Landessprachen im Libanon.

Es ist der 30. November. Ein eher ruhiger Tag. Der große „Run“ beginnt am Monatsersten. Bis zum zehnten sei dann viel los, erklärt Kathrin Wobido, Fachbereichsleiterin Kundenmanagement. Ihren mehrsprachigen Neuzugang nennt sie einen „Glücksgriff“.

Glück hat heute auch Hassan Mumtaz, ein Syrer mittleren Alters, der gegen halb 11 seine Marke zieht. Die Kollegen sind sich nicht sicher, ob sie ihn richtig verstehen. Für Kratz bedeutet das: aufstehen, hingehen, nachfragen. Schnell wird klar: Der Mann braucht eine Monatskarte für Kinder. „Haben Sie eine Kundenkarte? Ist Ihr Kind älter als 15?“ Routine für den Sprachmittler. Überwiegend arbeite er mit Arabisch, mehr als 90 Prozent seiner Kunden seien Syrer. Darunter viele Flüchtlinge. Ihr häufigstes Anliegen: Jobcenteranträge zur Kostenübernahme von Jahreskarten. Viele wollten auch wissen, ob sie durch Sprachkurse Anspruch auf Schülerkarten haben. Die Antwort geht Kratz häufig über die Lippen: „Nein, leider nicht.“

Abonnement-Dschungel, Rabatte, Wabenplan. „Auch für mich ist es schwer, da durchzublicken“, sagt Kratz und erzählt, wie intensiv er sich auf die Stelle vorbereitet hat. Mit Vokabellisten, Notizen. Manchmal sei er sogar kurz rausgegangen, um seine Mutter anzurufen. Telefonjoker. „Im Arabischen gibt es kein Wort für Bewilligungsbescheid!“ Das muss er erklären. Und dafür erntet er Dankbarkeit. Auch von Hassan Mumtaz. Kratz hat Verständnis: „Ich weiß, wie das ist, in einer fremden Umgebung ein Stück Heimat zu haben.“

In den Libanon reist er jährlich. Es ist das Land seiner Mutter, einer professionellen Dolmetscherin. Ihr Beruf wäre jedoch bei aller Liebe zu den Sprachen nichts für ihn. „Zu stressig!“

Ob er nach dem Fachabi nun Tourismusmanagement studieren oder in Australien jobben soll, weiß er noch nicht. Vielleicht bleibt er auch bei der Saarbahn. Die Stelle auf 450-Euro-Basis ist zunächst auf ein halbes Jahr begrenzt. Im Februar werde sich entscheiden, wie es weitergeht.

Um die Mittagszeit trudeln gleich mehrere Kunden mit rudimentären Deutschkenntnissen ein. „Manchmal ist nichts los und manchmal so viel, dass ich noch nicht mal Zeit habe, etwas zu trinken.“ Jetzt stehen drei Frauen mit Kopftuch im Eingangsbereich. Ihr Blick wandert sofort zu Kratz nach rechts. Obwohl kein Schild, kein Plakat ihn ankündigt, nicken sie dem jungen Mann sofort zu. Sie spüren: Der ist einer von uns.

Kratz lässt seinen Kollegen dennoch den Vortritt, bittet die Kunden, sich anzustellen. Er hält sich zurück, bis ihn der Kollege zu sich ruft. Diesmal geht es um eine Frau mit einer durchgebrochenen Jahreskarte. Kratz macht aus dem Verwaltungsakt ein Kundengespräch. Und muss gleichzeitig die anderen Schalter im Auge behalten, springt von einem Kollegen zum nächsten, ruft etwas rüber zu Schalter eins. Ein paar Sekunden Chaos. „Dann ist es hier wie im Libanon“, sagt er und lacht. Also irgendwie auch für ihn ein Stückchen Heimat.

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