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Saarbrücken: 2500 Teilnehmer bei Mai-Kundgebung - Forderung nach Hilfe für Halberg Guss

Rund 2500 Menschen haben sich am Samstag an der traditionellen Mai-Kundgebung der Gewerkschaften beteiligt. Ein Schwerpunkt war die Forderung nach Erhalt der mehr als 1000 Arbeitsplätze bei Halberg Guss.

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf


Saarbrücken.
Die Trommler marschieren voran. Weiter hinten tönen Trillerpfeifen. Dazu rote Gewerkschaftsfahnen, einige Transparente und – weil ein nasser Morgen – viele Regenschirme. Ein Grüppchen fröhlicher Juso stimmt die Internationale an. Ein lautstarker und bunter Zug bewegt sich an diesem 1. Mai in großen Bogen um die Saarbrücker Staatskanzlei. Rund 2000 Menschen machen mit – so die Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbunds Saar (DGB). Am Ziel sind es dann insgesamt etwa 2500, deutlich weniger als in den Vorjahren. Das Regenwetter ist wohl schuld.

„Protest & Fest“ heißt das Motto. Alles sieht auf den ersten Blick mehr nach Fest aus – nicht zuletzt wegen der Stände mit Rostwurst und Bier. Doch ist auch Protest da. Ein Beispiel ist Ingrid Bach. Die 53-jährige Elversbergerin trägt ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift: „16 Prozent mehr Personal in der Altenpflege“. Die Gewerkschafterin und AWO-Betriebsrätin prangert die miserable Personalausstattung von Alten- und Pflegeheimen an und fordert Verbesserungen. „Dafür muss man auf die Straße gehen“, ist sie überzeugt.


Forderung nach Hilfe für Halberg Guss

Nicht weit von ihr tragen drei Männer ein Banner mit der Aufschrift „Wir sind Halberg Guss“. Einer von ihnen ist Mahmut Celik, der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens. Weit über 100 von ihnen nähmen an dem Umzug teil, sagt er. „Wir machen Öffentlichkeitsarbeit für unsere Arbeitsplätze. Wir appellieren an die Landesregierung: Sie muss schnellstens eine Lösung für uns finden.“ Für Mahmut Celik und seine Kollegen geht es an diesem 1. Mai um mehr als eine liebgewordene gewerkschaftliche Tradition. Es stehen Existenzen auf dem Spiel. Sie nutzen deshalb dieses Forum und zeigen, „dass wir da sind“, wie Celik sagt. Seit fast einem Jahr steckt die Gießerei-Gruppe in der Insolvenz. Ob und wie die zurzeit weit über 1000 Arbeitsplätze in Saarbrücken-Brebach erhalten werden können, ist nach wie vor offen.

Die Leute von Halberg Guss werden wahrgenommen. Helga Schwitzer, Vorstandsmitglied der IG Metall und Gastrednerin an diesem Samstag, spricht den Fall an. „Wer Halberg Guss platt machen will, muss mit eurem Widerstand rechnen“, sagt sie mit Blick auf die jüngsten Proteste der Beschäftigten gegen brasilianische Kaufinteressenten, die mit der Schließung des Standorts Saarbrücken gedroht hatten. „Ich hoffe mit euch, und die IG Metall tut alles dafür, dass eine Lösung gefunden wird, mit der die Beschäftigten und ihre Familien leben können“, spricht Helga Schwitzer den Betroffenen Mut zu.

Forderung nach gesetzlichem Mindestlohn


Darüber hinaus erheischt sie mit markigen Worten zu den derzeit angesagten Gewerkschaftsthemen Beifall. Sie erneuert die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn, verurteilt die Pläne für eine Kopfpauschale im Gesundheitswesen, verlangt die Abschaffung der Rente mit 67 und plädiert für höhere Hartz-IV-Sätze. Besonders nimmt sie die FDP und deren Steuersenkungspläne aufs Korn. „Wir müssen den Sozialstaat gegen marktradikalen Terror verteidigen“, appelliert sie an die Menge. Schützenhilfe bekommt sie von Eugen Roth, dem Chef des DGB-Saar.

In Anspielung auf das Schlagwort des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle von der „spätrömischen Dekadenz“ spricht Roth von „spätkapitalistsicher Dekadenz“. „Auf einen Euro sogenannten Sozialbetrug kommen 1389 Euro Steuerbetrug.“ Die Betrugsdebatte müsse geführt werden, „aber sie muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden“. Steuerhinterzieher gehören demnach angeprangert.






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