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Saarbrücken: Hundehalter kämpfen gegen Leinenpflicht

Der von Randalierern verwüstete alte Malstatter Friedhof ist ein beliebter Treffpunkt für Hunde und ihre Halter. Weil die Stadt dort auf die Anleinpflicht pocht, setzt es immer wieder Bußgelder. Die Betroffenen sind empört. Die Stadt sagt, es gebe genug Orte, um Hunde legal von der Leine zu lassen.

Von SZ-Redakteur Frank Kohler


Saarbrücken-Malstatt.
Rosi (4) hält Ruth Momber (77) fit. „Wenn ich sie nicht hätte, ginge ich bestimmt nicht so oft raus. Sobald sie mich anguckt, wird’s Zeit zum Spaziergang.“ Momber und ihre Labradorhündin machen sich täglich zu einem beliebten Treffpunkt für Mensch und Hund auf, dem alten Malstatter Friedhof am Jenneweg. Längst für Beisetzungen geschlossen, soll die von Zerstörungswut verwüstete Anlage Naherholungsgebiet sein. Kronenkorken pflastern Wege, wo das Gras sie nicht zugewuchert hat. Leere Flachmänner stehen auf umgestürzten Grabsteinen. Abfall umzingelt einen halb leeren Mülleimer. Auf etlichen Quadratmetern hat sich eine Wildschweinrotte auf Nahrungssuche durchs Gras gewühlt. Blaue Graffiti besudeln das Ehrenmal, das die damalige Stadt Malstatt-Burbach ihrem Bürgermeister Wilhelm Meyer gesetzt hat.

Umso wütender ist Ruth Momber, dass die Stadt ausgerechnet auf diesem Trümmerfeld offenbar nur Hundehalter zur Rechenschaft zieht. Sie spricht, wie sie sagt, für viele, wenn sie fordert, die Stadt solle die Anleinpflicht dort aufheben. „Wir gehen schon 20 Jahre mit unseren Tieren dorthin“, sagt sie. Auf dem alten Friedhof sei Platz für Gespräche zwischen Hundehaltern und für das ausgelassene Spiel ihrer Lieblinge. Aber wenn dann der Kommunale Ordnungsdienst kommt, wird’s wegen des Leinenzwangs teuer. Auch Momber hat sich ein Knöllchen eingehandelt. Ihr tun die Ertappten Leid, die ihren Hund mal mit anderen herumtollen lassen und dafür blechen müssen. „Die Leute haben fast alle wenig im Portemonnaie. Das sind Menschen, die mit Hartz IV und 1000-Euro-Renten über die Runden kommen müssen. Wir stören niemanden. Die sollen sich lieber um den Dreck kümmern, den andere dort hinterlassen. Aber die zieht niemand zur Rechenschaft.“

Nicht nur Malstatter fordern Ausnahmen von der Anleinpflicht. Auch auf der Staden-Insel unweit des Heizkraftwerks Römerbrücke sollen die Hunde von der Leine dürfen, fordern hunderte Tierhalter seit Monaten (die SZ berichtete).

Damals antwortete Stadtsprecher Thomas Blug: „Wir prüfen, ob und in welchem Umfang das Ausweisen von Hunde-Auslaufflächen sinnvoll sein könnte. Das Ergebnis geben wir nach Abschluss der Diskussion bekannt.“ Blugs Kollege, Bürgerreferent Robert Mertes, fragte nach den jüngsten Beschwerden noch mal seine Kollegen, was Sache ist. Ergebnis: „Die Verwaltung prüft noch, ob solche Flächen im Stadtgebiet eingerichtet werden. Nach den bisherigen Beratungen sehen wir die Sache kritisch, da wir zusätzliche Probleme und einen hohen Aufwand in der praktischen Umsetzung erwarten. Zudem würden solche Freiflächen nur zum Teil Entlastung bringen. Saarbrücken ist eine grüne Stadt mit fast 50 Prozent Waldfläche.“ Und in den Wäldern gebe es keine Anleinpflicht.

Ruth Momber tröstet das nicht. Wälder seien für viele Malstatter zu weit weg. Und für den Bus ins grüne Gassi-Revier fehle den meisten das Geld.

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