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Saarbrücken: Proteste gegen Spielhallen

Saarbrücken. „Vier Millionen Euro verlieren Spieler monatlich im Saarland“ oder „3000 Saarländer sind spielsüchtig, 4100 akut spielsuchtgefährdet“: Angekettet an einen Spielautomaten auf Rollen und mit Protestplakaten auf dem Rücken sind gestern Vormittag fünf schamvoll Maskierte durch die Saarbrücker Innenstadt gezogen. Auf ihrem Weg informierten sie mit Handzetteln über die Suchtgefahr und Hilfeeinrichtungen. Immer, wenn der Zug vor Spielhallen und Casinos Halt machte, ertönte Achim Reichels Hit „Der Spieler“, in dem der Künstler Anreiz und Sog des Spielens besingt: „Komm rüber Kugel, Kugel komm rüber. Das Spiel ist doch nie vorbei – Kugel komm rüber. Noch einmal die 17 und ich bin frei“. Ein Teilnehmer des Protestzugs erzählt: „Über 20 Jahre habe ich gespielt, dabei Haus und Hof verloren.“ Über eine Million Euro habe er in dieser Zeit verspielt, seine Ehe sei in die Brüche gegangen. Jetzt engagiert sich der Mann in einer Neunkircher Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige. Auch die anderen Teilnehmer sind ehemals Spielsüchtige, die sich nun der Aufklärung, Vorbeugung und Selbsthilfe widmen. Hartmut Görgen von der Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland sagt über die Aktion: „Wir wollen keinen anklagen, aber deutlich warnen vor den Gefahren der Glücksspielsucht.“

Und auf die Folgen aufmerksam machen, die Spielsucht haben kann: Abhängigkeit, Verschuldung und Verarmung, Verluste im sozialen Umfeld bis hin zur Beschaffungskriminalität. „Derzeit gibt es im Saarland etwa 4000 frei zugängliche gewerbliche Spielautomaten. Die Spielindustrie im Land richtet sich auch gezielt an das französische Publikum, weil dort das Spiel komplett staatlich reglementiert ist“, erläutert Görgen. Eine solche Kontrolle wünscht sich Görgen auch im Saarland. Er schätzt, über 50 Prozent der Kunden in Spielhallen sind Süchtige. Über das vergangene Jahr, so Görgen, sei im Land die Zahl gewerblicher Geldspielautomaten um über 40 Prozent gestiegen. Zwar gebe es derzeit vom Land für kommunale Aufklärungsmaßnahmen etwa 100 000 Euro im Jahr, in Nordrhein- Westfalen 1,2 Millionen und Bayern zwei Millionen Euro. „Die Kommunen haben neben der Gewerbe- auch Einnahmen aus der Vergnügungssteuer, derzeit etwa 138 Euro im Monat pro Geldspielgerät. Mit diesem Geld könnten sie sich an einer Art ‚Präventionsabgabe’ beteiligen“, fordert Görgen, die dann in Aufklärungsarbeit fließen könne. Weitere Protestveranstaltungen gab es in Saarlouis und Neunkirchen. In Saarbrücken nahm ein Passant gleich mehrere Handzettel für seine Bekannten mit: Der Mann selbst wurde als Elfjähriger spielsüchtig. Dank seiner Freundin und einem gemeinsamen Kind ist er jetzt auf einem guten Weg – raus aus der Sucht.

Kontakt: Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland, Johannisstraße 2, 66111 Saarbrücken, Tel. (06 81) 3 09 06 90, www.gluecksspielsucht-saar.de.
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