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Saarbrücken entschärft "unnützen" Bahnübergang

811 000 EUR ausgegeben für die Katz? So viel hat der Bahnübergang an der Ostspange gekostet. Züge gefahren sind dort nie.

811 000 EUR ausgegeben für die Katz? So viel hat der Bahnübergang an der Ostspange gekostet. Züge gefahren sind dort nie.

Saarbrücken. Die Arbeiter haben die Andreaskreuze am Bahnübergang an der Ostspange abgeschraubt und sie in einen Kleinlaster der Stadt geworfen. Auch die Warnbaken, die in regelmäßigem Abstand zum Gleis vor dem Bahnverkehr warnen, sind weg. Die Schilder werden nicht mehr erneuert. Jetzt deutet nur noch die Ampel und die Schranke auf das Gleis hin. Eingesessene Saarbrücker wissen, dass hier noch nie ein Zug gefahren ist. Auswärtige Autofahrer erkennt man daran, dass sie sich scheuen, bei Rot auf die Gleise zu fahren und die Lücke zum vorausfahrenden Auto zu schließen. Es könnte ja ein Zug kommen. Genau dieser Effekt war nach Angaben von Robert Mertes, dem Bürgerreferenten der Landeshauptstadt, der Grund, die Schilder abzubauen.

„Die Schilder waren verblasst und teils beschädigt. Wir hätten sie erneuern müssen“, sagt er. Da die Gleise aber unbenutzt seien und inzwischen auch gar keine Anbindung mehr an das Netz der Deutschen Bahn hätten, seien Ausgaben für neue Schilder unsinnig. Wo keine Andreaskreuze seien, müsse man nach der Straßenverkehrsordnung auch nicht mehr die Gleise freihalten, sagt Mertes und hofft, dass es nun weniger Verwirrung bei den Autofahrern gibt. „Wir wollen, dass die Gleise nicht mehr freigehalten werden, was letztlich den Rückstau vermindert“, sagt Mertes. Die Ampel und die Schranke würden aber nicht abgebaut. Sie müssten noch stehen bleiben, falls man die Bahnstrecke doch noch einmal reaktivieren müsse. Sie sei nicht offiziell entwidmet, wie es im Behördendeutsch heißt – also nicht offiziell stillgelegt.



Seit 20 Jahren rollt über die Schienen jedoch kein Zug, auch kurzfristig werde sich das nicht ändern. Insofern werde man die Gleise brachliegen lassen. Geht man den Schienen entlang, so sieht man, dass das schon ewig so ist. Im Gleisbett wachsen längst Bäume, die Strecke könnte niemals von einer Stunde auf die andere reaktiviert werden. Das wäre immer mit Vorlauf verbunden, und dann könnte man die Schilder wieder aufstellen. Warum die Gleise zu Geistergleisen wurden? Das hat mit der Entwicklung des Gewerbegebiets an der Ostspange zu tun. Mit dem Bau des Kraftwerks an der Römerbrücke wurde das Gleis eingerichtet als Option für Kohlelieferungen, falls Anlieferungen per Lkw nicht möglich gewesen wären.

Auch zwei Anliegerfirmen hätten sich die Option „Gleisanschluss“ gewünscht und sich an den Kosten beteiligt, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung im Jahr 2006. Die Stadt hatte damals angegeben, die Gleise hätten rund 811 000 Euro gekostet, 70 Prozent der Summe habe das Land als Zuschuss gewährt. Aus heutiger Sicht ein vergeblicher Zuschuss, wenn man bedenkt, dass nie ein Zug fuhr. 243 000 Euro aus Wirtschaftsfördergeld hat die Stadt draufgelegt. Und heute, nachdem das Geld ausgegeben wurde, spart man wenigstens die Summe für die Verkehrsschilder. Ein Abbau der Gleise ist nicht geplant. Mertes erklärt: „Die Gleisanlage im Gewerbegebiet Ost wurde vom Wirtschaftsministerium mit EU-Mitteln des Ziel-2-Programms gefördert. Für die Mittel besteht eine Bindungsfrist bis 2013.



Würden die Gleise früher entfernt, müsste die Stadt die Mittel zurückzahlen.“ Die Stadt will mit den privaten Grundstückseigentümern den Bereich bis zum Osthafen in einem so genannten kooperativen Verfahren weiterentwickeln. „Es laufen Gespräche, und es werden verschiedene Entwicklungsszenarien erarbeitet. Im Rahmen dieses Verfahrens ist auch die künftige Nutzung der jetzigen Gleisanlage ein Thema“, sagt Mertes. Aber alle Beteiligten haben 811 000 Euro für einen Bahnübergang investiert, den nie jemand brauchte.
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