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Saarbrücken will Sprayern an den Kragen

Saarbrücken. Graffiti verschandeln große Teile der Innenstadt. Jugendliche Sprayer verschmieren mit ihren schnell gesetzten und anspruchslosen Signaturen, sogenannten „Tags“, ganze Straßenzüge.Was kann die Stadt dagegen tun?

„Graffiti – oder wie bekämpfen wir die vielen Schmierereien in unserer Stadt?“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion, zu der die FDP-Stadtratsfraktion ins Theater im Viertel eingeladen hatte. Gastgeber Friedhelm Fiedler, FDP-Fraktionschef im Stadtrat, und die geladenen Experten auf dem Podium waren sich einig: Ein einfaches Rezept gegen Graffiti-Vandalismus gibt es nicht.

Besonders Hauseigentümer leiden unter den Sprayer-Attacken. Michael Weiskopf, Erster Vorsitzender des Vereins Haus und Grund Saarland, und Anette Gelz, Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Quartier Mainzer Straße, machten deutlich, dass sich Eigentümer häufig die Kosten für eine Beseitigung gar nicht leisten könnten, und wenn doch, erlebten sie, dass wenig später erneut alles besprüht sei. Kunst sei das nicht, sondern Sachbeschädigung fremden Eigentums, sagte Weißkopf. Die IG Quartier Mainzer Straße, betonte Gelz, entferne in regelmäßigen Abstanden Schmierereien in Eigenregie. So solle nicht nur ein schöneres Quartier, sondern auch ein Wir-Gefühl entstehen.  Nicht nur die Hauseigentümer, sondern auch die Anwohner müssten sich für das Viertel verantwortlich fühlen.



Polizeidirektor Peter Becker forderte, „Augen und Ohren“ offenzuhalten und „jede Beschmutzung durch Graffiti zur Anzeige zu bringen“. Nur so sei eine Aufklärung möglich.
Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer kennt das Problem. 40 000 Euro gibt die Stadt jährlich für Reinigungsmaßnahmen aus. „Wir werden die Stadt nicht flächendeckend säubern können. Aber wir dürfen im öffentlichen Raum nicht aufgeben. Wir müssen Grenzen setzen und mit einzelnen Aufwertungsaktionen zeigen, dass uns der öffentliche Raum wichtig ist.“ Hartnäckigkeit zahle sich aus. „Wenn man eine Wand immer wieder anstreicht, verlieren die Sprayer das Interesse“, meinte Wandel-Hoefer.

Mit den „Tags“ suchen die jugendlichen Täter zwischen zwölf und 23 Jahren nach Ruhm, erklärte Becker. Wenn aber die Graffiti gleich überpinselt würden, gebe es keine Anerkennung. Becker: „Wo ein ,Tag’ ist, setzt man auch ein zweites und ein drittes.“ Verschmierte Wände lösen bei Menschen Angst aus, betonte Becker. Zwei betroffene Frauen im Publikum beschrieben das Gefühl der Ohnmacht.



Einer Besitzerin ist es mittlerweile gelungen, ihr Haus aus der Schusslinie zu nehmen.  Dreimal habe sie in kurzen Abständen immer wieder die Wände überstreichen lassen: „Jetzt ist schon länger nichts mehr passiert.“ Zuhörer forderten, dass Polizei und Ordnungsamt mehr kontrollieren, und verlangten höhere Strafen.

„In St. Wendel sind Sachbeschädigungen durch Graffiti mittlerweile auf Null“, resümierte Rudi Schmidt, Pressesprecher der Initiative Sicherer Landkreis St. Wendel, die Anstrengungen, die angelehnt an das „Pforzheimer Modell“ innerhalb von vier Jahren einen graffitifreien Landkreis schufen. Der Verein kümmere sich um schnelle und kostenfreie Beseitigung. Ehrenamtliche Helfer wie „Bahnhofspaten“ seien engagiert, die Bürger für das Thema sensibilisiert. Gefasste Sprayer müssten außerdem beim Täter-Opfer-Ausgleich mit Geschädigten reden und den Konflikt lösen.

Fiedler sagte am Ende der Diskussion, Sauberkeit erhöhe die Attraktivität einer Stadt. Man müsse wie die IG Mainzer Straße einen Gemeinsinn entwickeln, in den Quartieren die Graffiti bekämpfen und den Sprayern durch Überpinseln zeigen: „Wir sind Herr der Fläche.“ Aber nicht nur die Bürger seien gefordert, sondern auch die Verwaltung der Stadt.
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