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Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer und ihre Ideen für den Ludwigspark

So soll er aussehen: Vor Kurzem erfolgte der Spatenstich für die Sanierung des Ludwigsparks.

So soll er aussehen: Vor Kurzem erfolgte der Spatenstich für die Sanierung des Ludwigsparks.

Zehn Stockwerke hat das Diskonto-Hochhaus in Saarbrücken . Zu seinen Füßen liegt der Rabbiner-Rülf-Platz, dahinter die Freitreppe der neuen Berliner Promenade. Zu viel Beton sei an der Flaniermeile verbaut, der Belag des Platzes sei zu kurzlebig, nicht schmutzresistent – und dann noch dieses Denkmal mit den abgebrochenen Baumstümpfen aus Bronze. Kritikfetzen, die für Menschen wie Rena Wandel-Hoefer eine stete Hintergrundmusik sind. Oder besser waren: Seit 2007 ist sie Saarbrückens Baudezernentin, im Februar muss sie ihren Platz räumen. Eine Stadtrats-Mehrheit hat so entschieden. Sie sei nicht bürgernah gewesen, Großprojekte wie den Tunnelbau habe sie nicht in die Spur gebracht. Gut, dass sie aufhören muss, sagen kritische Stimmen.

Es gibt aber auch positive Stimmen über sie: Sie sei über die Parteien gestürzt, da sie keiner angehöre. Die Bürger habe sie bei der Stadtplanung gut eingebunden. Der Rabbiner-Rülf-Platz, die Freitreppe, die Eisenbahnstraße seien Schmuckstücke, hätten eine zeitlose Ästhetik . Was könne Wandel-Hoefer dafür, dass Menschen die neuen Plätze nicht pfleglich behandeln, sie mit Essensresten und Kaugummis zumüllen?

Auch die Pläne zur Sanierung des Ludwigsparks würden ohne Wandel-Hoefer anders aussehen. „Dann hätten wir demnächst eine Blechkiste“, sagt sie in ihrem Büro. Das Stadion in Wiesbaden nennt sie nicht, ist aber ein gutes Beispiel für so eine Kiste. Das ist nicht ihr Verständnis von Ästhetik . 2001 plante die gebürtige Saarbrückerin in Dresden eine Synagoge, 2007 in München. So schön, dass die 56-Jährige seit 2007 auch Mitglied der Akademie der Schönen Künste ist. „Sie hat in besonderem Maße zur Kunst der Gegenwart beigetragen“, schrieben die Berliner zur Begründung. Da passt eine Blechkiste nicht ins Bild.

In Stock zehn des Diskonto-Hochhauses hängt dennoch keine Kunst an den Wänden. Pläne der „Stadtmitte am Fluss“ sind zu sehen. Tunnel statt Stadtautobahn. Die Stadt an den Fluss bringen. Ihr größtes Projekt. Eines, das ihr aber noch mehr Kritik einbrachte als der Rabbiner-Rülf-Platz. Nicht realisierbar, realitätsfremd sei die Planung. Bisher sind Teilstücke umgesetzt, das Herzstück Tunnelbau liegt auf der planerischen Intensivstation. Wandel-Hoefer wird es nicht mehr reanimieren können. Das weiß sie, als sie über die Stadt blickt.

Die Innenstadt zeichnet fantastische Bilder in die großen Fensterfronten ihres Büros. Ihr Blick streicht über die Bahnhofstraße, an der Saar-Galerie vorbei hoch zum Ludwigsberg, auf dem die Flutlichtmasten des Ludwigsparkstadions thronen. „Ein schönes Stadion“, sagt die Baudezernentin. „Architekt Peter Paul Seeberger hat das Rund in dieses kleine Tal perfekt eingepasst: Ein Stadion, das mit der Topographie der Umgebung verschmilzt“, sagt sie. Eigentlich gehöre es „unter Denkmalschutz“. Den habe aber niemand beantragt, und auch die entsprechenden Ämter und Behörden seien wohl froh darum. Die Kosten halt.

Im Ludwigspark war sie zum ersten Mal 2003. Oder 2004, sagt sie. Sie habe eben „keinen besonderen Bezug zum Fußball“. Als sie sich zum ersten Mal ein Spiel angeschaut hat, lagen bereits erste Pläne für einen Neubau auf dem Tisch. Sowohl der Verein als auch Privatpersonen hatten in regelmäßigen Abständen den Wunsch geäußert, dass die Stadt als Eigentümerin ihr 1953 eröffnetes Stadion saniert. Doch sie kam nicht in die Pötte. Daher gab es des Öfteren (unbestellte) Vorabplanungen, die aus Sicht von Wandel-Hoefer aber vor allem nur eines taten: „Die Form hinter die Funktion stellen.“ Das geschmeidige Rund, das der Stadt gehört, sollte einem Kastenbau weichen. Die Ästhetik war in diesen Stadionplanungen noch nicht mal Zaungast. Nicht nur in Saarbrücken , sondern bundesweit. „Das hat zur Folge, dass heute nahezu alle Stadien gleich aussehen“, sagt Wandel-Hoefer und erklärt, dass die Form unserer Umgebung uns stärker prägt und beeinflusst, als uns das bewusst ist. Ist sie schön, fühlen wir uns gut. Ist sie nicht schön, fühlen wir uns schlecht. Daher sollte die Funktion der Form folgen. Und nicht umgekehrt.

Auch wenn sie sich nicht für Fußball interessiert, sie weiß bereits seit ihrem Studium, dass dies nicht so sein muss. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über die Arbeiten der Architekten Richard Joseph Neutra (ein Vertreter der klassischen Moderne). Ihr Doktorvater war Günter Behnisch . Er ist ein „Verfechter des demokratischen Bauens ohne jede Status- und Machtsymbolik“, er wurde als „Baumeister der Demokratie“ bekannt, und auch als Stadionplaner zeigte er, dass sich das Aussehen einer Arena ins Kollektivgedächtnis brennen kann. Er plante das Münchner Olympiastadion.

Als Stadt und Land Ende 2011 beschlossen, den Ludwigspark bundesligatauglich zu sanieren, war Wandel-Hoefer nun in der Verantwortung. Sie solle vorab planen, da die Stadt Bauherrin sein soll. „Für mich waren zwei Dinge wichtig“, sagt sie. „Das Stadion soll im Kostenrahmen bleiben und soll von seiner Einbettung in die Landschaft wenig einbüßen.“ Daher blieben in ihren ersten Plänen zum Beispiel Kurvenformen und Laufbahn erhalten. Dafür musste sie eine Menge Kritik einstecken. Von Fußballfreunden. Die wollten ein Stadion, in dem die Tribünen am Spielfeldrand enden, keine Kurven, Geraden sollen her. Dazu noch Vip-Räume und Logen, damit der Verein Vermarktungsmöglichkeiten hat.

Wandel-Hoefer nahm die Kritik nicht nur wahr, sie ließ sich auch teilweise überzeugen. Und so wurden die Planungen vom Architekturbüro Gerkan Marg und Partner (Hamburg/Aachen) übernommen. Sie gewannen die Ausschreibung, weil sie ein Stadion planen, das sich in die Topographie einpasst, das Seebergers Stadionidee weiterdenkt. Und weil es ein „demokratisches Stadion ist“, wie Wandel-Hoefer sagt. „Mir war wichtig, dass wir nicht nur an die Vermarktung denken. Sprich, eine sehr große Vip-Tribüne bauen und dann kein Geld mehr für ein Dach über der Fantribüne haben.“ Auch diese Vorstellungen seien an sie herangetragen worden. Doch da habe sie sich gewehrt. Und so konnte sie vergangene Woche verkünden, dass für nun vermutlich 20 Millionen Euro ein Stadion entsteht, das „einen Charakter“ hat, sagt Wandel-Hoefer. Kein Stadion, bei dem die Funktion die Form beherrscht. Wandel-Hoefer wird sich an dem Anblick erfreuen. Auch wenn sie dann nicht mehr im Diskonto-Hochhaus ihr Büro hat.
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