L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Saarbrücker Abiturient hilft in Nicaragua bei Aufklärung der Jugend

Die nicaraguanische Radio-Moderatorin Sofia Cano schaut dem Saarbrücker Mikolai Gütschow über die Schulter, während er Hörerfragen im Internet beantwortet.

Die nicaraguanische Radio-Moderatorin Sofia Cano schaut dem Saarbrücker Mikolai Gütschow über die Schulter, während er Hörerfragen im Internet beantwortet.

Mikolai Gütschow, 19, sitzt im Kurzarm-T-Shirt vor der Skype-Linse, hinter ihm hängt ein weißes Moskito-Netz von der Decke herab. „Wie haben jetzt 30 Grad hier“, sagt der junge Mann und schmunzelt über das triste Novemberwetter, das in seiner Heimatstadt Saarbrücken herrscht. Gütschow befindet sich seit August in Esteli, einer 100 000-Einwohner-Stadt, die etwa zweieinhalb Autostunden von Managua, der Metropole Nicaraguas, entfernt liegt. „Ich wollte nach dem Abi ein Jahr weg von zu Hause. Und etwas tun, was nicht für mich allein ist“, sagt Gütschow. Also hat er sich 2015 um einen Platz im Weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beworben. Das Welthaus in Bielefeld schickt seit 2007 junge Menschen aus Deutschland mit den Mitteln aus dem Weltwärts-Programm nach Lateinamerika und Afrika. „Ich habe mich dann für Nicaragua entschieden, weil ich bereits Spanisch-Kenntnisse als Kind und Jugendlicher erworben hatte“, sagt Mikolai. Sein Vater Dirko Gütschow ist Dolmetscher und hat versucht, seine beiden Jungen Mikolai und Adrian, 16, zweisprachig deutsch-spanisch zu erziehen. „Ich konnte Spanisch schon ganz gut verstehen, mit dem Sprechen klappt es hier in Nicaragua täglich besser“, sagt Mikolai Gütschow.

 

Lehrer verdienen nicht viel

Das Welthaus in Bielefeld bereitete die Teilnehmer in Seminaren auf das unbekannte Nicaragua vor. Gütschow kam mit einer Handvoll weiterer junger Deutscher im August nach Esteli, wo er in einer Familie mit zwei Kindern, 3 und 6 Jahre alt, ein kleines Zimmer bewohnt. Die Kosten tragen BMZ und Welthaus, Gütschow investiert sein Kindergeld und einen Zuschuss seiner Großmutter in das Abenteuer. „Ich habe 120 Euro Taschengeld, ein Lehrer verdient etwa 180 Euro im Monat hier“, sagt Gütschow und verweist damit auf die soziale Lage in Nicaragua.

 

Die soziale Lage ist auch ein Thema beim Radio „RC 107,7 FM“ in Esteli. Dort war er in den Anfangswochen für die Musikeinspielung bei den „Morning-Shows“ von 8 bis 12 Uhr und für die Internetseiten zuständig. Inzwischen hat er kurze Auftritte als Moderator hinter dem Mikrofon gehabt. „Das Programm ist ähnlich wie bei SR 1,“ sagt Gütschow. Beim SR hatte der Abiturient des Deutsch-Französischen-Gymnasiums ein Praktikum gemacht. „Auf dem Halberg wurde eine Woche vorher das Programm festgelegt, hier ist das spontaner“, sagt der Jung-Journalist, der als Chefredakteur des „Mini-Saarland-Express“ in noch jüngeren Jahren Erfahrungen sammelte.

Sein Lokalsender in Esteli sei politisch an die Sandinistische Jugendbewegung gebunden und damit an den umstrittenen Präsidenten Daniel Ortega . Gestern fand die Wiederwahl Ortegas statt, die Opposition boykottierte die Wahl. Doch die „große Politik“ ist nicht das Thema von Gütschow und seinen Radio-Kollegen. „Es geht um sexuelle Aufklärung. Der Machismo ist weit verbreitet. Wir berichten über Masturbation, über Gender-Themen, über Verhütung“, erklärt Gütschow. Denn mit der Bildung sei es vor allem in ländlichen Regionen nicht zum Besten bestellt, viele Kinder würden nur bis 14 eine Schule besuchen und müssten dann arbeiten. „Es gibt auch viele zweifelhafte Hotels an der Panamericana, die durch Esteli verläuft“, berichtet der Saarbrücker. Dorthin würden Sex-Touristen gelotst, die Minderjährige missbrauchten. „Wir starten jetzt ein Informationsprogramm darüber“, sagt Gütschow.

Mit den anderen Welthaus-Aktiven, die in der Aids-Aufklärung in Kliniken arbeiten oder behinderte Kinder betreuen, trifft sich Gütschow öfter, auch um Doppelkopf zu spielen. Ehe der Skype-Termin mit der SZ endet, sagt Gütschow: „Ich kann das Weltwärts-Programm nur empfehlen, das ist eine Super-Sache.“ Wenn er im nächsten Sommer zurück ist, will er Informatik studieren – ein ganz anderes Abenteuer.

Infos: www.welthaus.de

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