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Saarbrücker Altstadtfest mit Jan Josef Liefers



:: Alle Fotos vom Altstadtfest in Saarbrücken

Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Profis! Das seien absolute Profis, sagt Ulf Bächle. Jan Josef Liefers habe plötzlich einfach auf der Bühne gestanden. Nicht mal die Security habe ihn bemerkt, sagt der Leiter des städtischen Amts für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing, der in der Stadtverwaltung auch fürs Altstadtfest verantwortlich ist. In den nächsten eineinhalb Stunden sollte sich dann zeigen, dass der Schauspieler Jan Josef Liefers nicht nur ein Profi im Sich-am-Sicherheitsdienst-vorbeimogeln ist, sondern auch ein guter Geschichtenerzähler und Musiker.
Liefers erzählte von seiner Jugend in einem Land, das er sich nicht zurückwünscht: der DDR. Einem Land aber, in dem ein junger Mann mit Gitarre die Mädels schwer beeindrucken konnte, in dem die Rockmusik zwar nicht die Welt verändert, aber dem ein oder anderen ab und zu „das Leben gerettet“ habe. Einem Land, das dem auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze in manchem also gar nicht so unähnlich gewesen sein muss. Der andere Liefers

Wer den Gerichtmediziner Boerne, den Liefers im Münster-„Tatort“ spielt, erwartet hatte, wurde enttäuscht. Was Liefers live zu bieten hatte, war aber noch besser als das, was er auf der Mattscheibe zeigt.
Auch das Programm auf den anderen Altstadtfest-Bühnen konnte sich sehen und hören lassen. Zehntausende feierten bis tief in die Nacht vor dem Staatstheater, auf der Rockwiese unterhalb der Musikhochschule, auf dem St. Johanner Markt und seinen Seitengassen. Veranstalter und Wirte zeigten sich zufrieden.

Der Versuch eines Anwohners, das lange Feiern zu verhindern, war am Freitag vom Verwaltungsgericht des Saarlandes gestoppt worden. Der Anwohner hat nach Angeben des Gerichts beantragt, die von der Landeshauptstadt festgelegte Sperrzeit für den Außenausschank während des Altstadtfestes von drei Uhr auf Mitternacht zurückzusetzen. „Zur Begründung seines Antrags hat sich der Antragsteller insbesondere auf seine seit mehreren Jahren bestehenden Dauerkopfschmerzen berufen und geltend gemacht, die erhöhte Lärmbelästigung durch das Altstadtfest sei für ihn unerträglich“, teilt Gerichtssprecherin Martine Vohl mit. Die Richter stellten bei ihrer Entscheidung, das Anliegen zurückzuweisen, „darauf ab, dass die Landeshauptstadt glaubhaft versichert habe, die monierte Sperrzeitverlängerung werde seit mehreren Jahren so praktiziert, ohne dass sich bisher jemand darüber beschwert habe, auch nicht der Antragsteller“. Darüber hinaus sei „die verfassungsrechtliche und planungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle für Beeinträchtigungen der Nachbarschaft anhand eines typisierenden und generalisierenden Maßstabes zu bestimmen, der an das Empfinden eines Durchschnittsmenschen anknüpfen dürfe, individuelle Lärmempfindlichkeiten, gesundheitliche Indispositionen und andere persönliche Eigenarten würden dabei nicht berücksichtigt“, erklärt das Gericht.

Auch der Regen am Freitag konnte die Feierlaune kaum trüben. Zwar gab es anfangs Schwierigkeiten mit der Technik und einige Verzögerungen, weil die Feuerwehr andernorts Keller auspumpen musste, anstatt wie geplant beim Aufbau zu helfen, wie Bächle sagt. Aber die Altstadtfest-Macher seien „mit eineinhalb blauen Augen davongekommen“. Am späteren Freitagabend tanzten Altstadtfestbesucher jedenfalls schon vor den Bühnen, als wäre nichts gewesen.
Und auf der Rockwiese, dem Bühnenstandort, der bei Regen wegen des Untergrunds die größten Probleme bekommt, wurde der Gummistiefel-Alarm mit Humor genommen. Schlamm vor der Bühne ist für echte Rockmusikfreunde eher kultig als eine Katastrophe. „Ich war überrascht, was da noch abging nach dem Regen“, sagt Martin Bauer, der Leiter des katholischen Jugendtreffs Café Exodus, der die Rockwiese organisiert.

Die katholische Rockwiese war auch bei diesem 35. Altstadtfest einer der ungewöhnlichsten Orte zum Musikhören und Entspannen. Da rauchten Jugendliche Wasserpfeifen, lagen Punker ganz entspannt in der Sonne, trafen sich Mitglieder der katholischen Jugend auf eine Cola oder ein Bier, sorgten zwölf Pfadfinder nachts für die Sicherheit.

Oasen im Trubel

Als Oasen im Altstadtfesttrubel präsentierten sich außer dem Innenhof der Stadtgalerie, wo es erstmals ein französisches Chansonfestival gab (Bericht folgt), auch der Hof der evangelischen Kirche und die Wandelhalle der Basilika. Auch dort gab es Musik, Essen und Getränke – aber etwas weniger Trubel als am Markt und vor dem Theater.
Dass der Weg zu kirchlichen Feiern sich mitunter lohnt und nicht immer etwas mit Glaubensfragen zu haben muss, erzählte auch Jan Josef Liefers. Ein Freund habe ihm in seiner Jugend den Tipp gegeben, dass bei der Kirchenjugend die schönsten Mädchen seien – und die, die sich auf Jungs mit Gitarre besonders gern einlassen. Besonders bei den Katholiken, was wohl mit der Möglichkeit der Beichte zu habe, wie sich Liefers erinnerte. Er könne nur sagen: Sein Freund habe Recht gehabt.
Und der Verdacht ist wohl nicht unbegründet: Liefers war wohl schon damals in Sachen Geschichtenerzählen und in der Disziplin „mit Musik überzeugen“ ein echter Profi.

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