A8 Luxemburg - Saarlouis AS Perl in beiden Richtungen Anschlussstelle gesperrt, Baustelle bis 20.11.2017 06:00 Uhr (09.10.2017, 05:53)

A8

Priorität: Sehr dringend

1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saarbrücker Bäckereien setzen auf neue Angebote

Nach frisch gebackenen Brötchen duftet es mittlerweile nicht nur beim Lieblingsbäcker um die Ecke. Auch in Discount-Supermärkten wie Lidl und Netto erfüllt der Brötchenduft aus den Backautomaten die Luft und macht den Kunden Lust auf den Kauf. Viele greifen gleich dort zu und gehen deswegen nicht mehr zum Bäcker nebenan. Andererseits scheint gerade in Saarbrücken der traditionelle Handwerksbetrieb nicht überall auf dem Rückzug zu sein. Das zeigt ein Blick auf die Bäckerei-Standorte in der Landeshauptstadt. Thomas Priester von der Handwerkskammer teilte der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage mit, die Zahl der Bäckereien sei in Saarbrücken zwar von 2003 bis 2012 um zwölf auf 19 zurückgegangen, seither aber um vier gestiegen. Doch Umbrüche bekommen handwerklich arbeitende Betriebe sehr wohl zu spüren. So zum Beispiel die kleine Bäckerei Drumm in der Eisenbahnstraße.

„Gerade beim Brot habe ich es ganz extrem gemerkt“, sagt Inhaberin Martina Drumm. Seit der Discounter um die Ecke Backwaren anbiete, verkaufe sich ihr Brot schlechter. „Ich lebe von Schülern und Büros“, sagt sie. Die seien meist an belegten Brötchen und Kaffeeteilchen interessiert. Mit den Discounter- Preisen kann Drumm jedenfalls nicht mithalten. Steigende Rohstoffpreise und Energiekosten machen ihr das Leben schwer, wie sie sagt.

Auch im Café Steigleiter in der Arndtstraße müssen Kunden ein wenig tiefer in die Tasche greifen, aber „was nix kostet, kann auch nix sein“, sagt Inhaber Michael Steigleiter. Seine Stammkunden wüssten die regionale Qualität zu schätzen. Aber schlussendlich entscheide immer das Geld. Finanziell schlecht gestellte Leute kauften den „Fertigback“ beim Discounter für zehn Cent, das könne er, Steigleiter, auch verstehen. Denn selbst wenn die Traditionsbäckerei viele treue Kunden hat, machen auch ihr die stark gestiegenen Rohstoffpreise zu schaffen.

Vor etwa fünf Jahren, sagt Steigleiter, habe das Mehl noch 31 Cent pro Kilogramm gekostet. Zurzeit liege der Preis bei 41 Cent, was einer Steigerung um gut 30 Prozent entspricht. Daran zugrunde gehen in den nächsten Jahren die Bäckereien, die „faul“ sind, sagt Steigleiter. Die zum Beispiel, die sonntags nicht öffnen oder beispielsweise keine Sandwiches anbieten. „Ein Bäckereibesuch muss ein Erlebnis sein“, sagt er, „das haben manche Kollegen nicht erkannt“. Bislang sei das Café Steigleiter nicht von Konkurrenz und Preisanstieg bedroht.

„Uns fällt immer noch was ein“, sagt Steigleiter. Auch Bäcker Horst Sander hat sich etwas einfallen lassen. In seiner Bäckerei Stein in der Försterstraße verkauft er Bio- Backwaren und füllt eine Nische. Er führe einen wirtschaftlich gesunden Betrieb, sagt Sander, aber auch er bleibe von den steigenden Kosten nicht verschont. So seien seine Rohstoffe deutlich teurer als die Zutaten der Wettbewerber. Sein Betrieb sei Mitglied im Demeter-Verband, der nur Inhaltsstoffe aus biologisch-dynamischem Anbau zulasse. Ein Beispiel: Ein Kilogramm seiner Spezial-Hefe koste vier bis fünf Euro – bis zu fünfmal mehr als andere Hefen. „Nur wer sich absetzt und etwas Besonderes macht“ habe eine Chance gegen steigende Energie- und Rohstoffpreise, sagt Sander.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein