Saarland: B 51 - Zwischen Einfahrt Neumühler Weg und Abfahrt Schönbach: Unfall mit mehreren Fahrzeugen, Vollsperrung Richtung Kleinblittersdorf / Frankreich. (18:35)

B51

Priorität: Dringend

0°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
0°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saarbrücker "Electricity" gehen die Lichter aus

Abtanzen zu elektronischer Musik: Das wird es in Clubs weiter geben, aber kein Festival mit Live-Acts mehr.

Abtanzen zu elektronischer Musik: Das wird es in Clubs weiter geben, aber kein Festival mit Live-Acts mehr.

Sieben Jahre nach seiner Gründung sind bei Saarbrückens „Festival für elektronische Musik“ endgültig die Lichter ausgegangen. Geld- und Resonanzmangel seien die Gründe, erklären die Macher.

Saarbrücken. Unter „Pop-Strom“ stand Saarbrücken nie. Auch wenn 2002 beim ersten Electricity-Festival davon marketingbeflissen schnell die Rede war. Selbst noch so elektrifizierte Optimisten mussten spätestens 2005 argumentativ herunterdimmen. Damals endete die vierte, superlativste Festivalausgabe trotz eines 320 000 Euro-Budgets (140 000 davon an Zuschüssen und Sponsormitteln) mit der Insolvenz des damaligen Betreibers Splitter (mit Roland Brycz an der Spitze). Vier Jahre später sind die Tage des Festivals nun gezählt.

Denis Reinhardt aus dem fünfköpfigen Vorstand des Vereins, der Electricity nach dem Splitter-Kollaps fortführte, bestätigte gestern auf Anfrage das Ende. Der Verein bereitet seine Auflösung vor, Vorstand Pascal Strauss, der wie Brycz Insolvenz anmelden musste, ist längst ausgestiegen und der übrige Vorstand um finanzielle Schadensbewältigung bemüht: In das 2008 nur noch mit rund 20 000 Euro unterstützte Festival (10 000 Euro kamen von der Stadt Saarbrücken, der Rest von Sponsoren) hatte das Quintett zuletzt selbst Gelder in gut fünfstelliger Höhe hineingesteckt. Geld, das man verlor, weil die Resonanz mit nur 600 Elektro-Fans desaströs ausfiel.

Tod des Festivals vorprogrammiert?

Spricht man mit Reinhardt über die Hintergründe des Scheiterns des 2002 so ambitioniert aufgelegten und einige Jahre lang tatkräftig von der Landesregierung geförderten (und von dem damaligen Regierungs- und heutigen SR-Pressesprecher Peter Meyer mit konzipierten) Festivals, wird deutlich, dass dessen Tod wohl vorprogrammiert war. Weil die Zuschüsse „sehr spät“ kamen, habe man nur drei Monate Zeit für Buchung und Bewerbung gehabt. Medienpartner (darunter Zeitschriften wie „Groove“ und „Intro“) seien weggebrochen, weil man keine Inserate bezahlen konnte. Re-Finanzierungswege über die Gastronomie entfielen aufgrund bestehender Pachtverträge in der Congresshalle. Trotzdem hält Reinhardt letztere als „Location“ weiterhin für richtig. 2006 sei es „dort ja super gelaufen“.

60 000 bis 70 000 Euro brauche man, „um wirklich etwas hinzulegen“. Mit anderen Worten: Electricity war zuletzt chronisch unterfinanziert. Hinzu kam laut Reinhardt, dass die hiesige Techno- und Electro-Clubszene, die in den Anfängen noch mitzog, zusehends zur Konkurrenz geworden sei. „Manche hatten am Tag des Festivals auf einmal freien Eintritt“ oder hätten „erst recht Gas gegeben“. Bei einem parallel laufenden Technoabend im „roten Raum“ (Camera Zwo) seien über 1000 Leute gewesen. Weil „Electricity“ ganz offenbar nicht zog. Warum? Reinhardt spricht von schwer durchschaubaren Wanderbewegungen in der sowieso stark elektrolastigen Saarbrücker Clublandschaft. Echte Festivalverbundenheit gebe es nicht. Auch bei den Clubs, deren Solidarität beim Geld schnell ende.

"Da war kein Leuchten mehr"

Die für 2009 in den Stadt-Haushalt eingestellten 10 000 Euro rief der frustrierte Verein erst gar nicht mehr ab. Im Falle einer Neuauflage irgendwann müsse man die Clubszene integrieren. Wahrscheinlich, resümiert Vereinssprecher Reinhardt die Festival-Genese, sei “Electricity“ zu schnell zu sehr gewachsen – anders als das bodenständigere, behutsam ausgebaute, immer erfolgreichere Rocko-del-Schlacko-Festival, dessen Bandbreite zwischen Pop und Punk liegt. Man selbst habe, so Reinhardt, am Ende „kein Gesicht mehr gehabt“. Man könnte auch sagen: Da war kein Leuchten mehr. cis

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein