A6 Metz/Saarbrücken - Kaiserslautern Zwischen AS Saarbrücken-Fechingen und AS Sankt Ingbert-West in beiden Richtungen Vollsperrung Derzeit Rückstau A6 in FR Saarbrücken bis in Höhe AS Rohrbach; auf der A620 in FR A6 Mannheim bis AS Saarbrücken-Gersweiler. Die Polizei bittet den Bereich weiträumig zu umfahren. (15:30)

A6

Priorität: Sehr dringend

20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
20°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saarbrücker Fitnessstudio wirft Rollstuhlfahrer raus

Saarbrücken. Dominik D. sitzt im Rollstuhl. Er hatte vor über zwei Jahren einen Snowboard- Unfall. Seither ist er querschnittsgelähmt. Das hindert ihn nicht, mit seinen Freunden zu feiern oder ins Fitnessstudio zu gehen. Weil einige seiner Leute in einem anderen Fitnessstudio trainieren, überlegt er zu wechseln und schaut dort vorbei, wo seine Freunde ein- und ausgehen. Er will ein Probetraining machen, sich die Geräte und das Drumherum anschauen. Er kennt sich aus, weiß, welche Geräte er wie benutzen muss.

Der Mitarbeiter an der Rezeption fragt ihn, ob er Hilfe braucht, Dominik D. sagt ‚Nein’, er komme gut allein zurecht und beginnt mit seinen Übungen. Nach einer halben Stunde kommt der Mitarbeiter zu ihm ans Trainingsgerät. „Er sagte zu mir, dass er gerade Ärger mit seinem Chef bekommen hat. Ich könnte meine Übungen noch zu Ende machen. Er müsste mich aber bitten, nicht mehr wiederzukommen“, erzählt Dominik D. „Warum, wollte ich wissen. Habe ich was falsch gemacht?“ Bevor er seinen Rollstuhl in einem Café am St. Johanner Markt an den Tisch lenkt, um seine Geschichte zu erzählen, räumt er noch mit kurzem Griff einen Stuhl beiseite. Seine Stimme ist kräftig. Dominik D. sieht fit aus, hat trainierte Arme und flinke Augen.

Es sei das erste Mal gewesen, dass ihm so etwas passiert ist. Außer, dass ein Busfahrer mal seine Hilfe beim Einsteigen verweigert hatte, habe es bisher nie Probleme gegeben. Selbst bei der Sache mit dem Bus hätten ihn dann zwei ältere Damen in den Bus gewuchtet. „Ich gehe mit meinen Freunden oft aus. Die sehen mich nicht als Behinderten und fassen mich auch nicht mit Samthandschuhen an“, sagt er. Dominik hat die zwei Verantwortlichen des Studios zur Rede gestellt. Warum könne er nicht hier trainieren, habe er gefragt. „Die haben dann erst gesagt, das würde versicherungstechnisch nicht gehen und das Ordnungsamt würde auch was dagegen haben.“

Dominik diskutiert und kommt nicht weiter. Er ist sauer, telefoniert mit dem Ordnungsamt. Die konnten über das Erzählte nur den Kopf schütteln. Am nächsten Tag ruft er in der Hauptfiliale der Fitnesskette an. „Man sei nicht auf Behinderte eingestellt, habe schwere Türen. Wenn man mir das jetzt erlauben würde, dann könnte ja jeder Behinderte kommen“, erzählt der 28-Jährige. Dominik ist danach so aufgebracht, dass er eine Nachricht auf Facebook in seinem Profil hinterlässt. Nicht nett im Ton, aber so eindringlich, dass viele seiner Freunde seinen Bericht teilen. So wird der Text zum Strohfeuer. Viele wollen aus dem Studio austreten. Eine Frau kündigt an, ihre Bewerbung als Trainerin dort zurückzuziehen. Das Fitnessstudio selbst wollte der SZ zunächst nichts zum Fall sagen.

Erst als der Fall immer mehr die Runde macht, ruft der Inhaber und Geschäftsführer von einer Auslandsreise an. Er wisse auch nicht genau, wie das genau vor Ort gelaufen sei, aber die Art, wie seine Mitarbeiter reagiert hätten, sei nicht in Ordnung gewesen, entschuldigt er sich. Aber was sich Dominik D. erlaubt habe, sei auch schon „ne harte Nuss“ gewesen. Das mit Facebook und dem Medienrummel. Er hätte sich damit nicht fair gegenüber seinem Laden verhalten, sagt der Fitnessstudio- Inhaber. Auf die Frage, ob Behinderte nicht bei ihm ins Fitnessstudio dürfen, fragt er einen Mann, der offenbar im Hintergrund sitzt, ob in einem seiner Studios von ihm Behinderten trainieren. Ja, in einer Filiale gäbe es einen mit Krücken, hallt es zurück.

Er habe nichts gegen Behinderte, sagt der Fitnessstudio- Chef. Das mit Behinderten sei aber schwierig in den Studios: „Wir sind dafür nicht ausgelegt“. Dann gibt er sich versöhnlich, er wolle sich nach seiner Rückkehr mal mit Dominik D. treffen, „will sehen, wie der so als Person drauf ist“. Wenn er dann zugebe, dass er eine Dummheit gemacht habe, dann könne er ruhig dort trainieren. Denn eigentlich könnte er den Rollstuhlfahrer ja auch wegen Beleidigung verklagen. Aber Dominik D. sei ja schon gestraft genug. Abschließend hält er fest: „Ich habe Hausrecht und entscheide, wen ich reinlasse. Behindert oder nicht. Das ist wie in der Disco: Der Türsteher sagt, du kommst nicht rein, und wenn ich dann frage ‚Warum nicht’, dann sagt der ‚Ist halt so, du passt nicht rein’.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein