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Saarbrücker Folsterhöhe soll umgebaut werden

Die Hochhäuser
auf der Folsterhöhe sollen eventuell verkleinert werden.

Die Hochhäuser auf der Folsterhöhe sollen eventuell verkleinert werden.

  Als der Münchner Architekt Muck Petzet im September in Saarbrücken Gastredner der Stiftung Baukultur Saarland war, wusste er noch nicht, dass er einen Tag später mit seinem Entwurf für die Folsterhöhe weit nach vorne kommen würde. Sein Büro hatte sich am Wettbewerb für die Sanierung eines der beiden 13- geschossigen Gebäude auf der Folsterhöhe beteiligt und den zweiten Platz belegt. Petzet, der 2012 den Deutschen Pavillon bei der Architekturbiennale in Venedig verantwortete, sprach sich in seinem Vortrag für Wiederverwendung von Gebäuden und Gebäudeteilen aus, für das Verkleinern von Hochhäusern, nicht aber für Abriss.

Den plant auf der Folsterhöhe auch niemand. Die „13er“, wie die beiden Hochhäuser im Vogelsborn und im Königsbruch genannt werden, sollen bleiben, jedoch bewohnbarer werden, barrierefrei und besser vermietbar. Derzeit stehen rund 140 Wohnungen leer. Mit 13 Millionen Euro will die Saarbrücker Siedlungsgesellschaft (SGS), eine Tochter der Landeshauptstadt, sich 2014 ans Werk machen. An einem der Hochhäuser, für das zweite ist vorerst kein Geld da.

Weniger könnte dabei mehr sein, vor allem besser. Warum nicht die Geschosszahl reduzieren? Noch im August hatte der Geschäftsführer der SGS, Christian Patzwahl, im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung gesagt, er könne sich vorstellen, die oberen Stockwerke abtragen zu lassen. Manch eines der neun Architekturbüros, die sich am Wettbewerb beteiligt haben, hätte sich darüber sicherlich gerne Gedanken gemacht. Doch es soll bei 13 Stockwerken bleiben, hieß es dann. Für Rückbau hätte man Förderung aus dem Programm Stadtumbau West benötigt; die ist derzeit aber nicht zu bekommen.

Morgen werden nun die Siegerentwürfe prämiert. Gewonnen haben: Baumhauer Eichler Peitzmeier Architekten aus Berlin, gefolgt von Muck Petzet Architekten, München, und Krüger und Krüger, Saarbrücken. Die SGS will Fördermittel zur Herrichtung von Mietwohnungen für ältere und behinderte Menschen bei der Saarländischen Investitions- und Kreditbank beantragen. Zudem soll Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau kommen, genauer: aus deren Programm „Energieeffizient sanieren“.

Es geht jetzt also um die Renovierung des einzelnen Hochhauses und nicht um die städtebauliche Struktur, wie Förderung aus dem Stadtumbau West sie verlangt. Und genau hier setzt der Saarbrücker Architekt Thomas Hepp vom Büro Hepp und Zenner mit seiner Kritik an. Sein Büro hatte sich zusammen mit Dresdener Architekten am Wettbewerb beteiligt. Er sagt, ein zeitgemäßer Stadtbau müsste eine Diskussion erlauben, jetzt aber würde ein Gebäude isoliert betrachtet. „Das ist bitter“, findet Hepp. Er meint, man habe „die Kreativität im Keim erstickt“. Beim Bau oder Umbau von Wohnraum solle man zudem die Bewohner einbeziehen.

Zwei Jahre Bauzeit

Auf der Folsterhöhe versammeln sich die Mieter am heutigen Donnerstag (10.10.2013) zu einer der beiden turnusgemäßen Jahresversammlungen. Dann wird sicherlich auch die Planung für die „13er“ zur Sprache kommen. Im Vogelsborn 2-6 sollen die Bauarbeiten schließlich schon 2014 beginnen und ungefähr zwei Jahre dauern. Bei dem Umbau sollen nach Angaben der SGS Wohnungsgrößen verändert werden und mehr Ein- und Zweizimmer- Wohnungen entstehen. Ein Teil der Wohnungen wird barrierereduziert oder barrierefrei werden. Es sei nicht auszuschließen, dass Mieter aus zu renovierenden Wohnungen während der Bauzeit umziehen müssen. Einen Tag nach der Mieterversammlung stellt die Stadt im Judoclub Folsterhöhe die Siegerentwürfe vor. Danach sollen sie, schreibt die SGS in einer Pressemitteilung, für eine Woche dort zu sehen sein. Man komme nach der jetzigen Planung ohne „größere Eingriffe in die Bausubstanz aus“. Rückbau bedeute immer auch die Vernichtung von Wohnraum.

Solche Überlegungen wären jedoch „bei der Sanierung des zweiten 13-Geschossers (im Königsbruch) denkbar“. Das sagt auch die Baudezernentin der Stadt Saarbrücken, Rena Wandel-Hoefer, und sie betont, es sei immer eindeutig gewesen, dass man für das Hochhaus im Vogelsborn keinen Rückbau plane, zumindest nicht für das erste Hochhaus. Bei der Renovierung des zweiten Hochhauses könne man möglicherweise über Rückbau reden, sagt auch Wandel-Hoefer. Inzwischen hat der Stadtrat beschlossen, eine Wohnungsmarktanalyse in Auftrag zu geben. So könnte sich der Blick weiten vom einzelnen Hochhaus in Randlage auf die Entwicklung der Stadt.

 

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